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FORMEL 1: Schützenhilfe für Schumacher: Kollegen finden Stallregie okay

Die deutschen Formel-1-Kollegen haben Schumacher in der Debatte um die Ferrari-Stallregie den Rücken gestärkt. Sie finden es normal, dass ein Fahrer auf Befehl seinen Teamkollegen überholen lässt.

Die deutschen Formel-1-Kollegen haben Michael Schumacher in der Debatte um die Ferrari-Stallregie den Rücken gestärkt. »Den Aufschrei verstehe ich nicht«, wunderte sich Nick Heidfeld vor dem Großen Preis von Monaco über die heißen Diskussionen nach dem von Ferrari-Teamchef Jean Todt angeordneten Überholmanöver beim letzten Grand Prix in Österreich zu Gunsten des deutschen Stars. »Jeden hätte es gewundert, wenn es nicht so gekommen wäre«, stellte der Mönchengladbacher fest.

Auch Heinz-Harald Frentzen, eigentlich kein großer Schumacher-Freund, brach eine Lanze für den mit herber Kritik (»Schumi, hast Du das nötig?«) konfrontierten Kerpener. Der Weltmeister hatte den Brasilianer Rubens Barrichello auf Todts Anweisung kurz vor dem Ziel überholen dürfen und so in Spielberg wichtige Punkte im Kampf um den WM-Titel gesammelt. »Irgendwo muss der Name Team schon eine Bedeutung haben. Man kann es nicht verwerfen, wenn der eine Teamkollege dem anderen hilft«, urteilte der Jordan-Pilot.

»Das ist nichts neues in der Formel 1«

Klipp und klar brachte es Michael Schumachers Bruder Ralf auf den Punkt: »Das ist nichts Neues in der Formel 1.« Es sei schließlich klar, dass »Rubens kein Weltmeister werden wird. Er ist um einiges langsamer als Michael.« Der jüngere Bruder sprach in Sachen Stallregie aus eigener Erfahrung. Seinen ersten Formel-1-Sieg vor Augen, musste Ralf Schumacher im August 1998 in Spa seinen damaligen Teamkollegen Damon Hill (Großbritannien) gewinnen lassen. »Klar ärgert man sich da. Für den Fahrer ist so etwas schwer zu akzeptieren, aber die Entscheidung ist richtig.«

Felsenfest ist der Williams-BMW-Pilot davon überzeugt, dass auch der schottische Silberpfeil-Pilot David Coulthard, im Moment der härteste Titel-Rivale von Michael Schumacher, von McLaren-Mercedes mit Privilegien gefördert werden würde. »Wenn es hart auf hart kommt, dann werden auch sie die Order durchgeben. Alles andere wäre unlogisch.« Daimler-Vorstandsmitglied Jürgen Hubbert formulierte es unlängst so: »Wir haben Männer im Team, die wissen, was sie tun müssen.«

»Keine Stallregie« bei Mercedes

Bei den Silbernen gebe es »ganz einfach keine« Stallregie, sagte McLaren-Teamchef Ron Dennis. Der Brite räumte aber ein, dass man »vertraglich gesehen« die Möglichkeit habe, den Fahrern Befehle zu erteilen. Man wolle erst dann eine Entscheidung treffen, wenn es die Situation erfordere. Aber: »Eine Strategie gibt es nicht.«

Sein Gegenspieler Todt bemühte sich vor dem Rennen in Monaco am Sonntag (14.00/live in RTL und Premiere World), die Wogen zu glätten. Der Franzose stellte in Monte Carlo klar: »Rubens ist nicht die Nummer zwei.« Es sei halt so, dass Michael einfach meistens vor Rubens gewesen sei, seit die beiden zusammen für Ferrari fahren. Wenn Rubens in Zukunft konstant schneller als Michael sei, dann würde Schumacher zum Wasserträger. »So war das früher, und so wird es auch in Zukunft sein.«

Auch Schumacher kennt die Gesetzmäßigkeiten im Formel-1-Business: »Sollte mein Teamkollege schneller sein, egal wer, werde ich automatisch der zweite Fahrer sein. Der erste Fahrer ist immer der, der schneller ist.«

Volker Gundrum, dpa

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