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Ambitioniertes Klimaziel: Die Formel 1 will grüner werden – es gibt nur ein Problem

Die Formel 1 gerät in der Klimadebatte unter Druck. Auch Stars wie Vettel oder Hamilton fordern größere Bemühungen. Allerdings nützt eine verbesserte Motortechnik nur wenig. Die größte Umweltbelastung verursacht der Rennsport durch etwas anderes.

Max Verstappen im Red Bull (l.) und Valtteri Bottas im Silberpfeil liefern sich beim Start in Ungarn ein enges Duell

Max Verstappen im Red Bull (l.) und Valtteri Bottas im Silberpfeil liefern sich beim Start in Ungarn ein enges Duell und pusten dabei eine große Menge an Abgase  in die Luft

DPA

In der Formel 1 tobt die Klimadebatte. Die Königsklasse des Rennsports ist - wie schon so oft in den vergangenen Jahren - vermehrt mit dem Vorwurf konfrontiert, ein Umweltsünder der allerschlimmsten Sorte zu sein. Jüngst meldeten sich sogar die Weltmeister Sebastian Vettel und Lewis Hamilton zu Wort und plädierten eindringlich für mehr Klimaschutz im Allgemeinen und für Verbesserungen in ihren Sport. Auch die Formel 1 solle sauberer werden.

Nun hat die Formel 1 ein Klimaprogramm vorgelegt, das unter Mitwirkung vieler Experten innerhalb eines Jahres entwickelt wurde. Der Motorsport-Weltverband Fia und das F1-Management wollen so den Kritikern zuvorkommen. Denn es ist anzunehmen, dass der Gegenwind im Zuge der internationalen Debatte um das Klima noch stärker werden wird. Zudem will die Formel 1 den Autoherstellern, die in Rennserie mitmischen, entgegenkommen, damit die sich nicht aus Imagegründen zurückziehen. 

Ein ambitioniertes Ziel

Das ambitionierte Ziel lautet: Bis 2030 will die Formel 1 CO2 neutral sein. "Mit der ersten Nachhaltigkeitsstrategie der Formel 1 erkennen wir die entscheidende Rolle an, die alle Organisationen bei der Bewältigung dieses globalen Problems spielen müssen", sagte Geschäftsführer Chase Carey. 

Gut 256.000 Tonnen, so rechnen die Macher vor, produzierte die Königsklasse im Jahr 2018 insgesamt. 0,7 Prozent davon stießen die Boliden aus. Umgerechnet auf einen Fahrer bedeutet das einen Ausstoß von 17 Tonnen CO2 rein auf das Fahren bezogen (zum Vergleich: im Jahr 2017 produzierte der durchschnittliche Deutsche neun Tonnen).

Vor diesem Hintergrund bleiben berechtigte Zweifel, ob die Formel 1 überhaupt klimaneutral werden kann - und wie man das berechnet. Selbst der größte technische Fortschritt bei den Motoren ändert nichts an der Tatsache, dass der Rennzirkus über das ganze Jahr über Tausende Mitarbeiter und tonnenweise Material rund um den Globus bewegt, in der Luft und auf den Straßen. Hauptsächlich sorgt die globale Mobilität für die desaströse Klimabilanz. In der kommenden Saison hat die Formel 1 ihr Angebot auf die Rekordzahl von 22 Rennen aufgebläht. In naher Zukunft plant der Serien-Eigner Liberty Media gar 25 WM-Läufe. Kurz: Der Aufwand wird in Zukunft größer als kleiner, auch wenn der CO2-Ausstoß der Autos selbst reduziert und an Rennwochenenden ökologischer gewirtschaftet wird.

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Konkret plant die Formel 1:

  • Bis 2025 sollen alle Veranstaltungen nachhaltig sein. Das bedeute, dass entsprechende Materialien verwendet werden und beispielsweise Plastik zum einmaligen Gebrauch verbannt werden soll. Auch Anreize für Fans sollen geschaffen werden, um auf "grünerem Weg" zu den Grand-Prix-Strecken zu kommen.
  • Die Reise- und Logistikaktivitäten sollen "ultra-effizient" werden und Büros, Einrichtungen und Werke mit zu hundert Prozent erneuerbaren Energien betrieben werden.
  • Schon 2021 halten zudem sogenannte E-Fuels Einzug. Der synthetisch gewonnene Kraftstoff soll dem normalen Sprit mit einem Anteil von 20 Prozent beigemischt werden. Bis spätestens 2030 soll ausschließlich mit CO²-neutralem Kraftstoff gefahren werden.
  • Weiterentwicklung der Hybrid-Technik, die eine bessere Energie-Effizienz verspricht
  • Die Formel 1 will vermehrt Klimazertifikate kaufen. Schon in diesem Jahr verrechnete die Formel 1 die CO2-Bilanz mit ihrem Anteil an einem Aufforstungsprogramm in Mexiko.

Quellen: DPA, "Eurosport", "Auto Motor Sport"

tis

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