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Formel1: Respekt und Kritik für Schumacher-Brüder

Trotz des Todes ihrer Mutter fuhren Ralf und Michael Schumacher das Rennen in Imola. Ein Verhalten, das die Medien spaltet.

Mit großem Respekt, aber teilweise auch kritischen Tönen haben deutsche und internationalen Medien den Start der Schumacher-Brüder beim Großen Preis von San Marino am Ostersonntag in Imola kommentiert. Als private Entscheidung werteten einige die Rennteilnahme von Michael und Ralf Schumacher. "Doch anstatt weiter an seiner eigenen Heldensaga zu stricken, wäre für Michael Schumacher (und für seinen jüngeren Bruder natürlich auch) Gelegenheit gewesen, ein stilles, leises Kapitel über den Menschen zu schreiben. Schade, dass beide Schumachers es nicht getan haben", befand die "Frankfurter Rundschau". Und die Bild-Zeitung fragte auf der Titelseite: "Schumi, war das richtig?"

Michael und Ralf Schumacher waren am Sonntag beim Rennen in Imola trotz des Todes ihrer Mutter angetreten. In der Formel 1 hatte ihnen diese Haltung Mitgefühl und Hochachtung von Kollegen und Konkurrenten eingebracht. Dem fünfmaligen Weltmeister gelang in Imola der erste Saisonsieg, sein Bruder Ralf wurde Vierter.

Kritik und Respekt halten sich die Waage

In den Medien wurde das Thema zum Teil kontrovers diskutiert. "Man mag das Verhalten der Schumis professionell finden, die Leistung sogar heroisch. Vielleicht ist es einfach aber nur Ausdruck der branchenüblichen Abstumpfung. Man müsste ja nachdenken - über sein Tun, über sein Leben und über sich selbst", kommentierte das "Badische Tagblatt".

Ein Großteil der Zeitungen äußerte Respekt und Verständnis für die Entscheidung der beiden Formel-1-Piloten. "Der Umgang mit Trauer ist Privatsache", fanden die "Ruhr Nachrichten" und standen damit stellvertretend für einige andere Blätter. "Wie banal, wie geschmacklos sind die Fragen der selbst ernannten Bedenkenträger, die den Imola-Start der Schumachers womöglich für pietätlos halten", fand die "Westdeutsche Allgemeine Zeitung" (WAZ).

Auch im "Münchner Merkur" hieß es: "Doch sollte sich niemand anmaßen, über den Umgang der Brüder mit ihren Gefühlen zu urteilen. Sie verhielten sich so, wie es ihnen richtig und angemessen erschien - und diese Entscheidung ist zu respektieren."

Das Ausland sieht den sportlichen Aspekt

Im europäischen Ausland wurde vor allem die sportliche Leistung gewürdigt. Der englische "Daily Telegraph" lobte den Sieg Michael Schumachers als "Akt eines Champions im Sport und im Alltagsleben, ein Akt des Triumphes". Die spanische Sportzeitung "AS" fand: "Schumacher zeigte sich von seiner menschlichsten Seite." Die italienische Tageszeitung "La Repubblica" titelte: "Im Namen seiner Mamma hat Michael Schumacher die Zähne zusammengebissen. Er fuhr, siegte - und weinte."

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