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Utopia-Reisen: Urlauber systematisch ausgenommen

Einfach dreist: Utopia-Reisen bot im Internet Urlaub in Ägypten an, ließ sich vorab bezahlen - und buchte dann weder Hotels noch Kreuzfahrten. stern TV konfrontierte Utopia-Geschäftsführer Adnan Arslan mit seinen Machenschaften.

Katja Ritter hatte sich auf ihren Urlaub so richtig gefreut. Doch kaum war sie in Ägypten angekommen, merkte sie, dass etwas grundlegend falsch lief. Am Flughafen stand kein Fahrer. Ihr Hotelzimmer war nicht gebucht. Und die Kreuzfahrt, die sie antreten wollte, fiel auch aus. Der Grund: Das Schiff, auf dem sie über den Nil schippern sollte, existierte gar nicht. Also fing für die junge Frau und ihre deutschen Mitreisenden eine wirre Odyssee an: von Hotel zu Hotel, von Telefon zu Telefon, von Kontaktperson zu Kontaktperson. "Wir waren am Ende, mit unserem Latein, mit unserer Kraft, mit allem. Wir wollten Urlaub machen, wir wollten duschen, wir wollten essen. Aber all das gab es nicht", sagte sie bei stern TV. Natürlich versuchte Katja Ritter den Reiseveranstalter zu erreichen: Utopia-Reisen, ein Internetanbieter, der auch eine kleine Filiale in Köln unterhält. Aber der Geschäftsführer Adnan Arslan war nicht zu sprechen. Mitarbeiter behaupteten, er würde sofort selbst nach Ägypten fliegen, um nach dem Rechten zu sehen. Aber Adnan Arslan kam nie an.

Staatsanwaltschaft ermittelt

Katja Ritter ist kein Einzelfall. Offenkundig wurden alle deutschen Urlauber, die über Utopia-Reisen einen Ägypten-Urlaub buchten, mehr oder weniger geleimt: Das Geld, das sie zahlten, verschwand einfach in den Taschen des Veranstalters.Inzwischen ermittelt die Staatsanwaltschaft. Und sollte Utopia-Reisen verurteilt werden, winkt eine saftige Entschädigung. "Das ist ganz klarer Betrug", erklärte Petra von Rhein von der Verbraucherzentrale München bei stern TV. Und weil den Urlaubern nicht nur versprochene Leistungen vorenthalten wurden, sondern auch noch die gesamte Urlaubszeit vermasselt wurde, könnte die Entschädigung leicht das Doppelte des Buchungspreises erreichen.

"Ich habe alles bezahlt"

Stern TV wollte nicht auf die Gerichte warten und konfrontierte den Geschäftsführer Adnan Arslan direkt mit den Vorwürfen. Zunächst versuchte es das Team bei der kleinen Filiale - doch dort hing den ganzen Tag über ein Schild mit der Aufschrift "Mittagspause" an der Tür. An der Privatwohnung in einem Kölner Plattenbau machte zunächst auch niemand auf. Erst nach einer Stunde Wartezeit und mehrfachem Klingeln trat Arslan vor die Kameras. "Ich habe alles bezahlt, ich habe nichts falsch gemacht", sagte er. Kurz darauf verschwand er auch schon wieder.Hätte Arslan wirklich alles bezahlt, würde sich die Staatsanwaltschaft wohl nicht für ihn interessieren. Und die Website der Firma, www.utopiareisen.de, wäre wohl auch noch im Netz. Wer sie ansurft, findet aber keine Pyramiden, Flugreisen und Kreuzfahrten mehr. Sondern nur noch eine Fehlermeldung. Utopia, so scheint es, ist nun endgültig unerreichbar.

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