Formel-1-Kolumne Kronprinzen geben Vollgas


Jungbrunnen Indianapolis: Auf der Rennstrecke mit der größten Geschichte haben die Kronprinzen der Formel 1 gepunktet. In einem unspektakulär verlaufenen Großen Preis der USA triumphierte Newcomer Hamilton und ein junger Deutscher schrieb Formel-1-Geschichte.
Von Elmar Brümmer, Indianapolis

Lewis Hamilton hat innerhalb Wochenfrist seinem ersten Grand-Prix-Triumph gleich einen zweiten folgen lassen. Der 22 Jahre alte Brite ist ein Spezialist für die erste Kurve - und hat in der kritischsten Rennphase zum vierten Mal in diesem Jahr den Weltmeister Fernando Alonso die lange Nase gezeigt. Damit war der siebte Saisonlauf praktisch zu Gunsten des frechsten Debütanten der Geschichte entschieden. Einmal noch kam ihm der Weltmeister bedrohlich nahe, beim Rad-an-Rad-Duell mit Tempo 300 hätte keiner von beiden zucken dürfen. Hamilton blieb auf Vollgas, Alonso ordnete sich zähneknirschend unter. Korrekt gesagt: hinter dem alten und neuen WM-Tabellenführer wieder ein.

Formel-1-Sensation Hamilton reist damit in jedem Fall auch als Branchen-Erster zu seinem Heimat-Grand-Prix nach Großbritannien, gleichwohl noch ein Rennen dazwischen liegt. Fast gönnerhaft legte er auf dem Siegerpodium die Hand auf die Schultern des geschlagenen Teamkollegen: "Auf der Rennstrecke kommen wir uns nahe, neben der Rennstrecke immer näher", sagte Hamilton. Alonso, der längst nicht so brave Interviews gibt, lächelte etwas gequält. Offizielle Kritik am Silberpfeil-Team kann er sich in seiner Position nicht mehr unbedingt leisten. Auf der Play-Station hat er momentan die besseren Chancen, gegen Hamilton zu gewinnen. "Dieses Jahr werden wir gute Nerven brauchen", ahnt Mercedes-Sportchef Norbert Haug, dass der Generationskonflikt noch längst nicht ausgestanden ist - was als blendende Ausgangsposition für diesen Renn-Sommer erscheint.

Sebastian Vettels Auftritt in der Formel 1 wird - für dieses Jahr - wohl ein einmaliger bleiben. Wenn der verunglückte Pole Robert Kubica in zwei Wochen in Frankreich nach einem medizinischen Test wieder renntauglich geschrieben wird, rückt der Ersatzpilot wieder ins dritte Glied. Aber ein bleibender Eindruck ist dem 19-Jährigen aus Heppenheim so schnell nicht mehr zu nehmen: Sein achter Platz, dem er dem brennenden Toyota-Motor im Heck von Nico Rosbergs Williams zu verdanken hatte, ist ein Kapitel fürs Rekordbuch der Formel 1. Der Zimmermannssohn aus dem Hessischen löst damit Jenson Button als jüngster Pilot ab, der bei seinem Debüt einen WM-Punkt geholt hat. "Davon habe ich schon als Kind geträumt", jubilierte er - so lange ist das ja noch nicht her. Vettel verhinderte damit auch, dass die deutsche Fahrer-Equipe, aber auch das BMW-Team zum ersten Mal in dieser Saison ohne Punktgewinn blieben.

Eine aufregende Formel-1-Woche hat ein beruhigendes Ende genommen. Nimmt man mal den Ärger der Ausfallpiloten Nico Rosberg, Nick Heidfeld und Ralf Schumacher aus…


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