Warth-Schröcken In zehn Sekunden auf der Piste


Wenn Gott dem Urlauber in modernen Zeiten ein richtiges Abenteuer schenken will, dann lässt er es mächtig schneien. Schön, wenn man am Ende der Reise in einem Verwöhnhotel wie Steffisalp in Warth willkommen geheißen wird.

Flugzeuge werden umgeleitet, Lkws und Bäume versperren in seltener Einigkeit die Verbindungsstraßen, bei der Bahn geht schon lange nichts, Während die Welt unter der weißen Decke verschwindet, traut sich kaum noch ein Fahrer auf die Strecke nach Warth in Vorarlberg. Zu Recht. Die einzigen, die den wilden Rutsch über die Pässe wagen wollen, werden heraus gewunken. Busfahrer und Trucker - natürlich ohne Ketten - müssen im Tal bleiben.

Die Frage, wozu braucht man eigentlich einen Geländewagen, stellt heute Nacht niemand mehr. Auf einsamer Strecke fräst sich der Rexton unbeirrt mit seinem Allradantrieb nach oben. Nach zwölf Uhr nachts verlassen auch die letzten Heimkehrer die endlose Piste, geräumt wird schon lange nicht mehr. Auf den letzten Kilometern helfen nur noch die Stäbe, die an den Rändern der Straße vor dem Absturz in den Abgrund warnen.An diesem Wochenende war die nächtliche Anfahrt extrem. Normalerweise lässt sich Warth-Schröcken ganz leicht erreichen. Vom Bodensee fährt man 70 Kilometer durch den Bregenzerwald, von Reutte aus, sind es 60 Kilometer durch das schöne Lechtal.

Leuchtfeuer am Ende des Weges

Am Ende von Straße und Nerven leuchtet das neue Sporthotel Steffisalp in Warth. Heimelig wie eine Herberge dem erfrierenden Reisenden im Mittelalter scheint der helle, moderne Bau über den Schneeverwehungen. Auf dem Parkplatz türmen sich die weißen Wellen meterhoch, über der erfrorenen See strahlt das quadratische Licht der Bar.

Zur Einweihung kam der Neuschnee gerader recht. Harzig und wohlig duftet der Kamin, warme Farbtöne und ganz viel Eiche prägen den modernen Bau, der von rechtwinkligen Formen beherrscht wird. "Bist a scho da?" begrüßt der mächtige Steinbock den Gast. Der Kopf der Jagdtrophäe wirkt nirgends passender als an der karmesinroten Wand der Lounge-Bar. Die Strenge der Moderne wird durch die warmen Farben und ausgesuchte Details angenehm vermenschlicht. An vielen Orten in den Alpen sucht man einen neuen Weg, weg vom Alpenbarock, überbordenden Geranienwuchs und massigen Balkonkränzen. Und erst recht weg von den großen Hotels, die die traditionellen Form des Tiroler Bauernhauses zu einer Art unförmiger Guglhupf-Zwingburgen verschandelt haben.

Alpen ohne Schnörkel

Der neue Weg geht über den gezielten Einsatz großzügiger Glasflächen, ganz weg von der Butzen-Scheiben-Romantik. Berge und Piste liegen direkt in den Räumen. "Wir wollen Urlaub von der ersten Minute an", erklärt Steffisalp-Geschäftsführer Karl Wiener. "Wie richten uns eindeutig an Wintersportler. Komfortliebende, die Wert darauf legen, dass es nur 15 Meter zum Lift sind, die die Garage genauso im Haus haben wollen, wie den Sportshop und den Verleih. Die aber auch den Wellness-Bereich nutzen wollen und am Kamin sitzen möchten. Jeder Gast kann sich aussuchen, was er will, ohne dass es langweilig wird."

Das Hotel wurde von dem bekannten, mit dem österreichischen Staatspreis ausgezeichneten Architekten Christian Lenz entwickelt. Der Region angepasst wurde das Hotel mit Holzschindeln verkleidet. "Wir wollten aber nicht, dass das Haus verwittert, die eine Seite dunkel und die andere gelb wird. Darum haben wir die Schindeln hell gestrichen", erzählt Karl Wiener. "Das hat viel Aufsehen erregt, und vielen hier im Ort nichts so gefallen." In der Tat, die Einheimischen nennen die Sport- und Wellnessoase despektierlich "Den Frauenknast von Warth." Aber der Architekt wollte bewusst weg von den "Schnörklern". Eine Qualität vermitteln durch Platz und Raum und Ausblick. Im modernen Gebäude wird die Natur ins Haus gelassen.

