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Entschädigung für Bahn-Kunden: ICE-Hitzeopfer bekommen 500 Euro

Vor dem Gipfel im Verkehrsministerium wächst der Druck auf die Deutsche Bahn, ihre Kunden für die Hitzepannen besser zu entschädigen. Wer ärztlich versorgt werden musste und ernste Probleme hatte soll nun großzügiger bedacht werden als bislang vorgesehen.

Die Deutsche Bahn erhöht nach öffentlicher Kritik die Entschädigungszahlungen für Fahrgäste aus überhitzten ICE-Wagen. So sollen Betroffene, die wegen ausgefallener Klimaanlagen ernste Gesundheitsprobleme bekamen und ärztlich versorgt wurden, 500 Euro in bar erhalten, wie der Konzern am Mittwoch mitteilte. "Wir haben eine schnelle und unbürokratische Wiedergutmachung angekündigt, mit den jetzt beschlossenen Maßnahmen halten wir Wort", sagte Bahn-Chef Rüdiger Grube.

Bislang hatte die Bahn für diese Gruppe lediglich das Anderthalbfache des Fahrpreises in Form von Reisegutscheinen zugesagt. Verbraucherschützer und der Fahrgastverband forderten als Entschädigung Geld statt Reisegutscheine. Der Chef des Bundesverbandes der Verbraucherzentralen (VZBV), Gerd Billen, hatte 300 Euro pro Person als Richtwert für ein angemessenes Schmerzensgeld genannt.

Grube kritisiert ICE-Hersteller

Das Versagen von Klimaanlagen in Zügen ist am Donnerstag Thema eines Spitzentreffens von Bahnchef Grube und Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) mit Mitgliedern des Bundestags-Verkehrsausschusses. Grube macht auch die Hersteller der ICE für den schlechten Zustand der Fahrzeugflotte verantwortlich. "Wir haben von der Industrie bislang fast nie Züge geliefert bekommen, die auch das geleistet haben, wofür wir bezahlt haben", sagte Grube im neuen stern.

Die Pannenserie hatte am 10. Juli begonnen. In Bielefeld wurde ein ICE nach dem Ausfall der Kühlung gestoppt. In ihm saßen auch die Teilnehmer einer Klassenfahrt. Mehrere Schüler kollabierten wegen der Hitze, neun von ihnen kamen ins Krankenhaus. An den folgenden Tagen wurden rund 50 Fälle defekter Klimaanlagen in Fernzügen bekannt, vor allem das Modell ICE 2 war betroffen. Dabei wurde auch das Verhalten einiger Bahnmitarbeiter kritisiert. Gegen den Zugchef des in Bielefeld gestoppten ICE ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts auf fahrlässige Körperverletzung und unterlassene Hilfeleistung. Es geht um die Frage, ob der Mann den Zug früher hätte anhalten müssen.

Schon früher Probleme mit Klimaanlagen?

Probleme mit den Klimaanlagen gab es nach Informationen des Berliner "Tagesspiegels" schon früher. In einer internen Statistik des Unternehmens sei für den Juni 2008 bei durchschnittlich vier der 44 ICE-2-Züge "Klima defekt" vermerkt. Der Mittelwert für den Juli lag bei drei, für den August bei sieben Zügen.

Bislang hat die Bahn von einem neuen Phänomen gesprochen, das es in dieser Häufung zuvor nicht gegeben habe. Die Klimaanlagen des ICE 2 seien bis zur vorvergangenen Woche "völlig unauffällig gewesen", sagte Bahnchef Grube.

zen/joe/DPA/APN / DPA

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