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Großer Preis der USA: Ralfs schwerer Unfall überschattet Schumis Sieg

Michael Schumacher hat vor Barrichello souverän den Großen Preis der USA in Indianapolis gewonnen. Bruder Ralf überstand einen Einschlag mit 300 km/h in die Boxenmauer wie durch ein Wunder fast unverletzt.

Überschattet vom schweren Unfall seines Bruders Ralf hat Nimmersatt Michael Schumacher im schnellsten "Nudeltopf" der Welt seinen Erfolgshunger weiter gestillt. Der sechsmalige Formel-1-Weltmeister gewann am Sonntag im Indianapolis Motor Speedway den von mehreren spektakulären Kollisionen geprägten Großen Preis der USA vor seinem Ferrari-Teamkollegen Rubens Barrichello. Durch seinen achten Triumph im neunten Saisonlauf baute Michael Schumacher die Führung in der Gesamtwertung aus.

Schwerer Unfall von Ralf - scheinbar unverletzt

Mit Erleichterung registrierte der Seriensieger aus Kerpen, dass sein jüngerer Bruder den Einschlag mit etwa 300 km/h in die Boxenmauer nach ersten Diagnosen glimpflich überstanden hatte. "Nach meinen Informationen geht es Ralf gut. Das ist das Einzige, was wichtig ist", sagte Michael Schumacher. "Als ich Ralf so im Auto sitzen sah, hatte ich schon befürchtet, dass ihm etwas wirklich Schlimmes passiert sein könnte."

"Keine Brüche und innere Verletzungen"

"Ralf hat keine Kopfverletzungen, keine Brüche und keine inneren Verletzungen erlitten", teilte ein BMW-Sprecher nach einer umfassenden Untersuchung des Unfallopfers in einem Krankenhaus in der Stadt mit.

Ralf Schumacher knallte in der 10. von 73 Runden auf der Start- Ziel-Geraden mit Höchstgeschwindigkeit rückwärts in die Boxenmauer und wurde auf die Streckenmitte zurückkatapultiert. Der 28 Jahre alte Kerpener blieb lange im Williams-BMW sitzen, signalisierte aber per Handzeichen Entwarnung. Fünf Minuten nach dem Einschlag untersuchte Formel-1-Arzt Sid Watkins das Unfallopfer direkt im Auto, während der Grand Prix hinter dem Safety Car weiterlief. Danach wurde Ralf Schumacher ins Streckenhospital zur weiteren Behandlung transportiert.

Glück im Unglück - Ursache unklar

Der Rheinländer hatte offensichtlich Glück im Unglück. "Er ist bei Bewusstsein und kann alles bewegen", sagte BMW-Motorsportdirektor Mario Theissen nach einem Besuch im Streckenhospital. "Ralf hat Schmerzen im Rücken." Die Unfallursache sei noch unklar, das Team überprüfe die technischen Daten.

Der zu diesem Zeitpunkt führende Michael Schumacher schaute immer wieder besorgt zu seinem Bruder hinüber, wenn er die Unglücksstelle passierte. Erst nach neun Runden gaben die Rennkommissare den WM-Lauf wieder frei.

Schumi Sieger vor Barrichello und Sato

Michael Schumacher gewann den Grand Prix auf dem 4,192 km langen Kurs in 1:40:29,914 Stunden. Barrichello hatte nach 306,016 km 2,9 Sekunden Rückstand. Den dritten Platz belegte der Japaner Takuma Sato im BAR-Honda. In der Gesamtwertung liegt der deutsche Titelverteidiger bei Halbzeit mit nunmehr 80 Punkten klar vor Barrichello (62) und dem Briten Jenson Button (44), der in Indianapolis ausfiel.

Crash-Rennen

Schon Sekunden nach dem Start hatte es gleich nach der ersten Kurve erstmals bei diesem spektakulären USA-Rennen gekracht. Jaguar- Pilot Christian Klien (Österreich) prallte ins Heck eines Konkurrenten und rutschte danach in den Jordan des Italieners Giorgio Pantano. Der Brasilianer Felipe Massa im Sauber-Petronas und Gianmaria Bruni (Italien) im Minardi-Cosworth waren weitere Opfer dieser Kollision. Als nach fünf Runden das sofort auf die Strecke geschickte Safety Car das Rennen wieder frei gab, nutzte der wild attackierende Michael Schumacher eine kleine Lücke, um am Trainingsschnellsten Barrichello vorbeizuziehen.

Pech hatten Michael Schumachers Rivalen im WM-Rennen aus den anderen Teams: Der Spanier Fernando Alonso fiel wegen eines Reifenproblems an seinem Renault in der neunten Runde zum zweiten Mal in Folge aus. Für Button bedeutete ein technischer Defekt den erstmaligen Ausfall in dieser Saison. Nick Heidfeld (Mönchengladbach), in Montréal noch glücklicher Achter, rutschte im Jordan-Ford in der 45. Runde von der Piste.

Montoya disqualifiziert

Schon vor Ralf Schumachers spektakulärem Einschlag hatte Williams- BMW einem Rückschlag hinzunehmen: Juan Pablo Montoya wurde wegen eines regelwidrigen Umsteigens ins Ersatzauto 15 Runden vor Rennende disqualifiziert. Der Kolumbianer war wegen eines Defektes am Startmechanismus seines weiß-blauen Boliden Sekunden vor der Einführungsrunde in das so genannte T-Car umgestiegen und aus der Boxengasse gestartet. Montoyas beherzte Aufholjagd nutzte nichts, da ihm die Kommissare später die Schwarze Flagge zeigten. Erst vor sieben Tagen war das Williams-BMW-Duo beim Großen Preis von Kanada wegen einer regelwidrigen Bremslüftung nachträglich disqualifiziert worden.

McLaren-Mercedes in den Punkterängen

Für McLaren-Mercedes reichte es wieder zu Punkten. Vizeweltmeister Kimi Räikkönen (Finnland) belegte den sechsten Platz. Sein schottischer Teamkollege David Coulthard wurde Siebter. Möglicherweise war es die Abschiedsvorstellung des enttäuschenden Silberpfeils MP 4-19, da schon in 14 Tagen beim Großen Preis von Frankreich das Nachfolgermodell MP 4-19B debütieren könnte.

Claas Hennig, DPA / DPA

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