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Gründung der Billig-Fluglinie: Lufthansa lässt Berliner Airport fallen

Weiterer Rückschlag für den Pannen-Airport BER in der Hauptstadt: Lufthansa wird ihre neue Billig-Airline nicht wie geplant in Berlin ansiedeln, sondern am Kölner Flughafen.

Von Ulf Brychcy

Die Lufthansa wird ihre neue Fluglinie für den Deutschland- und Europaverkehr am Kölner Airport ansiedeln - und nicht wie geplant in Berlin. Diese Entscheidung hat der Aufsichtsrat des Luftfahrtkonzerns am Mittwoch getroffen. Für den pannenbehafteten neuen Berliner Flughafen bedeutet dies einen weiteren Rückschlag. Der Hauptstadt-Airport hatte bei der Lufthansa zunächst als Favorit gegolten, auch aufgrund der avisierten staatlichen Investitionsbeihilfen.

Kein Umzug nach Berlin

Zwischen Köln und Berlin war ein heftiger Wettbewerb um den Standort der neuen Lufthansa-Flugtochter entbrannt. Schließlich geht es um viele neue Arbeitsplätze sowie um das Prestige, als attraktiver Unternehmensstandort zu gelten. Lufthansa will zum 1. Januar 2013 ihre Billigfluggesellschaft Germanwings mit dem Regionalflieger Eurowings sowie den Deutschland- und Europaverbindungen jenseits der Drehkreuze Frankfurt und München in einer neuen Gesellschaft bündeln. Diese wird 90 Flugzeuge sowie rund 2000 Beschäftigte umfassen und für einen Jahresumsatz von 2 Milliarden Euro stehen.

In Köln ist Germanwings bereits seit der Gründung vor zehn Jahren beheimatet, dort arbeiten allein in der Zentrale 380 Mitarbeiter. Dass es nun nicht wie erwartet zu einem Umzug nach Berlin kommt, dürfte mehrere Gründe haben. Beispielsweise das schlechte Image und die betrieblichen Unsicherheiten des Skandalairports in Schönefeld, nachdem die Inbetriebnahme wegen schwerwiegender baulicher Mängel mehrfach verschoben wurde. So bezeichnete am Mittwoch der Bund der Steuerzahler den neuen Hauptstadtflughafen als ein "Manifest von Fehlplanungen, Missmanagement, unvollständigen Bauunterlagen und Kostenüberschreitungen". Der Airport soll nun am 27. Oktober 2013 starten.

Zugleich will die Lufthansa die neue Airline, deren Name noch nicht feststeht und die kostengünstiger fliegen soll als der Mutterkonzern, auf Germanwings aufbauen. Eine Verlagerung wäre da kontraproduktiv. Auch will das Unternehmen weiter stark in Nordrhein-Westfalen präsent sein. Die Region ist für das Fluggastaufkommen weit wichtiger als die strukturschwachen Länder Berlin und Brandenburg. Die Entscheidung für Köln ist nach FTD-Informationen aber nicht ungetrübt. Dort sind am rechtlichen Konzernsitz aufgrund eines Restrukturierungsprogramms hunderte der 800 Arbeitsplätze gefährdet.

FTD
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