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Angelique Kerber & Co. im Hotel isoliert 72 Tennisprofis in Quarantäne: Corona-Chaos bei Australian Open

Angelique Kerber am Flughafen in Melbourne
Vom Flughafen gehts sofort in Quarantäne: Auch Angelique Kerber gehört zu den Profis, die ihr Hotelzimmer 14 Tage lang nicht verlassen dürfen.
© William West / AFP
Wegen positiver Corona-Tests auf Flügen nach Australien müssen Angelique Kerber und zahlreiche andere Tennisprofis eine zweiwöchige Quarantäne antreten. Sie dürfen ihre Hotelzimmer nicht verlassen und nicht trainieren. Lassen sich so die Australian Open spielen?

Von wegen Happy Slam! Kaum haben die ersten Tennisprofis und auch die deutsche Nummer eins, Angelique Kerber, nach aufwendig organisierter Anreise australischen Boden betreten, trifft mehr als 70 von ihnen das ganze Ausmaß des Corona-Dilemmas knallhart. 

Angelique Kerber für 14 Tage im Hotel isoliert

Unbedingt wollen die Organisatoren das erste Grand-Slam-Turnier der Saison am 8. Februar mit dreiwöchiger Verspätung starten lassen. Fast schon grotesk anmutende Anstrengungen mit nur spärlich ausgelasteten Charterflugzeugen und Ausnahmeregelungen für die Top-Stars der Branche haben sie unternommen – und dann das: Wegen positiver Corona-Tests auf Flügen, mit denen die Profis und der reduzierte Betreuerstab nach Melbourne gebracht wurden, müssen 72 Tennisprofis eine zweiwöchige Hotel-Quarantäne antreten. In diesem Zeitraum dürfen sie ihr Zimmer nach aktuellem Stand nicht verlassen, Training auf dem Court ist ausgeschlossen und Fitnessübungen nur im Hotelzimmer möglich.

"Wir wurden gerade informiert, dass eine Person auf unserem Flug aus Abu Dhabi einen positiven Corona-Test abgegeben hat", twitterte Angelique Kerber am Wochenende aus Melbourne. Als Konsequenz daraus müssten sich nun alle an Bord Gewesenen für 14 Tage in ihren Zimmern isolieren. "Das ist alles, was ich im Moment weiß. Lass uns abwarten und schauen", ergänzte die 32-Jährige und verabschiedete sich mit einem Gute-Nacht-Kuss aus der Metropole des Bundesstaates Victoria.

Auch am Sonntag hatte sich die Situation nicht grundlegend verändert. Kerber & Co. blieb nichts anderes übrig als zu warten und zu hoffen. Wird der umtriebige Turnierdirektor Craig Tiley es schaffen, doch noch weitere Sonderwünsche zu ermöglichen?

Australian Open: Unfaire Wettbewerbsbedingungen 

Denn klar ist: Sollten Kerber und die anderen Betroffenen tatsächlich zwei Wochen lang ihre Zimmer nicht verlassen dürfen, dürften sie kaum konkurrenzfähig sein für ein 14-tägiges Grand-Slam-Kräftemessen mit den Besten der Besten. Von Wettbewerbsverzerrung und Chancenungleichheit ist die Rede. Zumal die Top-Stars wie Novak Djokovic, Rafael Nadal oder Serena Williams ihre behördlich angeordnete Quarantäne ohnehin nicht in Melbourne, sondern im 650 Kilometer entfernten Adelaide, angetreten haben.

Derweil versuchen die isolierten Sportler, sich so gut es geht auf das Turnier vorzubereiten: Yulia Putintseva aus Kasachstan postet auf Twitter ein Video und zeigt, wie sie mit Soft-Bällen gegen die Wand ihres Hotelzimmers spielt. Dazu schreibt sie scherzend: "Grand-Slam-Vorbereitungen". 

Und was soll nach der Quarantäne geschehen? Direkt ohne vernünftige Vorbereitung in der ersten Februar-Woche spielen? Oder doch lieber ein paar Tage trainieren, um eine mögliche Verletzungsgefahr zu minimieren? Tiley jedenfalls betont, dass die Australian Open stattfinden sollen und nicht verschoben werden. Man wolle nun jene Spielerinnen und Spieler, die derzeit in ihren Zimmern eingesperrt sind, unterstützen und Trainingsgeräte bereitstellen.

"Wie man es dreht und wendet, es ist ein denkbar schlechtes Szenario", hieß es am Sonntag aus dem Umfeld eines prominenten Profis. Einige Spielerinnen und Spieler seien "frustriert und verzweifelt". Allerdings waren allen Beteiligten die möglichen Konsequenzen bewusst, die Regeln wurden klar kommuniziert und mussten von allen Profis, Betreuern und Mitreisenden unterschrieben werden.

Die Wut ist trotzdem da. Die Schweizerin Belinda Bencic schreibt auf Twitter: "Wir beklagen uns nicht darüber, in Quarantäne zu sein. Wir beklagen uns wegen ungleicher Trainings- und Spielbedingungen vor ziemlich wichtigen Turnieren." 

Der Weltranglisten-Erste, Novak Djokovic, hat sich deswegen schriftlich mit Turnierdirektor Craig Tiley in Verbindung gesetzt und fordert für jene Profis, die sich aktuell in Quarantäne befinden, private Häuser mit eigenem Tennisplatz. 

Hohe Geldstrafen bei Regelverstoß

Die australischen Behörden äußerten sich derweil unmissverständlich: Die Mitreisenden der positiv getesteten Personen müssen komplett in Quarantäne, der Trainingsstart der übrigen Profis verzögert sich bis mindestens Montag, weil noch nicht alle Test-Ergebnisse vorliegen, erklärte die für Quarantäne-Angelegenheiten im Bundesstaat Victoria zuständige Behördenchefin Emma Cassar im Fernsehen. 

Tennis-Star Alexander Zverev bricht Selbst-Isolation für Corona-Party

Ihren Angaben zufolge wurde ein Rundfunk-Mitarbeiter nach der Ankunft aus Los Angeles positiv auf das Coronavirus getestet. Außerdem seien ein Mitglied der Crew, ein Tennis-Trainer sowie ein Coach, der aus Abu Dhabi eintraf, positiv getestet worden. Auch Angelique Kerber war mit der Chartermaschine aus Abu Dhabi geflogen. Der Trainer der einstigen US-Open-Siegerin Bianca Andreescu gab am Samstag bekannt, er habe einen positiven Test abgegeben und entschuldigte sich für die Folgen. Am Sonntag gaben die Turnierchefs einen weiteren Fall bekannt.

Die Behörden in Victoria warnen die in Isolation befindlichen Profis nun eindringlich vor Missachtung der strikten Regeln. Emma Cassar drohte mit Geldstrafen von 20.000 australischen Dollar (12.750 Euro) auch bei geringen Verstößen. Der Anlass: Ein Spieler soll mit einem Trainingspartner – verbotenerweise – auf einem Hotelflur gesprochen haben. 

aen DPA

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