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FORMEL 1: Souveräner Sieg für Schumacher

Michael Schumacher fährt auf dem Nürburgring souverän auf den ersten Platz. Bruder Ralf nach gutem Start nur auf Platz vier.

Michael Schumacher hat im erbitterten Bruderduell mit seinem Triumph beim Heimrennen die Familienhierarchie wieder hergestellt. Der dreimalige Formel-1-Weltmeister krönte sich heute beim Schumacher-Festival bei Kaiserwetter in der Eifel mit seinem dritten Erfolg zum neuen König auf dem Nürburgring. Zugleich erhöhte der Ferrari-Star seine Chancen auf die Titelverteidigung. Eine Wiederholung des historischen Doppelerfolges der beiden »Schumis« von Kanada wurde durch eine Zehn-Sekunden-Strafe für Ralf Schumacher vereitelt. Bis zu diesem bitteren Moment in der 40. Runde hatten sich die beiden Kerpener vor 142 000 begeisterten Zuschauern einen erbitterten, aber stets fairen Kampf um die Spitze geliefert. Immerhin eroberte Ralf Schumacher im Williams-BMW noch Rang vier.

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»Schumi I« löste unbeschreibliche Jubelszenen auf den prall gefüllten Tribünen aus: Mit Fahnenschwenken, wildem Gejohle und ohrenbetäubendem Trompetengetöse feierten die »Rotkäppchen« ihr Idol begeistert. Der Ferrari-Star ballte bei der Zieldurchfahrt triumphierend die Faust. Mit 68 Punkten nach seinem fünften Saison- und insgesamt 49. Grand-Prix-Sieg liegt Michael Schumacher nun schon 24 Punkte vor dem Schotten David Coulthard (44). Der McLaren- Mercedes-Pilot belegte beim neunten Saisonlauf über 305,235 Km den dritten Platz hinter dem Kolumbianer Juan Pablo Montoya im zweiten Williams-BMW. Rubens Barrichello, weiter WM-Dritter (26), belegte im zweiten Ferrari Rang fünf vor Mika Häkkinen im zweiten Silberpfeil.

Heinz-Harald Frentzen kam bei seinem Comeback nach dem verletzungsbedingten Fehlen zuletzt in Kanada und davor drei Ausfällen in Serie wieder nicht ins Ziel. Der 34-jährige, der am Vormittag bestätigt hatte, bis 2002 bei Jordan-Honda zu bleiben, rollte in der 50. von 67 Runden aus. Nick Heidfeld, zuletzt ebenfalls zwei Mal früh ausgefallen, musste seinen Sauber-Petronas fünf Umdrehungen später wegen eines technischen Defektes in der Box abstellen. Damit endete der Heim-Grand-Prix für beide Mönchengladbacher mit einer Pleite.

Gleich beim Start setzten die Schumachers ihr spannendes Duell von Kanada fort. Der »Große« drängte den »Kleinen« stark nach rechts ab, zur von vielen vorher befürchteten Kollision wie 1997 kam es jedoch nicht. Der von der Pole-Position gestartete Ferrari-Star verteidigte seine Spitzenposition und verschaffte sich gleich einen kleinen Vorsprung. Dabei hatte der Grand Prix mit einer Schrecksekunde für ihn begonnen. Bei der Aufwärmrunde eine halbe Stunde vor Rennbeginn blieb Michael Schumacher mit seinem Ersatzwagen wegen eines technischen Defektes stehen. Hektisch riss er das Lenkrad heraus und fuhr mit einem BMW-Motorroller selbst an die Box zurück, um in sein Stammauto zu wechseln.

»Schumi I« baute seinen Vorsprung gegenüber »Schumi II« auf dem 4,556 Km langen Berg-und-Tal-Kurs bis zur elften Runde bis auf 3,4 Sekunden auf. Danach bekamen die naturgemäß in den ersten Umläufen abbauenden Michelin-Reifen am Williams-BMW wieder mehr Haftung und Ralf Schumacher verkürzte seinen Rückstand kontinuierlich: In der 18. Runde attackierte er Michael in der Dunlop-Kehre erstmals, und sein Team versuchte durch einen angeblich geplanten Boxenstopp die Konkurrenz zu bluffen. Der 25-Jährige hielt sich nun bis zum ersten gleichzeitigen Halt Ende der 28. Runde immer im Windschatten seines sechseinhalb Jahre älteren Bruders.

Im direkten Duell an der Box hieß der Sieger Michael: Die Ferrari- Crew fertigte ihren Star in 8,4 Sekunden ab; Williams-BMW benötigte 1,3 Sekunden länger. Der Titelverteidiger verteidigte nach dem Tanken und Reifenwechsel die Führung; Ralf rutschte nur vorübergehend hinter Coulthard auf Rang drei zurück: Im 31. Umlauf überholte er den schottischen Silberpfeil-Piloten problemlos.

Die Träume von einer Wiederholung seines Triumphes von Montreal mit dem historischen Bruder-Doppelerfolg in der Grand-Prix-Geschichte platzten jedoch jäh: Ralf Schumacher erhielt wegen reglementswidrigen Überfahren der weißen Linie an der Boxenausfahrt eine Stop-and-go- Strafe von zehn Sekunden. Er büßte dadurch insgesamt rund eine halbe Minute ein, lag in der 40. Runde 36,9 Sekunden hinter Michael zurück und rutschte auf Platz vier noch hinter Montoya und Coulthard ab. »Schumi I« konnte nun konkurrenzlos mit beruhigendem Vorsprung seine Solofahrt an der Spitze fortsetzen.

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