Bock auf Piste

Tatsächlich, Skiliebhaber sind im Hotel der kurzen Wege. Vom Skikeller und eigenen Shop geht es direkt an die Lifte und hinauf ins Skigebiet von Warth-Schröcken. Das Gebiet am Arlberg umfasst 65 Pistenkilometer, zehn Kilometer Skirouten mit 15 Bahnen und Liften. Ganz neu: Für Verfrorene gibt es zahlreiche Lifte mit eingebauter Sitzheizung. Mit einer Höhe zwischen 1.500 und 2.050 Metern gehört es zu den schneesichersten Skigebieten Vorarlbergs. Der Einstieg ist nicht nur vom Steffisalp-Express in Warth möglich, sondern auch von der Talstation des Saloberjets am Hochtannbergpass und dem Jägeralp-Express. "Wir haben für jeden etwas dabei", lacht Matthias Fritz, Skilehrer der Ski-Schule in Warth. Tatsächlich herrscht ein gesunder Mix von Pisten für Anfänger und Fortgeschrittene. Das Gebiet eignet sich für Tagestouristen - auch wegen der mautfreien Anreisemöglichkeit - genauso wie für sportliche Skifahrer, da es auch für einen ganzen Urlaub genug Variationsmöglichkeiten bietet. Für Neulinge gibt es am Sonntag einen kostenlosen Guideservice.

Treue Freunde

Ein ganz besonderes Schneevergnügen bietet Jürgen Strolz mit seinen Huskys. Auch Laien und ältere Kinder können bei ihm einen Schlitten lenken. "Wir benutzen dafür die präparierten Loipen. Dann genügen zwei Hunde und die lassen sich ganz unproblematisch lenken." Die Kunden seien alle "hundenärrisch", meist haben sie Kinder dabei. Huskys sind gegenüber anderen Hunden vor allem Rüden nicht unproblematisch, da wird schnell die Rangordnung ausgekämpft. Zu Kindern sind sie aber absolut handzahm. Tatsächlich kommen die pelzigen Gestalten sofort auf den frischgebackenen Schlittenführer zu, lecken Hände und, wenn man will, auch die Nase ab. Cloud legt sich sogar sofort auf den Rücken, um sich den Bauch massieren zu lassen. "Die Hunde wollen jeden Tag arbeiten", erklärt Jürgen Strolz. "Unsere Touren dauern hier auf der Loipe so 1,5 Stunden. Bei ganz kleinen Kindern stellen wir uns dazu, aber ab zehn Jahren fahren die Kinder allein." Mit seinem belgischen Freund Mark betreibt er den Hundesport mehr als Hobby, denn als Erwerbsquelle. "In der Saison bin ich von morgens bis nachts unter Strom, aber außerhalb der Saison habe ich viel Zeit. Im Frühjahr und Herbst musst dich halt beschäftigen, sonst wirst du verrückt."

Buddha in Badeland

Nach einem Tag auf der Piste und mit den Hunden lockt der Spa-Bereich von Steffisalp natürlich besonders. Statt im feschen Alpengewand präsentiert sich Sabine Entstrasser, Leiterin der Wellness Abteilung, in spirituellem Weiß mit indischen Akzenten. Sie setzt auch inhaltlich auf das fernöstliche Konzept. "Auf den Kunden eingehen“, lautet die Devise. Sabine Entstrasser hat ihr Handwerk in London gelernt. "Eine Ausbildung, die“, wie sie bedauert, "bei uns auf dem Kontinent so nicht existiert“. Sie weiß, was sie tut, und ihr Blick dringt durch ernährungsbedingte Hautfehler und Haltungsschäden auf den Grund des Kunden.

Bei ihr beginnt die Wellness-Kur schon morgens mit dem Stretching und Aufwärmprogramm für die Skifahrer. Wem dann die Brettln immer noch nicht die Welt bedeuten, der kann mit einer Schneeschuhwanderung oder mit Nordic Walk den sanften Einstieg in die Bergwelt genießen.

Doch Vorsicht: Sabine Entstrasser achtet auch hierbei auf die richtige Haltung. Getreu dem Wahlspruch des indischen Gurus Deepak Chopra: “Geist und Körper sind zwei parallele Universen. Alles, was den Geist bewegt, hinterlässt sichtbare Spuren am Körper.“ Also hat es sich die Crew von Steffis Spa zur Aufgabe gemacht, diese Spuren aus den Körpern der Kunden hinaus in den Schnee der umgebenen Bergwelt zu schreiben. Dazu wird tief in die Tasche der Wellness-Philosophien gegriffen: Ganzheitlich bedeutet hier nach Bewegung und Haltung auch Chakren-Massagen mit abgestimmten Beleuchtungseffekten, Heilsteinbehandlungen, Meditationen und Yoga. Steffis Spa bietet Professionalität mit so vielen New-Age-Elementen, wie sie ein großstädtischer Geschäftsmann gerade noch in sein Leben integrieren kann.

Für den Hotelgast kostenlos und frei zugänglich sind: die finnische Sauna, ein Dampfbad mit der Möglichkeit zu Körperpeeling und eine Bio-Sauna für die sanfte Wärme. Dazu gibt es Teegetränke aus einem Samowar und so genannte „Smoothies“ Mixgetränke aus Reis und Sojamilch sowie Früchten und Kernen.Mit dem Blick auf die imposanten Bergwelten des Vorarlberger Landes kann der Wellness- Gänger dann mit Räucherstäbchen im Ruheraum die schlechten Energien weg brennen lassen und dabei ganzheitlich entspannt aus dem Panoramafenster schauen, das der Architekt so groß gelassen hat, um die Außenwelt in Cinemascope herein zu holen.Marina/Gernot Kramper


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