HOME

Großer Preis von Bahrain: Das Prinzip BMW heißt Kampfansage

Der größte Gewinner beim Wüstenrennen in Bahrain heißt BMW. Die Münchner sind endgültig zur zweiten Kraft gereift. Aber Vorsicht: Der Konkurrenzkampf zwischen Nick Heidfeld und Robert Kubica besitzt Sprengkraft.

Von Elmar Brümmer, Sakhir

Die Frage der Ehre, die sich Max Mosley noch stellen muss, hat Felipe Massa bereits für sich beantwortet. Der Brasilianer hat sich nach zwei Nullnummern mit einem eindrucksvollen Sieg beim Großen Preis von Bahrain zurück gemeldet. Aber der größte Gewinner des wüsten Renn-Wochenendes heißt eindeutig BMW, das Team ist im dritten Rennen endgültig zur zweiten Kraft herangewachsen - und nach Gesamt-Punkten sogar erstmals Erster. Das weckt weitere Begehrlichkeiten.

Im Formationsflug machten Massa und sein durch eine Mittelohrentzündung gehandicapter Kollege Räikkönen die 57 Runden von Sakhir unter sich aus. Auch dahinter wurden die Ränge drei und vier farblich korrekt sortiert: Weiß-Blau vor Weiß-Blau. Robert Kubica, der am Samstag die erste Pole-Position für den deutsch-schweizerischen Rennstall eingefahren hatte, verteidigte den dritten Platz knapp vor seinem Teamkollegen Nick Heidfeld. In der Summe ergab das für die Marke mit 30 WM-Punkten zum ersten Mal die Führung in der Konstrukteurs-Weltmeisterschaft, vor Ferrari (29) und McLaren-Mercedes (28). Die Silberpfeil-Fraktion durfte sich zwar die schnellste Rennrunde für den Fünftplatzierten Heikki Kovalainen gutschreiben lassen, ansonsten aber brachte es der nach einer Kollision mit Fernando Alonso (ausgerechnet!) von Rang drei auf 13 abgestürzte Lewis Hamilton das Wochenende auf einen kurzen und vernichtenden Nenner: "Ein Desaster." Und legt dann noch: "Eine Katastrophe."

BMW hat mehr erreicht als geplant

Die WM-Führung überraschte selbst BMW-Motorsportdirektor Mario Theissen, obwohl der promovierte Ingenieur die Formel 1 häufig nüchtern betrachtet: "Am Ende ist alles Physik." "Diese Führung haut mich um, das hatten wir überhaupt nicht auf der Rechnung", gestand Theissen, um dann gleich weiter zu kalkulieren: "Wir haben damit bereits jetzt mehr erreicht als geplant. Eigentlich steht für diese Saison nur noch der erste Sieg auf unserem Zettel."

Der gnadenlose Kubica, dessen Stärke die schnelle Qualifikationsrunde ist (in diesem Duell führt er 3:0), wurde von Heidfeld im Rennen stark unter Druck gesetzt. Da wächst ein heftiger interner Konkurrenzkampf heran. Der Gladbacher, der von Startrang sechs auf vier vorrückte, gehört zu den wenigen Piloten, denen spektakuläre Überholmanöver glücken. "Ein versöhnlicher Abschluss", sagt Heidfeld, "wir sind recht nah am ersten Sieg." Theissen unterstreicht den Optimismus noch mal: "Das heute war ein Schritt nach vorn. Wir waren erstaunlich nah dran an den beiden Ferrari und konnten deren Rundenzeiten halten."

Ferrari und Mercedes müssen sich erst an Konkurrenz gewöhnen

Die Kampfansage auf der Strecke, dass ist das Prinzip von BMW. Theissen freut sich, dass die ebenso spektakuläre wie risikoreiche Fahrzeugkonstruktion unter unterschiedlichsten Bedingungen (in Sakhir war es der kräftige Gegenwind) für positive Überraschungen gut ist, nimmt man mal die leichten Startschwierigkeiten aus. Manager Theissen: "Ferrari und McLaren sollen sich erstmal an die Tatsache gewöhnen, dass da noch ein drittes Team vorne mitmischt." Mercedes-Mann Norbert Haug empfing die neue Konkurrenz nicht gerade überschwänglich: "Wir haben es heute leicht gemacht, die Führung abzugeben..." In der Wüste hat McLaren-Mercedes noch nie gewonnen, obwohl 30 Prozent des Teams den Bahreinis gehören.

Die Münchner sind - nimmt man die technischen Problemchen am Start mal aus - die bislang einzige große Konstante in dieser Saison. Die Vokabel "Wachablösung" soll damit nicht nur für Mister Mosley an Bedeutung gewinnen. Wie sagt Mario Theissen so schön: "Wir wollen natürlich ran, aber irgendwann auch mal vorbei..."

Wissenscommunity