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Ausländische Airlines: Sicher fliegen, aber wie?

Das Unglück von Phuket führt die Risiken der Luftfahrt erneut vor Augen. In welchen Ländern ist vom Fliegen eher abzuraten? Nach wie vor machen sich die wenigsten vor ihrer Reisebuchung über die Sicherheit Gedanken. Dabei existieren für Passagiere einige gute Hilfsangebote im Netz.

Von Jan-Arwed Richter

Die Trümmer der im thailändischen Urlausparadies Phuket verunglückten McDonnell Douglas MD-82 qualmten noch, als erste Spekulationen aufkamen, die Maschine der Billigfluglinie One-Two-Go sei von einer Windscherung erfasst worden. Was sich tatsächlich abgespielt hat, wird die Auswertung der beiden Flugdatenschreiber zeigen, die mittlerweile aus dem Wrack geborgen wurden. Doch die aus zweiter Hand in den USA gekaufte Unglücksmaschine hatte bereits fast 24 Dienstjahre auf dem Buckel. Die MD-82 wird seit vielen Jahren nicht mehr gebaut, feiert aber in vielen ärmeren Ländern ihren zweiten Frühling und ist dort als günstiges Arbeitspferd beliebt.

One-Two-Go Airlines ist ein Tochterunternehmen der Orient Thai Airlines aus Bangkok, die bereits vor einiger Zeit wegen Ungereimtheiten im Flugmanagement vom thailändischen Transportministerium zur Einhaltung der Sicherheitsvorschriften gemahnt wurde. Dennoch flogen die Jets der Airline jahrelang ohne größere Zwischenfälle. Die Fluglinie expandiert gegenwärtig und beschafft sich zu diesem Zweck diverse ältere Maschinen, um sich im boomenden innerthailändischen Luftverkehr Marktanteile zu sichern.

Vorher online informieren

Flugzeugunglücke mit vielen Toten wecken bei Urlaubern immer wieder Befürchtungen, dass es bei Inlandsflügen in fernen Ländern an der Sicherheit mangelt. Zum Teil sind diese Befürchtungen auch gerechtfertigt. Ein Sorgenkind in Asien ist zum Beispiel das Ferienland Indonesien. Das nicht nur an Naturkatastrophen, sondern auch an Flugzeugunglücken reiche Land, ist seit Jahren auf den hintersten Plätzen der Sicherheitsrankings zu finden. Allein in diesem Jahr kam es zu drei schweren Flugzeugunglücken, bei denen 123 Menschen ums Leben kamen. Aufgrund anhaltender Sicherheitsbedenken verbannte die Europäische Kommission in ihrer aktuellen "Schwarzen Liste" sämtliche Airlines aus Indonesien vom Luftraum der EU.

Das Instrument der Schwarzen Liste wird von der EU seit 2006 angewandt. Dort sind alle Fluglinien verzeichnet, die aufgrund mangelnder Sicherheit nicht in Europa landen dürfen. Neben Indonesien sind alle Flugzeuge aus vier afrikanischen Ländern sowie der zentralasiatischen Republik Kirgisien gesperrt. Jede Änderung der Liste wird im Internet veröffentlicht.

Zweigeteilte Welt

Viele Länder haben eigene Regelungen für ihren Flugverkehr, daher ist es immer noch recht schwer, weltweit Transparenz beim Thema Sicherheit zu etablieren. Einheitliche Qualitätsstandards bei Wartungsbetrieben, Pilotenausbildung oder Fluggastabfertigung herzustellen, ist erklärtes Ziel der amerikanischen Zivilluftfahrtbehörde FAA (Federal Aviation Administration).

Die US-Behörde in Washington unterteilt den Globus in zwei Hälften. Auf der einen Seite sind die Länder, die auf die Einhaltung festgelegter Standards in Bezug auf den Flugbetrieb und Flugzeugwartung achten (Kategorie 1). Auf der anderen die, die das eben nicht tun (Kategorie 2). Eine Liste der Länder ist Online verfügbar.

EU-nahe Länder wie zum Beispiel die Türkei, Ägypten oder Russland gelten bei Flugsicherheitsexperten ebenfalls als bedenklich. Auch das nationale Luftfahrt Bundesamt beschäftigt eine eigene Truppe, die so genannte "Task-Force", um möglichst viele Schwarze Schafe vom Himmel zu verbannen. Unangekündigt werden Maschinen aus zweifelhaften Ländern von Fachleuten hinsichtlich der Einhaltung der geltenden Sicherheitsstandards kontrolliert. Abgefahrene Reifen, kaputte Bremsen oder überzogene Dienstzeiten bei den Piloten werden mit Bußgeldern geahndet. Wird der technische Zustand beanstandet, kann das Flugzeug auch mit einem Startverbot belegt werden, bis der Schaden behoben ist.

Neben wenigen staatlichen Institutionen gibt es auch einige private Initiativen, bei denen sich Passagiere über mögliche Risiken beim Fliegen im Urlaubsland erkundigen können. Allen voran das niederländische Aviation Safety Net, das über einen Crash oder Sicherheitsstatistiken informiert. Auch in Deutschland kann man sich zum Thema Flugsicherheit schlau machen. Das englischsprachige Hamburger Portal Jacdec und Aerosecure aus München bieten neben aktuellen Informationen auch Sicherheitsüberprüfungen von bestimmten Fluglinien an. Darin erfährt man, was die Fluglinie bereits auf dem Kerbholz hatte - oder ob es sich um eine Gesellschaft mit reiner Weste handelt.

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