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Keine Sangria mehr? Spanien kämpft gegen "dramatische" Eiswürfelknappheit

In Spanien werden die Eiswürfel knapp
Hohe Produktionskosten und eine gesteigerte Nachfrage wegen der anhaltenden Hitzewelle führen dazu geführt, dass in Spanien die Eiswürfel knapp werden (Symbolbild)
© Karl-Josef Hildenbrand / DPA
In Spanien könnten Touristen schon bald auf die legendäre Sangría verzichten müssen. Dem Land gehen die Eiswürfel aus. Der Preis für das gefrorene Nass hat sich teilweise versechsfacht.

Mallorca-Besucher werden in Hotels, Restaurants und Bars möglicherweise bald auf Sangría verzichten müssen. Für das wohl beliebteste Sommergetränk Spaniens sind Eiswürfel unerlässlich − und die werden nicht nur auf der Ferieninsel im Mittelmeer, sondern im gesamten Urlaubsland immer knapper.

Erhöhte Nachfrage, höhere Produktionspreise: Spanien leidet unter Eiswürfelknappheit

Die erhöhte Nachfrage aufgrund der Hitzewellen und die Steigerung der Produktions-, Lagerungs- und Transport-Preise führten zu einem Eiswürfelmangel, der immer gravierender wird. "Überall im Land mangelt es an Eiswürfeln", schrieb die Zeitung "El Mundo". 

Jemand, der die Lage sehr gut kennt, ist der Unternehmer Miguel Ángel Vázquez Gavira, der in Spanien "Rey del Cubito" ("König des Eiswürfels") genannt wird, weil er mit seiner Firma einen Anteil von über 20 Prozent am heimischen Markt hat und auch in anderen Ländern Europas tätig ist. Im Interview mit "El Mundo" (Sonntagausgabe) erzählt er: "Jeden Tag bekomme ich Anrufe von Unternehmern, die mich weinend um Eis anflehen." Das habe er noch nie erlebt. "Und das Schlimmste kommt noch. Die nächsten Wochen werden dramatisch sein", warnt der 56-Jährige.

In den Supermärkten in Madrid und Barcelona, auf Mallorca und Ibiza sind die Eiswürfel-Tiefkühlfächer inzwischen fast immer leer. Lieferfirmen und große Supermarktketten wie Mercadona rationieren das Eis bereits seit Tagen. Viele Firmen beliefern nur noch Stammkunden. "Wenn wir an alle verkaufen müssten, würde das Eis eine Stunde reichen", wurde Mateo Obrador, Partner des Vertriebsunternehmens JOP, von der Zeitung "Diario de Mallorca" zitiert.

Eispreise haben sich teilweise versechsfacht

Nach Branchenangaben kletterte die Nachfrage im Sommer von sonst vier auf acht Millionen Kilo pro Tag. Dabei würden täglich nur zwei Millionen produziert. Im Winter sei wegen der hohen Strompreise anders als sonst praktisch überhaupt nicht auf Vorrat produziert worden. Die Eis-Preise hätten sich derweil zum Teil versechsfacht. 

Des einen Leid ist – wie so oft – des anderen Freud: Die Gewinner der Krise sind Bars, die über eine eigene Eismaschine verfügen. "Wir haben keinen Mangel bemerkt", kommentierte ein Cocktailkellner in der bekannten Bar "Nicolás" der Inselhauptstadt Palma. Ganz anders ist die Lage in der nahegelegenen Bar "Lili's": Bestellungen, die früher "innerhalb von zwei Stunden" eintrafen, verzögerten sich nun um "bis zu 48 Stunden", erzählte Besitzerin Lili Zolatorova der "Diario de Mallorca". Oft käme das Eis nur kurz vor Feierabend.

Quellen: El MundoDiario de Mallorca

pgo DPA

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