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"Christopher Street Day": Parade der Toleranz

Mehr als 20.000 Menschen haben in Hamburg den 25. "Christopher Street Day" mit einer bunten Parade gefeiert. Unterwegs stellten die Teilnehmer einen neuen Weltrekord im Massenumarmen auf.

Mit einer bunten, friedlichen Parade haben rund 22.000 Menschen am Samstag in der Hamburger Innenstadt den 25. "Christopher Street Day" (CSD) gefeiert. Der CSD steht weltweit für das Selbstbewusstsein der Homosexuellen und wirbt für mehr gesellschaftliche Akzeptanz. In den nächsten Wochen wird der CSD unter anderem auch in Köln und Berlin gefeiert.

Mittags setzte sich die farbenfrohe Karawane in Hamburg in Bewegung, um mit 20 Wagen vom Stadtteil St. Pauli nach St. Georg zu ziehen. Die eher kühle Witterung tat der Stimmung keinen Abbruch. Unterwegs stellten die Teilnehmer einen Weltrekord auf, als sich mitten auf einer der größten Einkaufsstraßen der Hansestadt 16.000 Menschen zehn Sekunden lang in den Armen lagen. Den bisherigen Rekord im "Group Hug" (Massenumarmen) hielten kanadische Studenten mit 5000 Teilnehmern.

Motto "Get in Touch"

Das Motto lautete beim CSD "Get in Touch". Mit diesem Aufruf wollten die Veranstalter ein Zeichen gegen Ausgrenzung und Intoleranz setzen, wie die Drag Queen Olivia Jones erläuterte. "Der CSD soll die Menschen zusammenbringen, egal ob homo- oder heterosexuell", sagte sie.Mit der Parade verbanden die Veranstalter auch politische Forderungen wie die rechtliche Gleichstellung von homosexuellen Lebenspartnerschaften mit der Ehe und die Verbesserung der Aids- Prävention. Heftige Kritik übten viele Teilnehmer an Hamburgs Regierung, die Gelder für die Aids-Vorsorge gekürzt hatte. Die Party verbinde sich mit einem politischen Anspruch, sagte die CSD-Schirmherrin und Grünen-Politikerin Krista Sager, "das ist auch notwendig, solange die in den Medien vorgelebte Liberalität noch nicht in den Schulen und am Arbeitsplatz angekommen ist".Im Anschluss an die Parade versammelten sich nach Angaben der Veranstalter rund 200.000 Menschen zu einem Straßenfest in St. Georg. Am Abend ließen die Organisatoren im Gedenken an Hamburgs Aids-Opfer 2300 schwarze Luftballons in den Himmel steigen.

Jagd auf CSD-Teilnehmer in Warschau

In Warschau zogen am Samstag trotz Demonstrationsverbots rund 2500 Homosexuelle durch die Stadt. In der ersten Reihe des Demonstrationszuges schlossen sich die stellvertretende polnische Ministerpräsidentin Izabella Jaruga-Nowacka und Claudia Roth, die Bundesvorsitzende der deutschen Grünen, dem Protestzug an. Rund 300 Gegendemonstranten, vor allem Rechtsextremisten, bewarfen die CSD-Teilnehmer mit Eiern. Als gewalttätige Fußballfans nach dem Ende der Veranstaltung in der Warschauer Innenstadt Jagd auf einzelne Teilnehmer machten, nahm die Polizei mehrere Dutzend Männer fest.Der CSD erinnert an das erste bekannt gewordene Aufbegehren von Schwulen, Lesben und Transsexuellen gegen Polizeiwillkür in New York im Juni 1969. Nach einer Razzia in der Szenebar "Stonewall Inn" kam es damals zum Aufstand der Homosexuellen, Steine flogen. Die Straßenschlachten dauerten drei Tage. Hauptschauplatz war die Christopher Street im Künstlerviertel Greenwich Village.

DPA / DPA

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