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Studie von Airbus: Schlafkojen im Unterdeck: So fliegen wir schlummernd im Frachtraum

Können sich Passagiere der Economy Class auf Langstreckenflügen bald auch in Schlafkojen ausstrecken, die den Ruheräumen der Flugbegleiter ähnlich sind? Airbus hat zusammen mit einem Hersteller ein neues Modul-Konzept vorgestellt.

Auf Langstreckenflügen lösen sich die Crew-Mitglieder ab. Egal ob sie im Cockpit oder in der Kabine arbeiten, bei allen großen Fluggesellschaften gibt es interne Regelungen, die Ruhepausen vorsehen. Dafür können sich die Crews in spezielle Räumlichkeiten zurückziehen, die je nach Flugzeugtyp und Airline unterschiedlich konfiguriert sind.

Passagiere können in diese Schlafgemächer nie einen Blick werfen. Höchstens bekommen sie mit, das es in der Flugzeugkabine auch eine Tür gibt, die allerdings nicht zu einer Toilette führt. Nur wenn ein Flugbegleiter bei Schichtwechsel sie kurz öffnet, um dahinter auf einer Treppe zu verschwinden, ahnt man, dass es einen Bereich in den Langstreckenjets gibt, der eine Oase der Ruhe sein könnte.

Vier Beispiele für modulare Nutzung des Unterdecks: Statt Cargo-Container könnten Einheiten mit je 10 Quadratmetern Grundfläche für Schlaf- oder Konferenzräume in den Rumpf geschoben werden. 

Vier Beispiele für modulare Nutzung des Unterdecks: Statt Cargo-Container könnten Einheiten mit je 10 Quadratmetern Grundfläche für Schlaf- oder Konferenzräume in den Rumpf geschoben werden. 

stern.de


Crew Rest: Eng im Unterdeck

Beim den großen Flugzeugen wie der  Boeing 747-8 befindet sich diese auch "Crew Rest" genannten Gemächer in einem Zwischenraum im Heck oberhalb der Kabine. Beim größten Passagierflugzeug der Welt, dem Airbus A380, geht es mit einer kurzen Leiter ins Unterdeck.

Doch um es gleich zu sagen: Die Platzverhältnisse sind sehr beschränkt, die abgetrennten Kojen, die sich für jeweils eine Person eignen, sind nichts für Menschen, die unter Klaustrophobie leiden.

Jetzt hat Airbus zusammen mit dem Flugzeug-Zulieferer Zodiac Aerospace ein Konzept entwickelt, das den Frachtraum, der sich unter der Passagierebene befindet, auch anders nutzt: Anstelle von Containern mit Luftfracht könnte der niedrige Raum zum Teil mit solchen von den Crews bekannten Schlafkojen ausgestattet werden, die bald auch von Passagiere genutzt werden könnten.

Fliegendes Stunden-Hotel

So könnten sich Passagiere - egal welcher Reiseklasse - nach dem Start auf ihren normalen Sitzen gegen einen Aufpreis in die Ruheräume zurückziehen. Die Fluggesellschaften hätten so auf langen Strecken mit weniger Cargo-Aufkommen eine zusätzliche Einnahmequelle, ohne Flächen für herkömmliche Sitzplätze im Hauptdeck wegzunehmen, argumentiert Frérérik Mazel, der Projektentwickler von Airbus in Gespräch mit dem stern. "Wir haben das Konzept der Crew Rest nur weiterentwickelt", so Mazel.

Im Unterdeck, wo sonst Cargo-Container transportiert werden: So stellen sich Airbus und die Firma Zodiac die Schlafgemächer vor.

Im Unterdeck, wo sonst Cargo-Container transportiert werden: So stellen sich Airbus und die Firma Zodiac die Schlafgemächer vor.


Das Besondere an der auf der Fachmesse Aircraft Interior Expo in Hamburg vorgestellten Studie: Die Schlafplätze haben einen modularen Charakter und könnten je nach Bedarf schnell gegen Cargo-Elemente beim Beladen ausgetauscht werden. Einziges Manko: Die Höhe im Unterdeck beträgt nur 1,60 Meter. Zunächst ist das Produkt für den Airbus A330 gedacht.

Wer bislang im Flug schlafen möchte, bucht einen Platz in der Business Class. In dieser Reiseklasse haben sich Sitze etabliert, die sich bei fast allen großen Airlines in flache Betten verwandeln lassen.

Follow Me: Neuer Airbus A380: Im Doppelbett über den Wolken schlummern
Airbus A380 Singapore Airlines

Der Airbus A380 im Hangar im Hamburg-Finkenwerder: Bevor das Exemplar mit der neuen Kabinenausstattung an die Fluglinie ausgeliefert wird, müssen noch Testflüge unternommen werden.

Singapore Airlines hat mit den im Herbst 2017 vorgestellten fliegenden Doppelbetten in ihren neuen Flugzeugen vom Typ Airbus A380 neue Maßstäbe gesetzt. Da geht es weitaus großzügiger zu, als in den jetzt von Airbus präsentierten Compartments im Unterdeck.

Denkbar auch im Unterdeck: Ein Spielplatz für Kinder oder als Transportraum für erkrankte Passagiere.

Denkbar auch im Unterdeck: Ein Spielplatz für Kinder oder als Transportraum für erkrankte Passagiere.

Doch Entwurfszeichnungen zeigen, dass die modularen Räume auch für Konferenzen, als Bar, fliegender Kindergarten oder zum Transport von Kranken genutzt werden können.

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