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Tödliches Drama in der Schweiz Wie sicher sind Busreisen?


Nach dem Busunglück in der Schweiz stellt sich die Frage, wie gefährlich Fahrten mit dem Reisebus sind. Laut Statistik gilt der Bus als sicher. Doch das Risiko fährt immer mit.
Von Till Bartels

Ein Tunnel hat sich als Todesfalle erwiesen. 28 Tote, so lautet ist die traurige Bilanz des Busunglücks im schweizerischen Wallis. Da auch 22 Kinder unter den Opfern sind, stellen sich viele besorgte Eltern die Frage, wie gefährlich Fahrten mit dem Reisebus gerade im Vergleich zu anderen Verkehrsmitteln sind. Wenn bereits eine Klassenreise ins Schullandheim ansteht, sollte aus Sicherheitsgründen nicht besser auf die Bahn umgestiegen werden?

Im Vergleich zu anderen Verkehrsmitteln gehört der Reisebus zu den sichersten Fortbewegungsmitteln auf der Straße. Denn das Risiko, mit Motorrad oder Auto zu Schaden zu kommen, ist ungleich höher. Je zurückgelegten Personenkilometer sind die Chancen, im Auto in einen tödlichen Unfall verwickelt zu sein, 16 Mal höher als im Bus. Nur die Fortbewegung per Eisenbahn und Flugzeug gilt als noch sicherer, das besagen die Zahlen des Statistischen Bundesamtes zwischen 2005 und 2009.

Massenverkehrsmittel Bus

Doch ein Risiko bleibt: der Fahrer. An ihm liegt es, die gesetzlich vorgeschriebenen Lenk- und Ruhezeiten einzuhalten. Busfahrer dürfen in der Regel höchstens neun Stunden fahren, nach 4,5 Stunden ist eine Unterbrechung von 45 Minuten fällig. Im Gegensatz zu einem schienengebunden Fahrzeug ist ein Sekundenschlaf am Steuer im "Cockpit", wie die Fahrer eines modernen Reisebusses ihren Arbeitsplatz gerne bezeichnen, weitaus gefährlicher. Ebenso können die Folgen plötzlich auftretender Gesundheitsprobleme wie ein Herzinfarkt oder Unaufmerksamkeiten fatal sein. Der Fahrer des in der Schweiz verunglückten Schülerbusses, der sich auf der Rückreise aus den Skiferien befand, wollte nach einem belgischen Zeitungsbericht angeblich kurz vor dem Unfall eine DVD wechseln.

In Europa gehört der Bus zu einem der Massenverkehrsmittel. Die Zahlen sind eindrucksvoll. Nach Angaben des Internationalen Bustouristik Verband RDA sind knapp 250.000 Busse in Europa unterwegs, die neben 2,9 Milliarden Transporten im Linienverkehr auch 3,7 Milliarden Reisen im Gelegenheitsverkehr wie zum Beispiel durch Busanmietung unternehmen. Dabei kommt es auch zu mehr oder weniger dramatischen Verkehrsunfällen. Auf deutschen Straßen waren pro Jahr zwischen sechs (2005) und 19 Todesopfer (2007) zu beklagen.

Passive Sicherheit im Bus

Bei der passiven Sicherheit von Reisebussen hat sich in den letzten Jahren viel getan. In Deutschland sind seit 1999 Sicherheitsgurte für alle Passagiere Pflicht. Doch es handelt sich nicht um Dreipunktgurte, die im Falle eines Zusammenstoßes den Aufprall auf den Vordersitz verhindern, sondern lediglich um einen Hüftgurt, der ein Herausschleudern unterbinden soll.

Moderne Busse sind auch mit einem drei voneinander unabhängigen Bremssystemen mit ABS und einem Bremsomat zum Einhaltung der Geschwindigkeit auch auf abfallenden Strecken ausgestattet. Doch es gibt Schwachpunkte: Bei Karambolagen erleiden die Passagiere aufgrund der großen Glasflächen von den zerberstenden Scheiben häufig Schnittverletzungen.

Alle drei Monate ein Sicherheitscheck

Im Gegensatz zum privaten PKW muss ein Reisebus in Deutschland jedes Jahr zur Hauptuntersuchung. Auch schreibt der Gesetzgeber alle drei Monate eine Sicherheitsüberprüfung durch einen Tüv-Sachverständigen vor. Zu überraschenden Ergebnissen kommt der jüngsten Bus-Report des Tüv: 2011 wurde fast die Hälfte aller in Deutschland fahrenden Linie- und Reisebusse kritisiert. Allerdings handelt es sich nicht um gravierende Mängel. Am häufigsten hatten die Fahrzeuge Probleme mit der Lichtanlage. Erst mit großem Abstand folgten Schwächen bei der Bremsanlage. Jeder 500. untersuchten Linien- oder Reisebus mussten die Prüfer wegen erheblicher Mängel aus dem Verkehr ziehen.

Der in der Nacht zu Donnerstag verunglückte belgische Bus soll in einem technisch einwandfreien Zustand gewesen sein. Doch den Buspassagieren wurde auch die 2,5 Kilometer lange Tunnelstrecke zum Verhängnis. Bereits einen Tag nach der Katastrophe hat die Debatte um eine Verbesserung der Sicherheit in Alpentunneln eingesetzt. In der Tunnelröhre der A9 bei Sierre werden fehlende Leitplanken bemängelt. Nach Erkenntnissen des RDA "wäre der Unfall bei einer anderen Absicherung und Gestaltung der Nothaltebucht möglicherweise nicht so schwerwiegend verlaufen."

Eine Konsequenz des Unglücks dürfte sein, dass die Norm, die die Pannenbuchten betrifft, überarbeitet werden muss. Auch wenn es nur ein Detail des Themas Verkehrssicherheit handelt, aus Unglücken wird gelernt. Wer auf Nummer sicher gehen möchte, dürfte der Eisenbahn gegenüber dem Transportmittel Bus dem Vorzug geben, wenn er denn die Wahl hat. Aber ein Restrisiko reist immer mit, egal ob Auto, Bus, Bahn oder Flugzeug.


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