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Fifa-Skandal: Blatter, Valcke und Kattner sollen sich um 79 Millionen Franken bereichert haben

Fette Jahre: Seit 2011 sollen sich die früheren Fifa-Funktionäre Joseph Blatter, Jérôme Valcke und Markus Kattner um fast 80 Millionen Schweizer Franken bereichert haben. So heißt es aus dem Weltfußballverband selbst.

Fifa Joseph Blatter und Jérôme Valcke

Unter Betrugsverdacht: Die früheren Fifa-Chefs Joseph Blatter (l.) und Jérôme Valcke

Der frühere Fifa-Präsident Joseph Blatter, Ex-Generalsekretär Jérôme Valcke und der ehemalige Finanzdirektor Markus Kattner haben sich laut einer internen Untersuchung des Fußball-Weltverbandes in den vergangenen fünf Jahren um mehr als 79 Millionen Schweizer Franken bereichert. Das teilte der Verband mit.


Die Fifa hat die Unterlagen bereits an die Schweizer Bundesanwaltschaft und die US-Justizbehörde weitergeleitet und eine volle Kooperation angekündigt. Es sei klar, dass diese ersten Erkenntnisse weiterer Untersuchungen bedürfen. Laut der Fifa hätten die Zahlungen und die Vertragsabschlüsse gegen Schweizer Recht verstoßen. Auch die Ethikkommission des Verbands wurde in Kenntnis gesetzt.

Fifa hat Beweise für Pflichtverletzungen

Bei den möglichen Bereicherungen geht es laut Fifa um Bonuszahlungen, Gehaltssteigerungen und andere Zuwendungen. "Die Untersuchung hat Beweise für die Verletzung treuhänderischer Pflichten offenbart", teilte der Weltfußballverband mit.

Bereits am Donnerstag wurde die Fifa-Zentrale auf dem Zürichberg durchsucht. Bei der Razzia wollten die Ermittler weitere Beweise gegen Blatter und den früheren Generalsekretär Jérôme Valcke sichern, wie die Bundesanwaltschaft mitteilte.

"Konkret wurden Dokumente und elektronische Daten sichergestellt, die nun auf ihre Relevanz zum laufenden Verfahren geprüft werden", hieß es in der Mitteilung. Die beschlagnahmten Unterlagen sollen die bisherigen Erkenntnisse im Strafverfahren bestätigen beziehungsweise ergänzen.

Fragwürdige Millionendeals

 Die Schweizer ermitteln offiziell seit dem 24. September 2015 gegen Blatter wegen des Verdachts der Untreue. Bereits damals hatten Beamte der Bundeskriminalpolizei mit Mitarbeitern der Staatsanwaltschaft die Fifa-Zentrale und das Büro von Blatter in Zürich durchsucht und Unterlagen sichergestellt.

 Auslöser war das Bekanntwerden des fragwürdigen Millionen-Deals mit dem früheren Uefa-Präsidenten Michel Platini aus dem Jahr 2011. Blatter und Platini wurden deshalb für alle Aktivitäten im Fußball gesperrt.


Im März dieses Jahres folgte das Strafverfahren gegen Valcke wegen des Verdachts der mehrfachen ungetreuen Geschäftsbesorgung sowie weiterer Delikte. Der Franzose war im Januar entlassen worden, er ist von den Ethikhütern des Weltverbands für zwölf Jahre gesperrt.

Auch Infantino steckt in Schwierigkeiten

Die Fifa steckt seit mehr als einem Jahr tief im Skandalsumpf. Blatter, der 1998 zum Fifa-Präsidenten gewählt worden war, hatte im vergangenen Juni kurz nach seiner Wiederwahl angesichts massiver Korruptionsvorwürfe gegen ihn und die Fifa seinen Rückzug angekündigt. Neben den Schweizer Behörden ermittelt auch die US-Justiz gegen eine Reihe von Fußball-Funktionären wegen Korruption.

Auch Blatters Nachfolger Gianni Infantino, der seit 26. Februar den Weltverband anführt, musste sich zuletzt gegen Vorwürfe wegen angeblich unsauberer Amtsführung erwehren. Wie "Die Welt" berichtet, droht Infantino eine provisorische Sperre von 90 Tagen wegen des Verdachts auf verschiedene Ethikvergehen. Die Ethikkammer hält sich zur Causa Infantino derzeit bedeckt, zu möglichen Voruntersuchungen bezieht sie generell keine Stellung. Ein formelles Verfahren gebe es derzeit aber nicht.

nik/DPA

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