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Wohn-Trend: Podshare in San Francisco – Millennials zahlen 1200 Dollar im Monat für eine Schlafkoje

Aus den USA kommt eine neue Sharing-Idee: Eine Wohnung wird mit Etagenbetten vollgestellt und jede Koje kostet 1200 Dollar im Monat. Anders können sich junge Menschen kein Dach über dem Kopf leisten.

Die Schlafkojen sind klein, das Haus ist aber recht großzügig - es besitzt sogar eine Dachterrasse.

Die Schlafkojen sind klein, das Haus ist aber recht großzügig - es besitzt sogar eine Dachterrasse.

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Ganz oben auf der Leiter der Wohnträume steht das eigene großzügige Haus, gefolgt von einer schönen Wohnung. Wenn das zu teuer ist, kommt auch eine Wohngemeinschaft in Frage. Man "shared" zwar Bad, Klo und Küche – aber was soll's? Im eigenen Zimmer kann man die Tür hinter sich zumachen. Doch wenn die Immobilienpreise so hoch sind, dass man sich nicht einmal ein Zimmer leisten kann, gibt es nun eine neue Lösung. Podshare nennt sich ein Start-up und es vermietet nur Schlafkojen, die zudem übereinander gestapelt werden. Die Betten sehen aus wie aus einem Kinderzimmer – doch die Räume sind belegt wie in einer Kaserne. Wo vorher nur eine Person schlief, passen nun locker sechs bis sieben Menschen hinein.

Bekannt aus Japan

In Japan gibt es seit Jahren ein ähnliches Konzept für Hotels – dort schläft man in einem überdimensionalen Schließfach. Typisch für Japan, sind die Kojen mit Technik vollgestopft und gegen Geräusche isoliert.

So viel Aufwand betreibt Podshare nicht. Ein paar Vorhänge müssen reichen, um Privatsphäre zu simulieren. An ein Sexleben ist nicht zu denken und auch nicht an Schlaf, sollte ein Mitbewohner schnarchen. Sieht man die Fotos der Seite durch, kann man auch keine verstärkte Lüftungs- oder Klimaanlage erkennen. Es dürfte also im Sommer ganz schön miefig werden.

Das Start-up kommt aus Los Angeles und hat nun seinen ersten Standort in der Bay Area im Stadtteil Tenderloin in San Francisco eröffnet. Die Lage ist zumindest sehr gut. "Wir glauben, dass Sie nur einen kleinen Raum für sich allein benötigen, um zu schlafen, sich zu entspannen und Ihre Sachen aufzubewahren. Der Rest unserer Fläche ... wird geteilt", erklärt das Unternehmens auf seiner Website.

Beziehungen knüpfen

Elvina Bock, CEO von Podshare, sieht die Vorteile ihres Konzepts. Sie sei in einem kommunistischen Land großgeworden, wo alle erwartet hätten, dass der Staat die Dinge regle, sagte sie CNN. Ihr minimalistisches Wohnkonzept versorge die Bewohner mit den nötigsten Dingen und biete menschliche Nähe, sagt die Vermieterin. Sie sagt aber auch: "Du musst etwas aufgeben, wenn du im Zentrum leben und keine Kaution und so bezahlen willst, und das ist deine Privatsphäre." Man dürfe nicht nur auf die individuellen Pods schauen, sondern müsse auch die großzügigen gemeinsamen Flächen in Rechnung stellen.

Jedes der Holzbetten besitzt einen Fernseher, Nachtlicht, Steckdosen und Stauraum, und die Mieter teilen sich eine gemeinsame Küche und einen Aufenthaltsraum.

Die Preise sind allerdings gesalzen: 60 Dollar kostet eine Nacht, 350 eine Woche oder 1200 Dollar ein Monat. Elvina Bock stellt aber klar, dass ihre Behausungen keine dauerhaften Wohnungen ersetzen sollen. Das Angebot sei für Neuankömmlinge in einer Stadt gedacht, die schnell und unkompliziert ein Dach über dem Kopf benötigen.

1200 Dollar ist viel Geld – doch wer in San Francisco wohnen will, muss ganz andere Preise in Kauf nehmen. Die durchschnittliche Miete für eine Einzimmerwohnung in San Francisco beträgt 2470 Dollar – und in dem Mittelwert werden auch unattraktive Viertel berücksichtigt. Auch Airbnb ist deutlich teurer – wenn man ein eigenes Zimmer und keine Kellerkammer haben will.

Rezept gegen den Wohnungsmangel

Auf den ersten Blick wirkt das Modell befremdlich. Doch könnten solche Wohnformen helfen, die Wohnungsknappheit zu mindern. Gerade der Trend zum Singleleben verschlingt viele Quadratmeter. Mit einer Pod-Lösung könnten sechs bis acht Personen in einer 80-Quadratmeter-Wohnung leben – dann würden sie zwar nachts beengt schlafen, aber die Wohnung wäre immer noch groß genug, für eine schöne Küche mit einem Gemeinschaftsraum. Die Behörden in San Francisco verlangen zwar einige Nachbesserungen, stehen dem Konzept aber eher wohlwollend gegenüber. Denn anders als bei Airbnb verdrängen hier nicht Touristen die Einwohner, die Neuankömmlinge wollen in San Francisco leben und irgendwo müssen sie ja hin.

Nicht für jeden geeignet

Die Bewohner der Pods haben unterschiedliche Motive. Stephen Johnson gibt offen zu, dass er sich mit einem Einkommen von 3000 Dollar nichts anderes leisten kann. Er habe es probiert, aber es sei sehr, sehr hart gewesen, sagte er dem Sender. Softwareingenieur Rayyan Zahid gibt dagegen an, er verdiene wirklich genug, um sich eine Wohnung leisten zu können. Aber er liebe es, inmitten des Stadtlebens zu wohnen und ihm gefällt die Nähe zu den Mitbewohnern sichtlich.

Auch Stephen Johnson sagt: "Wenn du hier einziehst, musst du wissen, dass du deine Privatsphäre aufgibst." Daran müsse man sich gewöhnen, aber wenn man sich erst angepasst habe, fände man auch genügend Raum nur für sich. Sein Tipp: "Man sollte es nicht verurteilen, bevor man es mal ausprobiert hat."

Quellen: PodshareCNN

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