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1. Bundesliga: Fünf Fragen an den 17. Spieltag

Wer ist hier der Boss, fragen wir uns und blicken in der obligatorischen Bundesliga-Vorschau unter anderem zum FC Köln, der einen neuen Präsidenten sucht, nach Wolfsburg, wo ein Anführer gebraucht wird, aber auch zur Babbel-Posse bei der Hertha. 

In Köln suchen sie einen neuen Präsidenten, bei der Hertha wohl bald einen neuen Trainer und in Wolfsburg nach dem Mann mit dem Plan gegen den Abstieg. Das Thema "Wer ist hier der Boss?" zieht sich als roter Faden durch die obligatorischen fünf Fragen zum Bundesliga-Wochenende.

Warum ruft man nicht mal Pelé an?

Beim 1. FC Köln läuft es derzeit bestens. In der Liga rangiert man im gesicherten Mittelfeld, Lukas Podolski spielt dank seines linken Fußes, dem die Fußfetischisten von bild.de eigens einen ganzen Artikel mit dem Kernsatz "Die Füße pflege ich so wie jeder andere auch“ widmeten, eine insgesamt starke Hinrunde und jetzt geht es auch noch zum Lieblingsgegner Bayern, in deren Allianz-Arena die Geißböcke noch nie verloren haben.

Sorgen macht derzeit nur die Suche nach einem neuen Präsidenten. Der Express träumt von Schumi oder Heiner Brandt, doch das Interesse der potentiellen Kandidaten scheint überschaubar zu sein. Daher musste der FC angeblich einen Headhunter mit der Präsidenten-Suche beauftragen. Wir empfehlen einen Blick ins Club-Mitgliederverzeichnis. Unter Nummer 67541 findet sich dort als Ehrenmitglied nämlich kein Geringerer als der große Pelé - und der würde alle drei Punkte des Anforderungsprofils erfüllen.

Fußballverrückt? Ist er definitiv. Wirtschaftlich unabhängig? Auf jeden Fall. Dank Weltkarriere und Viagra-Werbung steht es um seine Finanzen zum besten. Und Karneval liebt er als Brasilianer ohnehin. Noch besser würden nur die Höhner zum Karnevalsclub passen. Die haben zwischen Aschermittwoch und dem 11.11. eh nichts zu tun und bewerben sich mit unterschwelligen Botschaften bereits seit Jahren um das Präsidentenamt. Oder wie sind Songtexte wie "Mer ston zo dir FC Kölle" und "da simmer dabei" sonst zu verstehen? Also, "wenn nicht jetzt, wann dann?".

Bedeutet Reden die Rettung und Schweigen den Abstieg?

Lautstarke Vorturner könnte man derzeit auch beim VfL Wolfsburg gut gebrauchen. Denn Cheftrainer Felix Magath schmollt nach Niederlagen lieber bzw. straft seine Spieler  durch eisiges Schweigen - mit überschaubarem Erfolg. Kapitän Christian Träsch gilt auch nicht gerade als durchsetzungsstarker Kommunikator. Dass er in der schwierigen sportlichen Situation auf den Tisch hauen und das Team mit einer Brandrede aufrütteln kann, darf bezweifelt werden.

Da Kommunikation aber gerade in sportlich prekären Situation wichtig ist, hat Routinier Hasan Salihamidzic vor dem richtungsweisenden Heimspiel gegen den VfB Stuttgart die Wortführerrolle an sich gerissen und regte eine Veränderung an. Laut waz-online.de forderte er in einer Art Sieben-Punkte-Plan u.a. , "dass man miteinander spricht, sich auch mal anschreit, sich packt" und endlich auch einmal mit "1000 Prozent Hingabe" zu Werke geht.

Bleibt für die Wölfe zu hoffen, dass die Mitspieler die Worte des Routiniers beherzigen. Denn noch ein so leidenschaftsloser Auftritt wie gegen Werder und der VfL läuft Gefahr auf einem Abstiegsplatz in die Winterpause zu rutschen. Und dann wird es rabenschwarz. Denn was für Argumente soll Magath dann noch vorbringen, um den erhofften hochkarätigen Neuverpflichtungen Wolfsburg schmackhaft zu machen?

Wie lange noch, Babbel, wirst du unsere Geduld missbrauchen?

