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Fliegen: Schöne Bescherung

Ob Sitzplatzreservierung oder Menü - für ihre Kinder müssen Eltern beim Fliegen ab sofort Leistungen bezahlen, die bisher gratis waren.

Noch sind es fünf Wochen bis zum Weihnachtsfest, doch die Bescherung ist schon da. Der Winterflugplan der Airlines. Und da sehen Familien alt aus. Für immer mehr Vergünstigungen, auf die sie bisher mit ihren Sprösslingen zählen durften, müssen sie nun zahlen. Selbst einen Service, auf den Eltern kaum verzichten können, gibt es oft nur noch gegen Aufpreis. Soll etwa ein Platz für die Kleinen reserviert werden, damit sie neben Mama oder Papa sitzen, nimmt jetzt auch Condor dafür Geld. Und das nicht zu knapp: zehn Euro pro Kind und Strecke. Damit folgt der Charterflieger der Konkurrenz. LTU berechnet beispielsweise bereits zehn Euro, Air Berlin und Hapagfly acht Euro und Hamburg International fünf Euro. Alle Preise pro Nase und pro Strecke, versteht sich.

Besonders ärgerlich: Schon ab einem Alter von zwei Jahren wird die volle Reservierungsgebühr fällig. Im Grunde haben die Gesellschaften damit die Preise für Kindertickets erhöht. Denn was bleibt Eltern anderes übrig, als zu zahlen, wenn sie die Kleinen an ihrer Seite haben wollen? Ohne Reservierung am Checkin aufzutauchen und zu riskieren, dass ein Vierjähriger dann vielleicht fünf Reihen entfernt von einem Elternteil sitzt, taugt höchstens für einen Comedy-Sketch.

Kinder zuerst an Bord kostet drei Euro

Die Notwendigkeit familiärer Tuchfühlung wird auch Ryanair künftig viele Euro einbringen. Bisher konnten Familien kostenlos als Erste einsteigen. Bei freier Platzwahl oft die einzige Chance, die gewünschten Sitze zu ergattern. Doch damit ist auch beim englischen Billigflieger jetzt Schluss. Wer früher an Bord möchte, muss seit Anfang des Monats drei Euro zahlen. Das gilt auch für Kinder. Ein Geschäftsgebaren, das auf soziale Ausgewogenheit pfeift, ist eine Sache. Es allerdings als Sieg der Chancengleichheit zu feiern, wie es Ryanair auf seiner Internetseite versucht, ist zynischer Unfug.

Auf der Suche nach zusätzlichen Einnahmequellen werden Airlines immer erfinderischer. So bietet Air Berlin neuerdings ein Kindermenü an. Viele Eltern wird es freuen. Laute Quengelei, wenn das Bordessen nicht wenigstens eine Komponente der kindlich-kulinarischen Viereinigkeit aus Spaghetti, Pizza, Würstchen und Fritten enthält, bringt nicht gerade die beste Stimmung für den Urlaubsbeginn. Wer den Sprössling allerdings mit Würstchen, Kartoffelpüree und Erbsen füttern will, wie bei Air Berlin möglich, wird mit sieben Euro zur Kasse gebeten. Noch mehr kostet der Frieden bei Condor. Das bisher kostenlose Kindermenü wird nur noch gegen Aufpreis serviert. Liebe Eltern, zehn Euro bitte.

Obendrein hat Condor auch noch die Ermäßigung für Gebühren von Kindertickets komplett abgeschafft. Sie verteuern sich allein dadurch um drei bis sechs Euro, pro Flugstrecke.

Einzeln genommen mögen all diese Zusatzkosten gar nicht so happig sein. Doch es läppert sich gewaltig. Viele fallen ja nicht nur pro Kind, sondern auch pro Strecke an. Sitzplatzreservierung, Kindermenü und die höhere Ticketgebühr - bei Condor können sich diese Extras pro Nase auf stolze 52 Euro summieren.

Versteckte Kosten sollen den offiziellen Preis niedrig halten

Woher der Wind am Fliegerhimmel für Familien weht, zeigt sich auch im Detail. So halbiert Condor die Freigepäckmenge für Kleinkinder bis zwei Jahre und befördert künftig nur noch zehn Kilo kostenlos. Insgesamt treibt der Lufthansa-Ableger den Trend der Urlaubsflieger, Vergünstigungen für Familien mehr und mehr einzuschränken, maßgeblich voran. Die Motivation der Airlines ist klar. Nach Art der Billigflieger soll der Flugpreis optisch niedrig gehalten werden, er spiegelt zunehmend nur Kosten für die reine Beförderung wider. Die anderen Leistungen werden extra berechnet. Das soll Kunden locken. Und wie bei der Billigkonkurrenz erfährt man erst unter Berücksichtigung aller Gebühren und Zusatzkosten, wie teuer ein Ticket wirklich ist.

Die neuen Servicegebühren etwa durch einen Wechsel der Fluglinie zu umgehen, ist mangels gleichwertiger Alternativen kaum möglich. Zudem können Pauschalurlauber oft nur bedingt beeinflussen, mit welcher Gesellschaft sie fliegen möchten. Es bleibt nur noch die Möglichkeit, die Zusatzkosten ein wenig zu reduzieren. Einige Unternehmen, wie Air Berlin, Condor oder LTU bieten sogenannte Kundenkarten an, die pro Jahr zwischen 30 und 50 Euro kosten. Die Platzreservierung ist für Karteninhaber und deren Familien gratis. Und damit lohnt sich der Kauf meist schon bei nur einem Urlaubsflug im Jahr.

Lutz Kaulfuß / print

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