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Lufthansa-Vielfliegerprogramm Miles & More: Gut Ding will Meile haben

Vielflieger sind eine illustre Gemeinde, zahlungskräftig, ehrgeizig - und ein bisschen eigen. Der Fall eines verärgerten Lufthansa-Kunden stößt in den Reihen der Meilenjäger auf viel Solidarität.

Von Jennifer Lachman

Selbst aus dem fernen Singapur erhielt Tobias Eggendorfer prompt Unterstützung. "Was die Lufthansa gemacht hat, ist in der Tat eine Frechheit!", empörte sich Stefan Kuhn, wenige Stunden nachdem er in der FTD von der Klage seines Vielflieger-Kollegen Eggendorfer erfahren hatte.

Der 34-Jährige, der in der asiatischen Metropole für eine britische Bank arbeitet, hatte sich selbst schon bei der Wettbewerbszentrale in Bad Homburg beschwert - weil die Lufthansa im Dezember 2010 kurzfristig die Preise ihres Vielfliegerprogramms Miles & More angehoben hatte. Jetzt hat er seine Anwälte angewiesen, Eggendorfers Begründung im Detail zu prüfen: "Wir würden uns der Klage sofort anschließen", sagte er am Donnerstag.

Erkennungszeichen: schwarze Miles&More-Kärtchen

"Wir", das ist nicht irgendwer, sondern eine illustre Gruppe von sechs Lufthansa-Spitzenkunden. Jeder von ihnen ein Mitglied des sogenannten HON-Circle und somit bei Europas größter Fluggesellschaft verantwortlich für einen jährlichen Umsatz zwischen 50.000 und 100.000 Euro. Im Klartext: Kuhn und seine Freunde geben jeweils innerhalb eines Jahres mehr für Flugtickets aus, als viele andere Menschen brutto verdienen. Insgesamt knapp 8000 HONs - Erkennungszeichen: schwarze Miles&More-Kärtchen, lederner Gepäckanhänger mit gelben Nähten - soll es geben, schätzen Beobachter. Die genauen Zahlen hält die Lufthansa unter Verschluss. Geschäftsgeheimnis.

Eggendorfers Fall zeigt jedoch eindrücklich, wie rege, solidarisch und gut vernetzt diese Vielflieger sind. In den speziellen Foren der Szene, wie Vielfliegertreff.de oder Flyertalk.com ist er jetzt für viele ein Held. Der 35-jährige IT-Professor und Berater klagt dagegen, dass die Lufthansa die Vielfliegermeilen entwertet hat. Ein First-Class-Flug von Europa nach Australien kostet seit Januar 290.000 Meilen - und damit 21 Prozent mehr. Nur vier Wochen, und das in der Vorweihnachtszeit, hatten die Kunden Zeit, wenn sie ihre Meilen noch zu den alten Konditionen nutzen wollten. Ein Unding, findet Eggendorfer. Auch, weil die Lufthansa nur verschämt über die Neuerung informierte: Das Kundenmagazin "Exclusive" etwa berichtete erst in der Januar-Ausgabe.

Die Lufthansa habe rechtzeitig und auf mehreren Kanälen informiert, verteidigte sich ein Sprecher der Fluglinie. Ansonsten wollte er sich zu dem laufenden Verfahren nicht äußern. Ob Eggendorfer sich vor dem Landgericht Köln durchsetzen wird, ist offen. Schon jetzt hat die Lufthansa aber bei ihren wichtigsten Kunden einen Imageschaden erlitten, denn die Nachricht hat sich in der Community - der neben den 8000 HONs auch etwa 125.000 Senatoren angehören - wie ein Lauffeuer verbreitet.

2,5 Millionen Meilen in zwei Tagen

Um aufgenommen zu werden, scheuen die Vielflieger weder Kosten noch Strapazen. Der Banker Kuhn aus Singapur etwa lernte seine fünf HON-Mitstreiter im Frühjahr 2010 kennen, als die Lufthansa eine besondere Promotion-Aktion auslobte. Zum fünfjährigen Jubiläum ihrer Privatjet-Sparte gab es fünfmal so viele Statusmeilen wie sonst.

Die Männer, die sich bis dato nicht kannten, verabredeten sich über das Internet, legten 44.700 Euro zusammen, jetteten zwei Tage zwischen München und Zürich - und kassierten 2,5 Millionen Meilen. Seither sind sie befreundet: Ein erstes Wiedersehen fand in New York statt, kommende Woche trifft sich die Clique bei Kuhn, in Singapur.

Was das Kürzel "RAL" bedeutet

Viele Debatten - on- wie offline - drehen sich um die Frage, wie die Nutzer die meisten Meilen einsammeln können. Mit Hingabe tauschen sie sich auch über Anekdoten und Halbwahrheiten rund um die Lufthansa aus. Warum auf manchen Passagierlisten Senatoren oder HONs mit einem Plus versehen werden, ist eine oft gestellte Frage. So mache die Fluglinie die 15 umsatzstärksten Passagiere an Bord kenntlich, ist sich die Gemeinde sicher.

Die Pressestelle indes ist überfragt. Und wofür, so ein Nutzer, stehe eigentlich das Kürzel "RAL", das er auf einer Passagierliste neben einem Namen entdeckt habe? Der Ex-Freund einer Lufthanseatin klärt gerne auf: Eine Abkürzung sei das, für ein böses Schimpfwort, das mit "Riesen" beginnt. Damit kennzeichne die Fluglinie besonders anstrengende Fluggäste.

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