Michael Schumacher Plauderstündchen bei der Scuderia


Viel passiert eigentlich nicht auf den Ferrari-Medientagen im italienischen Madonna die Campiglio. Obwohl: die Sonne scheint, das Essen schmeckt und Ex-Weltmeister Michael Schumacher sinniert über seine Zukunft.
Von Markus Götting

Jetzt geht's endgültig bergab mit Michael Schumacher. Es muss so eine Art Alternative zur silbernen Ehrennadel des Tourismusvereins sein, auf jeden Fall Anerkennung großer Verdienste und solcher Sachen, jedenfalls haben sie in Madonna di Campiglio nun eine Piste nach dem Grande Campione benannt. Es ist der abschließende Steilhang der wunderbaren Spinale-direttissima-Abfahrt, mit 70 Prozent Gefälle geht es dort den Berg runter, hübsch vereist das Ganze, und wenn man den Jungs von Ferrari was Böses wollte, dann könnte man in dieser Ehrung auch etwas Metaphorisches sehen.

Das sieht Michael Schumacher natürlich ganz anders. Der kommt gerade vom Autotesten aus Jerez, und was man so hört aus Andalusien, da muss man sagen: wird wohl wieder alles gut. Das Auto, sagt der Schumi, sei überraschend schnell im Vergleich zur Konkurrenz. Man darf dabei nicht vergessen, dass es sich um ein Übergangsmodell handelt, also altes Chassis, aber neues Getriebe drin, und V8-Motor, und mit anderen Worten: Nix Genaues weiß man nicht. Jedenfalls nicht endgültig.

"Zu 99,9 Prozent bleibe ich bei Ferrari"

Normalerweise führt Schumacher um diese Jahreszeit ja seine Hunde in Norwegen spazieren, quasi Winterurlaub mit der Familie. Und dass er nun höchst selbst im Auto sitzt und nicht einer seiner Domestiken, beweist, dass man bei Ferrari doch einigermaßen geschockt ist von den Versäumnissen der vergangenen Saison. Schumacher sagt: "Für uns war das ein Weckruf im letzten Jahr. Alle in unserem Team sind unter ihren Möglichkeiten geblieben." Und dabei schließt er sich selbst durchaus mit ein: Mangelnde Fitness hat er festgestellt, und mit dem Alter, sagt er, werde das ja alles nicht besser.

Schumacher ist 37 jetzt, und das ist ein Alter, in denen sich ein Spitzensportler dringend mit seiner Pensionierung auseinanderzusetzen hat. Und so haben sie ihn wieder ausgequetscht in Madonna di Campiglio. Ob er jetzt weitermache? Wann er sich entscheide? Und also hat der Schumi ein bisschen Prozentrechnen geübt mit den Herren von der Presse. "Zu 99,9 Prozent", sagt er "bleibe ich bei Ferrari". Wechsel zu einem anderen Team im Prinzip ausgeschlossen. Das heißt: wenn er überhaupt weiter Rennen fahren will. Das entscheidet er frühestens im Sommer.

"Seit einem Monat läuft's

Aber was fängt man mit so einem an, wenn der plötzlich jeden Tag zuhause ist? Können Frau und Kinder das wollen? Einen richtigen Plan für das Leben nach der Raserei hat er noch nicht, und irgendwie, sagt Schumacher, sei das ja auch sein Leben, dieser ständige Wettkampf; und deswegen geht er ja dauernd zum Gokart-Fahren und Fußballspielen, weil der Schumi ist so einer, der ständig diesen, sagen wir mal Dings-Vergleich braucht. "Mit dem neuen Auto", sagt er "macht das auch eine ganze Menge Spaß." Aber in Wahrheit geht es halt ums gewinnen. "Wenn du dauernd zwei Sekunden zu langsam bist", sagt er, "dann wird es ermüdend, sinnlos, frustrierend."

90.000 Testkilometer haben die Ferrari-Leute vergangenes Jahr in den Asphalt gebrannt. Und gebracht hat es: nichts. "Seit einem Monat", sagt Schumacher, "haben wir eine Menge erreicht." So richtig erklären kann er sich das auch nicht, warum man ein ganzes Jahr lang Ressourcen vernichtet, und dann mit einem Mal läuft's. Er sagt: "Wir können nur ein Ziel haben, und das ist Weltmeister werden." Weil: klingt ja auch blöd, wenn du plötzlich nur noch als Ex-Weltmeister durch die Gegend laufen musst.

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