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Doping in Westdeutschland: Namen von Spitzensportlern sollen veröffentlicht werden

Bald soll der vieldiskutierte Doping-Bericht vollständig veröffentlicht werden. Der Bundesdatenschutz-Beauftragte hat keine Bedenken. Oranje-Star Johnny Rep räumte bereits die Pillen-Einnahme ein.

Bald sollen die Namen der Doping-Sünder öffentlich gemacht werden. Nach Ansicht des Bundesdatenschutz-Beauftragten gibt es keine Bedenken, wenn es sich um Verantwortliche in amtlicher Funktion, Verbandsvertreter oder Spitzensportler handelt und die Vorwürfe erhärtet seien. Das sagte Peter Schaar dem MDR. Auch Giselher Spitzer, der Projektleiter der Forschungsgruppe der Berliner Humboldt Universität, kündigte am Freitag eine zeitnahe Veröffentlichung des vollständigen Berichtes zur #link;http://www.stern.de/politik/deutschland/enthuellungen-ueber-brd-spitzensport-innenministerium-gibt-doping-studie-frei-2047411.html;Studie "Doping in Deutschland von 1950 bis heute"# an.

Während hinter der Vergangenheit ein großes Fragezeichen steht, soll die Zukunft in allen Sportarten sauber sein. So werden erstmals in dieser Saison bei Bundesliga-Spielern, zumindest im Trainingsbetrieb, auch Blutkontrollen vorgenommen. Was wie ein großer Fortschritt im Kampf gegen Doping aussieht, ist aber nicht der ganz große Wurf. Jeder Club muss im Schnitt mit weniger als zwei Kontrollen in dieser Saison rechnen. Glaubwürdigkeit im Anti-Doping-Kampf sieht anders aus.

Wildor Hollmann, jahrzehntelang einer der wichtigsten Sportmediziner der Bundesrepublik, wies die Doping-Vorwürfe zurück. "Das ist absoluter Unsinn. Niemals gab es in Deutschland ein staatlich gefördertes systemisches Dopingforschungsprogramm", sagte der mittlerweile 88-Jährige dem "Handelsblatt". "Nie hat ein Sportler von mir ein Dopingmittel erhalten", so der frühere Arzt der Fußball- und Hockeynationalmannschaft.

Doping-Bericht in voller Länge würde "Erdbeben" auslösen

Ein anderes Bild zeichnete der ehemalige Radsport-Verbandsarzt Gustav Raken. Der heute 77-Jährige war - wie er sagte - das "ausführende Organ" einer in der Uniklinik Freiburg festgelegten Doping-Strategie. Zwischen 1974 bis 77 spritzte er pro Saison "12 bis 15 Radsportlern" Anabolika-Präparate, die per Post "mit einem netten Brief und Dankeschön dabei" kamen. Insgesamt seien zwischen 1974 und 1977 rund 30 bis 40 Sportler zu ihm gekommen. "Das waren alles Kaderathleten, der ein oder andere Olympiateilnehmer von 1976" sei auch dabei gewesen, sagte Raken.

Schon lange sich selbst als Doping-Sünder bezichtigt hat sich Leichtathlet Manfred Ommer, 1974 Vize-Europameister im Sprint. Der frühere Präsident des Fußball-Bundesligisten FC Homburg, bezeichnete im Deutschlandradio Kultur einmal mehr das Verhalten der Funktionäre und Politiker angesichts der Studie als "verlogen und heuchlerisch". Wenn der Doping-Bericht in voller Länge veröffentlicht werde, werde das "ein Erdbeben" auslösen.

Da aber der Sportfunktionär Thomas Bach "in vier Wochen IOC-Präsident werden wolle, würden sich natürlich alle Stellen bemühen, "uns für dumm zu verkaufen und mit irgendwelchen fadenscheinigen Begründungen - Datenschutz, Formalitäten - die Dinge zurückzuhalten. Dort sind Informationen drin - und belegte Informationen aus Archiven -, da schlägt's einen platt."

"Im Europokalspiel ein Amphetaminpillchen geschluckt"

In der Doping-Studie war auch der Fußball ins Zwielicht geraten. Nach Franz Beckenbauer und Uwe Seeler trat auch Wolfgang Overath als Mitglied des 66er-Kaders den Vorwürfen entschieden entgegen. Unterstützung bekamen die deutschen Fußballer von der Fifa. Keine der 1966 vorgenommen Proben sei positiv gewesen, teilte der Weltverband mit. Dies gehe aus den offiziellen Protokollen des WM-Turniers aus dem Frühjahr 1967 hervor.

Der frühere holländische Fußball-Nationalspieler Johnny Rep räumte ein, in den 70er Jahren Dopingmittel genommen zu haben. "Ich habe wohl mal vor einem Europokalspiel so ein Amphetaminpillchen geschluckt", sagte Rep dem regionalen TV-Sender RTV Noord-Holland in Amsterdam. "So merkwürdig war das nicht", sagte der 61-Jährige, der auch im WM-Finale 1974 gegen Deutschland dabei war.

kmi/DPA / DPA
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