Denn anziehend ist die Stadt ja nicht gerade. Anders als unsere Bundeshauptstadt. "Berlin ist grad die aufregendste Stadt Europas, alles verändert sich ständig", ist laut bild.de eine Floskel, die man für den gepflegten Party-Smalltalk unbedingt im Repertoire haben sollte. Ob Markus Babbel den Satz auf seiner Silvesterparty anbringen wird, dürfte jedoch sehr fraglich sein und ob er Berlin tatsächlich noch anziehend findet, ebenso.

Denn die Anzeichen verdichten sich, dass der Trainer mit der Hauptstadt abgeschlossen hat und Hertha angeblich lieber früher als später verlassen will. Immer wieder hatte er in den letzten Wochen seine Entscheidung über eine mögliche Vertragsverlängerung über den Sommer 2012 in Berlin wieder vertagt. Erst wollte er in der Länderspielpause entscheiden, dann erst in der Winterpause. Der Club verbietet mittlerweile sogar Nachfragen zu diesem Thema. So schießen natürlich die Spekulationen ins Kraut. Geht er zu Bayern, Schalke oder gar nach England? Wissen seine Spieler eventuell schon längst Bescheid?

Die mittlerweile genervten Fans werden jedenfalls zusehends ungehaltener. Durch sein Schweigen droht Babbel seinen Aufstiegskredit bei ihnen zu verspielen. Und auch Sportdirektor Michael Preetz' Geduld soll aufgebraucht sein. Gut möglich, dass er Babbel bald zeigt, wer der Boss ist, ihn noch vor Weihnachten zur Entscheidung drängt und dann ab 3. Januar mit einer neuen sportlichen Führung die Rückrunde angehen wird. Möglicher Kandidat: Franco Foda.

Brauchen die Freiburger einen ordentlichen Tritt?

Einen neuen Trainer sucht man in Freiburg derzeit noch nicht. Marcus Sorg darf weiter die Zügel in der Hand behalten, obwohl er seit über zwei Monaten sieglos ist, seine Mannschaft die schwächste Abwehr der Liga hat, ein Überwintern auf dem letzten Platz droht und er in der Öffentlichkeit als zu lieb und weich gilt.

Doch Sorg kann auch anders, wie die Teambesprechung nach der Klatsche gegen Köln zeigte. Heftig sei seine Analyse ausgefallen, erklärte Jan Rosenthal laut badische-zeitung.de und begrüßte ausdrücklich die deutlichen Worte. "Das war richtig gut. In einer solchen Situation muss man mal ordentlich draufhauen." Das tat auch Club-Präsident Fritz Keller, der die Spieler in die Pflicht nahm und laut bild.de forderte: "Sie müssen nur endlich auch die ganzen PS mal auf den Rasen bringen." Vielleicht hat ja genau das Donnerwetter des Chefs gefehlt und die Mannschaft ruft gegen Dortmund die bisher gesparten Pferdestärken ab.

Welcher Stürmer landet in diesem Jahr im Denkgefängnis?

Abgerufen haben die Torjäger der Liga bisher alles - die Führung in der Torjägerliste ist umkämpft wie lange nicht. Lukas Podolski und Klaas-Jan Huntelaar (beide 14) liegen nur einen Treffer hinter Mario Gomez (15) und auch Claudio Pizarro (12) ist vorne mit dabei. An diesem Wochenende treffen jeweils zwei in direkten Duellen aufeinander. Die beeindruckenden Torquoten des Quartetts in der Hinrunde lassen darauf hoffen, dass die Torjägerkanone am Saisonende mal wieder an einen Schützenkönig mit über 30 Treffern gehen wird.

Ähnliches dachte man allerdings im Vorjahr auch, als Theofanis Gekas mit 14 Treffern die erste Halbserie als Toptorschütze beendet hatte. Der Grieche war in aller Munde, brach dann aber in der Rückrunde komplett ein. Gekas traf lediglich zweimal, ehe Christoph Daum ihn dann mit seiner psychologischen Theorie vom "Denkgefängnis" so sehr verwirrte, dass er gegen Bayern aus drei Metern das leere Tor verfehlte. Frankfurt stieg ab und Gekas muss mittlerweile in der zweiten Liga kicken. Bleibt zu hoffen, dass solch ein hartes Schicksal keinen aus unserem Quartett ereilen wird.

Malte Asmus 

sportal.de / sportal

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