Großer Preis von Spanien König Alonso vom Thron gestoßen


Was die Spannung angeht, kann die Formel 1 mit der Fußball-Bundesliga weiter mithalten. Nicht nur bei den meisten deutschen Piloten herrscht Schalke-Stimmung, auch Weltmeister Fernando Alonso büßt seine dominante Rolle ein: Lewis Hamilton stiehlt ihm die Show und die Tabellenführung.
Von Elmar Brümmer

Still sind die meisten der 140.000 Spanier am Circuit de Catalunya, aber merkwürdig ist das nicht. Juan Carlos, der spanische König, hat den Europa-Auftakt gleich geschwänzt, und dann das: Fernando Alonso enthront sich in der ersten Kurve beim Großen Preis von Spanien. Der zweifache Weltmeister ist spätestens seit dem letzten Rennen mächtig unter Druck, Neuling und Kollege Lewis Hamilton stiehlt ihm die Show. Am Samstag verpasst er die Pole-Position knapp, und im Harakiri-Versuch, den Ferrari-Piloten Felipe Massa zu verdrängen, rattert er mit seinem Silberpfeil durch die Pampa und knallt fast Räikkönens Ferrari ins Auto. Junior Hamilton hatte inzwischen Kimi Räikkönen kassiert, und rast einem weiteren Traumresultat entgegen.

Die Blicke bei der Siegerpressekonferenz sagen alles - Alonso weiß, dass er zu viel riskiert und sich dabei blamiert hat. Hamilton, so clever wie smart, genießt still seinen Triumph, jüngster Tabellenführer in 57 Jahren Formel-1-Geschichte zu sein. Er guckt in eine andere Richtung als Alonso. Da bahnt sich was an, die Spannung ist zu Greifen. "Für mich ist Lewis ein WM-Gegner wie Massa und Räikkönen auch..."

Die Gangart wird härter

Nicht nur unter den silbernen Teamkollegen, sondern insgesamt wird die Gangart jetzt härter - die Positionskämpfe für den Rest des Jahres haben begonnen. Auf und neben der Strecke. Alonso weiß um den verpatzten Sonntag, und kann seine Nervosität nur schwer unterdrücken. Er verwickelt sich in Widersprüche, was die Vorfahrtslage beim rennentscheidenden Vorfall angeht.

Spitzenreiter Felipe Massa stellt klar: "Wenn jemand aggressiv war, dann war es Fernando, nicht ich. Ich war innen, und so lange ich da bin, so lange werde ich da bleiben." Sein sportlicher Ziehvater Michael Schumacher, in Barcelona erstmals an der Box, knutschte vor Freude die Freundin von Ferrari-Boss Jean Todt. Massa nimmt die sportliche Rache, die dem Kerpener zuletzt nicht vergönnt war.

Respektlosigkeit am neuen Arbeitsplatz

Alonso merkt, dass er es an seinem neuen Arbeitsplatz mit Respektlosigkeit zu tun bekommt. Hat nicht "Abba" schon in den Achtzigern gesungen: "Kannst du die Trommeln hören, Fernando? Ich erinnere mich an eine andere Sternennacht wie diese vor langer Zeit. Im Feuerlicht Fernando..."


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