Tourismusstudie Geliebter Ostseestrand


Der Trend zum Urlaub in Deutschland verfestigt sich. Immer mehr Deutsche entdecken in ihren Ferien die eigene Heimat für sich, so das Ergebnis einer neuen Studie. Besonders Städtereisen und Urlaube im Norden sind beliebt. Größter Gewinner 2007: Mecklenburg-Vorpommern.

Der französische Kaiser Napoleon Bonaparte fand Deutschland vor rund 200 Jahren wenig einladend: "Überwiegend Winter, und den Rest auch keinen Sommer - das nennen die Deutschen ihr Vaterland." Die Deutschen stört das nur wenig. Sie haben die heimischen Gefilde zum Reisen wiederentdeckt.

Nach dem Umschwung 2006, als erstmals seit 1996 der Deutschland-Urlaub Anteile zurückgewann, hat sich der Trend 2007 verfestigt. Mehr als jeder dritte Bundesbürger verbrachte seinen Urlaub in der Heimat. Deutschland erlebt derzeit eine Renaissance als Ferienregion. Davon profitiert besonders der Norden, der dem Süden Besucher abjagt.

Wirtschaftsaufschwung im Urlaubsetat

Die Deutschen blieben laut der von der BAT Stiftung für Zukunftsfragen vorgestellten 24. Tourismusanalyse auch 2007 Reiseweltmeister: 65 Prozent der Deutschen machten für mindestens 5 Tage Urlaub - ein Grund liegt sicherlich auch darin, dass sie mit knapp 30 Urlaubstagen öfter und länger reisen können, als ihre meisten EU-Kollegen. Hinzu kommt die bessere wirtschaftliche Lage. "Zumindest ist der Wirtschaftsaufschwung bei den meisten Deutschen angekommen", erklärt Zukunftsforscher Prof. Horst W. Opaschowski.

Rentner mögen Deutschlandurlaub

Dabei behält der Inlandstourismus seine einsame Spitzenposition vor Italien und Spanien. 2007 gab es laut Statistischem Bundesamt 360 Millionen Übernachtungen in Deutschland - ein Plus von drei Prozent. "Selbst der regnerische August hat sich nicht negativ ausgewirkt", sagt die Geschäftsführerin des Deutschen Tourismusverbandes, Claudia Gilles.

Besonders Senioren und die hohe Zahl von Singles sind nach der Erhebung der Tourismusanalyse für den Inlandsboom verantwortlich. Ein Zielgruppenmarketing gerade für Menschen im besseren Alter ("Best Agers") sei aber nicht sinnvoll, sagt Gilles. "Die älteren Touristen wollen das machen, was ihnen Spaß macht, sie entscheiden unabhängig.

Städtereisen sehr beliebt

Beliebt in Deutschland sind Städtereisen, die mit 92 Millionen Übernachtungen ein sattes Plus verbuchen konnten. Nach Meinung des Präsidenten des Deutschen Tourismusverbandes (DTV), Reinhard Meyer, liegt ein Grund in der Mischung aus Kultur, Shoppen und Party. Für 2008 könnte es aber schwer werden dieses Niveau zu halten: "Die Brückentage liegen sehr ungünstig", sagt Meyer. Laut Tourismusanalyse ist der Trend zu immer kürzeren Reisen 2007 aber insgesamt gestoppt.

Besonders von Spiekeroog über Sylt bis Rügen und die gesamte Nord- und Ostseeküste entlang zeichnet sich ein Boom bei den etwas längeren Aufenthalten ab. "Für die inländische Reisebilanz 2007 gilt: Im Norden geht die Sonne auf", sagt Opaschowski. Der Süden mit Bayern und Baden-Württemberg verliert. Jeden zweiten deutschen Inlandsurlauber zog es 2007 in die norddeutschen Bundesländer Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern oder nach Sachsen.

Boomland Mecklenburg-Vorpommern

Tourismusgewinner ist dabei eindeutig Mecklenburg-Vorpommern. Insgesamt zehn Prozent der Inlandstouristen zog es vergangenes Jahr dorthin. Mit seinen alten Ostseebädern aus der Kaiserzeit, wo seit den 90er Jahren die prachtvollen weißen Strandvillen renoviert wurden, lockt die Region immer mehr Gäste an: Nach Schätzungen des Landestourismusverbandes gab es vergangenes Jahr 26,3 Millionen Übernachtungen, ein Plus von sechs Prozent. Nicht zuletzt der G8- Gipfel im Ostseebad Heiligendamm im vergangenen Juni hat Urlaubern den Reiz dieses Bundeslandes vor Augen geführt. "Auch Regenwetter und abstürzende Klippen haben die Anziehungskraft der Regionen von Rügen bis Warnemünde nicht beeinträchtigen können", sagt Opaschowski.

Dabei jagte Mecklenburg-Vorpommern sogar dem Nachbarbundesland Schleswig-Holstein Marktanteile ab. Der Kieler Wirtschaftsminister Dietrich Austermann (CDU) sagte bei der Vorstellung des Konzeptes für 2008, dass Schleswig-Holstein im Gegensatz zu den restaurierten Ostseebädern in Mecklenburg-Vorpommern beim Tourismus unter Bausünden der Vergangenheit leide: So stehe manchmal ein 70er-Jahre-Hotelbau mit 15 Stockwerken neben einem Reetdachhaus.

DPA DPA

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