Bayern-Held Ivica Olic "Messi, Ronaldo - Olic!"


Rechts, links, mit dem Kopf - es war ein Ganzkörper-Hattrick, den Ivica Olic in Lyon für die Bayern erzielte. Nun will er alle drei Titel. Der Mann mit der Batterie, die niemals gewechselt werden muss, ist der neue Star der Bayern. Olic steht exemplarisch für den Willen dieses Teams.
Von Patrick Strasser, München

Der Mann bleibt einfach ruhig, er hat ja auch drei Kinder. Und wird noch so viel gekreischt, an ihm gezerrt und gezogen: Ivica Olic lächelt. Es hatte schon etwas von Hysterie, die am Mittwochmittag am Flughafen München ausbrach, als Olic, der Drei-Tore-Held von Lyon, am Gepäckband auf seinen Koffer wartete. Flughafenangestellte, Reisende, darunter eine unaufhaltsame Gruppe italienischer Teenies, alle wollten ein Foto mit Olic und obendrein noch ein Autogramm.

Autogenes Training hat dieser Mann offenbar nicht nötig. Der Kroate ließ niemanden abblitzen. Wenn zwei Schulterklopfer wieder gegangen waren, kamen die drei nächsten. Das weiße Business-Hemd des Klub-Anzugs hing lässig aus der Hose heraus, zwischendrin las er die Glückwunsch-SMS auf seinem iPhone. Alles Erinnerungen an einen Abend, den Olic nie vergessen wird. Drei Tore in einem Champions-League-Halbfinale wie tatsächlich geschehen und nicht geträumt beim 3:0 am Dienstagabend bei Olympique Lyon - was kann man da noch mehr erwarten?

"Es ist ein Traum", sagte Olic, "das ist wohl der schönste Tag in meinem Leben. Drei Tore - wow! Das passiert nicht oft." Und dann der Blick auf dieses Trio: In der Champions-League-Torschützenliste liegt er nun mit Cristiano Ronaldo von Real Madrid auf Platz zwei. Nur Lionel Messi vom FC Barcelona ist mit acht Treffern vor demzweiten Halbfinale am Mittwochabend zwischen dem FC Barcelona und Inter Mailand noch besser. "Das sieht doch gut aus", befand Olic und wiederholte die Namen, als würde ein kleines Kind Superman, den Weihnachtsmann und sich selbst in einem Atemzug nennen: "Messi, Ronaldo und Olic."

Drei Tore für drei Kinder

Mit 30 ist Olic in der Form seines Lebens. Draußen staunten Mario Gomez und Miroslav Klose, vor Saisonbeginn neben Luca Toni als Stürmer eingeplant, über den vierten Mann. In Lyon traf Olic, der im Sommer ablösefrei vom Hamburger SV kam, mit rechts, mit links und mit dem Kopf - obwohl der blutete, weil er zuvor einen Schlag abbekommen hatte. "Ich spürte aber keine Schmerzen und als ich per Kopf dann den Treffer erzielt habe, habe ich eben gezeigt, dass ich noch zuvor noch geblutet habe", erzählte Olic, "der Doktor hat das geklebt, ich habe vielleicht jetzt noch ein paar Tage Kopfschmerzen - aber das ist egal."

Rechts, links, mit dem Kopf - es war quasi ein Ganzkörper-Hattrick, den der Kroate da in Lyon erzielte. Nun will er alle drei Titel, er sagt, dies sei möglich mit dieser Mannschaft. Mit diesem Olic würde er nie sagen. Er, Bayerns Triplic. Er, der Unermüdliche. Der nie aufhört zu laufen und zu kämpfen. Der Mann mit der Batterie, die niemals gewechselt werden muss. Er steht exemplarisch für den Willen dieser Mannschaft. Nie aufgeben! Immer weiter! Als lebe in ihm ein kleiner Oliver Kahn weiter.

Das Geheimnis seiner drei Treffer? "Ich habe unbedingt noch ein drittes Tor machen wollen, nachdem ich die ersten beiden meinen Söhnen gewidmet habe", erzählte Olic stern.de. Also Luka (5) und Toni (7) - kein Witz, so heißen die Söhne von ihm und seiner Natalie, einer gebürtigen Berlinerin. Seit elf Jahren sind sie ein Paar, seit acht verheiratet. Olic erzählte: "Die Kinder durften am Dienstagabend aufbleiben, da hatten sie eine Extra-Erlaubnis von der Mama, also hat mich das besonders gefreut." Tor Nummer drei war dann für Töchterchen Lara, gerade ein Jahr alt. Olic: "Irgendwann kann ich es ihr erzählen."

War ja klar, dass Louis van Gaal die Olic-Gala recht nüchtern beurteilen würde. Der Holländer kann es nicht leiden, Spieler aus seinem Kollektiv herausheben zu müssen, er meinte: "Er hat drei Tore gemacht und im Pressing alles gegeben. Ivi hat fantastisch gespielt, und wir alle wissen, dass wir immer auf ihn zählen können. Es tut mir leid, aber es ist so: Er steht aber auch am nächsten am Tor, da ist es ganz normal, dass er ab und zu mal ein Tor macht."

Und da bleibt er ruhig - wird er auch noch so bedrängt.


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