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FORMEL 1: Malaysia in weiß-blau

Am Ende war beim Großen Preis von Malysia dann (fast) alles wie immer: Ein Schumacher (Ralf) gewann das Rennen, und der andere (Michael) stand mit auf dem Podium.

Unzählige Formel-1-Fans haben sich nach dem Crash von Michael Schumacher garantiert darauf gefreut, endlich mal eine Schumacher-freie Siegerehrung zu erleben. Am Ende war es beim Großen Preis von Malysia dann doch beinahe wie immer: Ein Schumacher (Ralf) gewann das Rennen, und der andere (Michael) tauchte dennoch auf dem Podium auf.

Grandiose Aufholjagd²

34 Grad Hitze und hohe Luftfeuchtigkeit - Ralf Schumacher behielt beim »heißesten Renner der Welt« einen kühlen Kopf und starke Nerven. Der vierte Formel-1-Sieg des 26 Jahre alten Kerpeners war taktisch meisterlich und sportlich souverän heraus gefahren: 39,7 Sekunden Vorsprung hatte »Schumi II« im Ziel auf seinen Teamkollegen Montoya, der nach der Startkollision mit Michael Schumacher ebenso wie der Ferrari-Superstar zu einer grandiosen und erfolgreichen Aufholjagd gestartet war. Vierter wurde der Brite Jenson Button im Renault vor dem Mönchengladbacher Nick Heidfeld. Trotz einer Startpanne wie schon beim Saisonauftakt in Melbourne kam Heinz-Harald Frentzen im Arrows-Cosworth noch auf den 11. Rang.

Strafe ohne Grund?

»Ich habe im Rennen nie aufgegeben, habe hundert Prozent gegeben und immer an meine Chance geglaubt. Das hat sich heute ausgezahlt, auch wenn der dritte Platz am Ende ein bisschen glücklich war«, meinte Michael Schumacher, der 2000 und 2001 in Sepang noch der glückliche Sieger war. Trotz des verpassten Hattricks wollte der viermalige Champions die Kollision mit Montoya nicht dramatisieren: »So ist der Rennsport.« Die daraus resultierende Strafe für Montoya konnte der Weltmeister dementsprechend nicht nachvollziehen.

»Kampflinie«

Wie schon vor zwei Wochen in Melbourne spielte die erste Kurve Schicksal und sorgte für eine Vorentscheidung - diesmal allerdings zu Ungunsten von Auftaktsieger Schumacher und dem damals Zweiten Montoya. Nur 15 Sekunden konnte sich das Ferrari-Team über die 150. Pole Position bei einem Formel-1-Rennen freuen. Montoya und Schumacher lieferten sich einen harten Zweikampf, der Deutsche gab nicht nach und blieb auf »Kampflinie«, die Boliden berührten sich. Als sich ob der »Feindberühung« Michael Schumachers Frontflügel verabschiedete, stockte den »Roten« der Atem.

Der Kerpener musste sich nach dem unfreiwilligen Boxenstopp ganz hinten anstellen, lachender Dritter war zunächst Barrichello. Der von Position drei gestartete Brasilianer führte plötzlich, ohne ein Überholmanöver riskieren zu müssen.

Montoya stinksauer

Die Schuld an dem Rennunfall bekam wenig später Montoya zugeschoben. Die FIA-Rennkommissare »verdonnerten« den Südamerikaner wegen einer »vermeidbaren Kollision« zu einer Zeitstrafe; Montoya musste einmal durch die Boxengasse fahren und war stinksauer: »Ich habe ihm doch Platz gelassen. Diese Entscheidung ist dumm.« Über Funk versuchte ihn seine Crew zu beruhigen: »Mach jetzt erst mal das, was zu tun ist. Diskutieren können wir später.«

Pechvogel Barrichello

Dies nahm sich Montoya zu Herzen. Schon nach 20 Runden hatte er sich wieder auf den vierten Platz vorgearbeitet; Weltmeister Schumacher war bis zu seinem ersten Boxenstopp (20. Runde) schon Neunter. Doch noch 21 Runden musste auch Barrichello zum Reifenwechsel und Nachtanken. Neuer Spitzenreiter: BMW-Pilot Schumacher, der die Führung nach seinem ersten und einzigen Boxenstopp (31. Runde) zunächst wieder abgeben musste. Nach 40 Runden war das Rennen dann gelaufen - für Ralf Schumacher, dessen Ein-Stopp-Strategie perfekt aufging, und gegen Pechvogel Barrichello.

Silber ohne Glanz

Innerhalb von nur acht Runden war das Schicksal der »Silbernen« besiegelt: Wie in Melbourne schied der Schotte David Coulthard, diesmal mit einem technischen Defekt an seinem McLaren-Mercedes, in der 16. Runde aus. Ebenfalls ein Motorschaden zerstörte die Hoffnungen Kimi Räikkönens auf einen zweiten Coup. In Melbourne war der 22 Jahre alte Finne Dritter hinter Schumacher und Montoya geworden. »Ich kann mich nur bei den Fahrern entschuldigen, denn die haben heute einen tollen Job und alles richtig gemacht. Aber auch wir können das besser«, meinte Mercedes-Sportchef Norbert Haug.

Von Andrea Wimmer (dpa)

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