HOME

Großer Preis von Ungarn: Weltmeister Schumacher unter Druck

Den Reifen sei's gedankt: Das BMW-Williams-Team um Juan Montoya gilt für den Grand-Prix von Ungarn am Sonntag als Favorit. Doch Michael Schumacher gibt sich kämpferisch und gewinnt der Situation sogar positive Aspekte ab.

Michael Schumacher bemüht sich um Gelassenheit. Obwohl der Formel-1-Weltmeister und sein Ferrari-Team vor dem Großen Preis von Ungarn in der Fahrer- und der Konstrukteurs-Wertung noch vorne liegen, stehen sie mit dem Rücken zur Wand. Ausgerechnet auf dem Hungaroring, wo Schumacher sich vor zwei Jahren den vierten seiner fünf WM-Titel sicherte und im vergangenen Jahr Ferrari die Konstrukteurs-WM holte, droht der Sturz von der Spitze. Williams-BMW und der Kolumbianer Juan Pablo Montoya sind gefährlich nah herangekommen.

"Manchmal kommt es mir fast so vor, als würden alle hören wollen, dass wir die Flinte schon ins Korn geworfen hätten. Haben wir aber nicht", meinte Schumacher. Seit vier Rennen wartet er auf einen Grand-Prix-Sieg - seine längste Durststrecke seit Juli/August 2000. In jenem Jahr wurde er dennoch erstmals mit Ferrari Weltmeister. Ein gutes Omen?

"Jetzt ist 100 Prozent angesagt"

Was den Kerpener und die Italiener qallerdings beunruhigt: Der Trend vor den letzten vier der 16 Rennen spricht gegen sie. Herausforderer Williams-BMW war in den jüngsten Rennen so überlegen wie Ferrari in den vergangenen drei Jahren. "Wenn man deutlich dominiert, dann ist die Herausforderung nur in gewissen Phasen vorhanden und nicht permanent. Und im Moment ist sie permanent vorhanden", beschreibt Michael Schumacher die Situation für sich und sein Rennstall. "Jetzt ist 100 Prozent angesagt."

"Wollen die Ferrari-Dominanz brechen"

Die technische Überlegenheit des britisch-deutschen Rennstalls gepaart mit den besseren Michelin-Reifen haben Ferrari in die Ecke gedrängt. Das siebenwöchige freiwillige Testverbot in der Formel 1 kam für Ferrari zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt. "Wir wollen die Ferrari-Dominanz brechen», gibt sich BMW-Motorsportdirektor Mario Theissen kämpferisch. Auch auf dem Hungaroring, der nur wenig Überholgelegenheiten bietet, gelten die Williams-BMW-Fahrer Montoya und Ralf Schumacher als Favoriten. Michael Schumacher bleibt nur Zweckoptimismus: "Ich bin nicht davon überzeugt, dass es eine klare Nummer gegen uns wird."

Schumi reizt die Konkurrenzsituation

Dass soviel Fahrer hinter ihm noch realistische Chance auf den Titel haben, sieht Schumi I sogar als Vorteil. "Das ist eine sehr gute Situation und ich habe damit kein Problem. Mit der Aussicht, dass sich Kimi und Juan-Pablo gegenseitig Punkte wegnehmen, was gut für mich wäre, denn ich führe die Wertung ja an, könnte das sehr interessant werden", sinniert der Kerpener. Ob die Rechnung, seine Konkurrenten werden sich gegenseitig die Punkte wegnehmen und er am Schluß der lachende Dritte sein, aufgeht?

Montoya gibt sich zurückhaltend

Sein schärfste Rivale Montoya gibt sich siegesgewiss und für seine Verhältnisse auch recht zahm. "Ich denke, meine Chancen sind gut", sagte der Kolumbianer. "Aber es sind noch immer vier zu fahrende Rennen, da kann noch alles passieren." Er weiß selbst am besten, dass er ebensso schnell zurückfallen kann, wie er rangekommen ist. Montoya ist in dieser Saison der dritte Herausforderer von Michael Schumacher nach dem finnischen McLaren-Mercedes-Fahrer Kimi Räikkönen und Ralf Schumacher.

Die einzige Konstante im WM-Kampf blieb Michael Schumacher.Auch wenn beim ersten freien Training auf der Strecke er am Freitag nur die neunschnellste Zeit fuhr.

Claas Hennig und Volker Gundrum / DPA

Wissenscommunity