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Ende der Tradition: Die Formel 1 verzichtet auf Nummern-Girls, doch es gibt Kritik am Zeichen gegen Sexismus

Die Grid Girls gehörten über Jahrzehnte hinweg zur Formel 1. Ihr Aus sorgt nun für hitzige Diskussionen.

Ein Nummern-Girl in der Formel 1

Die Nummern-Girls in der Formel 1 werden abgeschafft. Die Entscheidung sorgt nicht nur für Zuspruch.

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Es ist ein klares Zeichen gegen Sexismus im Motorsport, doch die Entscheidung sorgt für Diskussionen: Die Formel 1 wird in der kommenden Saison auf Nummern-Girls in der Startaufstellung verzichten. Die Führung der Rennserie begründete dies mit dem gesellschaftlichen Wandel, dem der Aufmarsch leicht bekleideter Mädchen als Grid Girls neben den Rennwagen widerspreche. "Wir glauben nicht, dass dieser Brauch passend oder bedeutend für die Formel 1 und ihre bisherigen und künftigen Fans in aller Welt ist", sagte Formel-1-Marketingchef Sean Bratches in einer Mitteilung. Diese Entscheidung gelte auch für alle Rennen anderer Klassen an Grand-Prix-Wochenenden.

Niki Lauda und Sebastian Vettel äußern ihr Unverständnis

Einige Größen aus dem Motorsportzirkus können und wollen diesen Schritt jedoch nicht nachvollziehen. Der ehemalige F1-Boss Bernie Ecclestone sagte der britischen Zeitung "The Sun": "Ich kann nicht erkennen, wie ein gut aussehendes Mädchen, das mit einem Fahrer und einer Nummer vor einem Formel-1-Auto steht, jemanden stören kann." 

Der deutsche Rennfahrer Sebastian Vettel findet das Verbot "lächerlich": "Ich denke, einige Dinge müssen sich nicht ändern, und das ist eines davon. Das ist gute Tradition und damit sollten wir nicht brechen", sagte er laut "Express".

Formel-1-Legende Niki Lauda sprach mit dem "Standard" über die Entscheidung und hat dabei ein paar ziemlich eindeutige Fragen an die Verantwortlichen gerichtet: "Wie dumm kann man sein?" - "Haben die einen Vogel?" - "Wo führt das noch hin?"

Auch die Nummern-Girls äußern Kritik

Unverständnis äußern auch einige der Frauen, die nun nicht mehr Teil der Formel 1 sein dürfen. Auf Instagram schrieb die Britin Lauren Jade Pope: "Wegen Feministinnen haben wir unseren Job verloren. Ich habe acht Jahre lang als Grid Girl gearbeitet und mich nie unwohl gefühlt. Ich habe diesen Job geliebt. (...) Keine von uns ist je gezwungen worden, auf der Startaufstellung zu posieren. Es war unsere Wahl.“

Charlotte Gash sagte zur "BBC": Es widert mich an, dass die Formel 1 einer Minderheit nachgibt, um politisch korrekt zu sein."

Im Zuge der Diskussion, ob das Auftreten von Grid Girls noch zeitgemäß ist, wurden bei einigen Rennen zuletzt auch Grid Boys und Kinder eingesetzt. Die Grid Girls gehörten seit Jahrzehnten zu den Rennen. Die jungen Frauen dienten Werbemaßnahmen und trugen meist das Outfit eines Sponsors.

Auch in anderen Sportarten wird reagiert

Zuletzt hatte auch der Darts-Weltverband mit seiner langen Tradition sogenannter Walk-On-Girls gebrochen. Die Professional Darts Corporation reagierte mit diesem Beschluss auf die Kritik von TV-Anstalten. Zahlreiche Fans, Spieler und auch eine Reihe von Models selbst hatten sich daraufhin allerdings verärgert gezeigt. Die Organisation "Women's Sport Trust" hatte die Abschaffung der Walk-On-Girls dagegen gelobt und andere Sportarten wie die Formel 1 aufgefordert, sich ein Beispiel zu nehmen.

Auch beim Boxen gibt es Diskussionen, ob die Nummern-Girls abgeschafft werden sollten. 

Ex-Formel-1-Fahrer Michael Schumacher lächelt
sw / dpa

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