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Was Fluggäste jetzt wissen müssen: Lufthansa muss wegen des Streiks 290 Flüge streichen

Es soll der längste Streik in der Geschichte der Lufthansa werden. Von 14 Uhr an wollen die Flugbegleiter von Europas größter Airline in den Ausstand treten - und das acht Tage lang. Antworten auf die wichtigsten Fragen von Passagieren.

Demonstration von Flugbegleitern

Nach dem endgültigen Scheitern der Tarifverhandlungen um die Altersvorsorge streiken ab Freitagmittag die Flugbegleiter der Lufthansa für eine Woche.

Mit einer neuen Streiktaktik wollen die Flugbegleiter die Lufthansa treffen. Fluggäste müssen sich für eine ganze Woche auf Flugausfälle einrichten, nachdem am Donnerstagnachmittag ein letzter Verhandlungsversuch gescheitert ist. Antworten auf die wichtigsten Fragen betroffener Passagiere.

Wann und wo wird gestreikt?

Die Flugbegleiter der Lufthansa treten an diesem Freitag von 14 Uhr bis 23 Uhr in den Ausstand. Am ersten Tag des Streiks fallen 290 Flüge aus, darunter 23 Interkontinental-Verbindungen. Von den Absagen in Frankfurt und Düsseldorf sind 37.500 Passagiere betroffen. Am Samstag wird wieder am Drehkreuz Frankfurt und in Düsseldorf gestreikt. Dort sind die Flugbegleiter der Mittelstreckenflugzeuge von 6 bis 23 Uhr zur Arbeitsniederlegung aufgerufen. In Düsseldorf sollen - anders als in Frankfurt - auch Langstreckenflüge betroffen sein. Am Sonntag soll es "wegen des vornehmlichen Privatverkehrs" keine Arbeitsniederlegungen geben.

Nicoley Baublies von der Gewerkschaft Unabhängige Flugbegleiter Organisation (UFO) sagte, dass man die Streiks von Tag zu Tag flexibel handhaben wolle, um der Lufthansa möglichst wenig Chancen auf Reaktionen zu geben. "Die Kunden müssen sich alle darauf einstellen, dass ihr Flug ausfallen könnte." 

Bislang waren die Streiks der Piloten immer mit 24 Stunden Vorlauf angekündigt worden. "Die auf vielleicht nur noch drei Stunden verkürzte Ankündigungszeit macht die Planung für uns und unsere Passagiere viel schwieriger", sagte ein Airline-Sprecher. 

Wird es einen Sonderflugplan geben?

Die Lufthansa erklärte nach Bekanntgabe des Streiks, am Freitagvormittag würden Sonderflugpläne für Langstrecken-, Mittel- und Kurzstreckenflüge von und nach Frankfurt und Düsseldorf veröffentlicht. Ziel sei es, mindestens acht Langstreckenflüge ab Frankfurt anzubieten. Im Kontinentalverkehr, also auf Strecken innerhalb Europas, müssten ab 14 Uhr voraussichtlich "großflächig" Flüge gestrichen werden. Wegen der kurzfristigen Bekanntgabe der Streiks an zwei großen Flughäfen ergebe sich "eine schwierige Situation für unsere Kunden".

Wo kann ich mich informieren, ob mein LH-Flug stattfindet?

Erster Ansprechpartner für Flugreisende ist immer die Fluggesellschaft, bei Pauschalreisen der Reiseveranstalter. Passagiere können sich auf der Homepage der Lufthansa unter Flugstatus schlau machen. Auch verschickt die Airline automatische Benachrichtungen an registrierte Kunden , sollte es zu Änderungen im Reiseplan kommen.

Findet mein Germanwings-Flug statt?

Ja, denn von der Arbeitsniederlegung sind die Lufthansa-Töchter Germanwings und Eurowings nicht betroffen. 

Kann ich meinen bestreikten Flug stornieren?

Einen streikbedingt gestrichenen Flug kann der Kunde stornieren, er bekommt dann sein Geld zurück. Wer trotzdem fliegen will, hat Anspruch auf einen späteren Flug. Das kann aber dauern, bis der Streik vorbei ist - und auch länger, da ein Rückstau entstehen kann.

Kann ich mit einem Flugticket in den ICE steigen?

Innerhalb Deutschlands reisende Fluggäste können alternativ den Zug nehmen, müssen ihr Ticket dafür aber am Check-in-Automaten, am Lufthansa-Schalter oder im Internet gegen einen Reisegutschein für die Deutsche Bahn tauschen. Damit können Betroffene direkt in den Zug einsteigen. Bei internationalen Zugverbindungen müssen die Reisegutscheine vor Fahrtantritt noch in einem DB-Reisezentrum oder einer DB-Agentur gegen eine Fahrkarte eingetauscht werden.

Welches sind meine Rechte bei Verspätungen?

Verspätet sich der Flug wegen des Streiks, stehen Betroffenen bestimmte Leistungen zu. Bei einer kürzeren Flugstrecke von maximal 1500 Kilometern haben die Passagiere ab einer Verspätung von zwei Stunden Anspruch auf Betreuungsleistungen, also Telefonate, Getränke, und Mahlzeiten. Ist der Flug zwischen 1500 und 3500 Kilometer lang, greift die Vorschrift ab einer Verspätung von drei Stunden, bei Langstreckenflügen von 3500 und mehr Kilometern liegt die Grenze bei vier Stunden. Gegebenenfalls muss auch eine Übernachtung im Hotel bezahlt werden.

Auch bei einer großen absehbaren Verspätung sollten Passagiere immer zur ursprünglichen Abflugzeit am Flughafen sein. Es besteht sonst die Gefahr, dass die Fluggesellschaft doch früher einen Ersatzflug anbieten kann - und der Reisende ihn dann verpasst.

Habe ich bei Streik Anspruch auf eine Entschädigung?

Laut EU-Verordnung Nr. 261/2004 haben Passagiere bei Annullierung, Überbuchung oder Verspätung ab drei Stunden Anspruch auf eine Entschädigung von bis zu 600 Euro, aber nur, wenn keine "außergewöhnlichen Umstände" vorliegen. Der Bundesgerichtshof hat jedoch entschieden, dass Streiks als außergewöhnlicher Umstand gelten. Daher besteht kein Anspruch auf eine Ausgleichszahlung.

Worum geht es bei dem Streik der Flugbegleiter?

In der aktuellen Auseinandersetzung sind wichtige Punkte die Absicherung und Vergütung der 19.000 Flugbegleiter bei der Lufthansa-Mutter sowie die Alters- und Übergangsversorgung. Seit zwei Jahren verhandeln beide Seiten, doch jetzt haben sich  Lufthansa und Flugbegleiter ineinander verkeilt. Die Flugbegleiter haben zuletzt 2012 gestreikt. Damals wurde der Konflikt unter Einschaltung eines Schlichters mit einem umfassenden Tarifpaket beigelegt.

Wie oft haben die Piloten der Lufthansa gestreikt?

In der laufenden Tarifrunde haben die Piloten seit April 2014 bereits 13 Mal die Arbeit niedergelegt. Im Streit um den Konzerntarifvertrag für rund 5400 Piloten von Lufthansa, Lufthansa Cargo und Germanwings geht es um Gehälter oder Übergangsrenten. Die Piloten wollten zudem den Ausbau der Billigschiene Eurowings verhindern. Weil sie dieses nicht tarifliche Ziel aber allzu offen mit dem Streik verbunden haben, stoppte das Landesarbeitsgericht Hessen die letzte Streikrunde Anfang September am zweiten Tag. Derzeit laufen Gespräche zu den Übergangsrenten.



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