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Bayern-Krise: Klinsmann träumt weiter

Nach zehn Monaten Amtszeit ist der Verbleib von Jürgen Klinsmann beim FC Bayern München unsicherer denn je: Die Erfolge bleiben aus, dafür häuft sich die Kritik. Nur einer träumt weiter von einer großen Zukunft beim FCB: Klinsmann selbst.

Mit dem ambitioniertem Ziel "jeden Spieler jeden Tag besser zu machen" war Jürgen Klinsmann angetreten, nun muss er nach den Worten von Karl-Heinz Rummenigge "retten, was noch zu retten" ist. Nach zehn Monaten Amtszeit beim FC Bayern München ist die Zukunft des Trainers beim Rekordmeister unsicherer denn je: Kritik statt Lob, Tiefschläge statt Traumfußball und viel zu viele Pleiten stehen auf dem Konto des 44-Jährigen, der als Kämpfer in keinster Weise ans Aufgeben denkt. "Ich hatte schon extremere Momente: Drei Monate vor der WM mit der 1:4-Niederlage gegen Italien und am Schluss gab es das Sommermärchen", sagte der unerschütterliche Optimist. Das 4:0 gegen Eintracht Frankfurt bescherte ihm zumindest ein bisschen österlichen Frieden, denn in den Tagen zuvor hatte er mehr Kritik einstecken müssen, als man eigentlich ertragen kann. "Ich bin voll davon überzeugt, dass ich auch im nächsten Jahr Trainer des FC Bayern bin."

Kaum eine Gelegenheit lässt Klinsmann aus, um weiter den Glauben an den Erfolg seines Projekts zu verkünden, das Fußball-Experte Günter Netzer als "gescheitert" ansieht. "Bayern und Klinsmann - es ist ein einziger Irrtum", schrieb Netzer in einer Kolumne der "Bild am Sonntag" und warf dem Coach "Arroganz und Selbstüberschätzung" vor. Klinsmann wies die Kritik im Deutschen Sportfernsehen (DSF) zurück. Netzer schreibe über Dinge, die er gar nicht beurteilen könne, sagte der Bayern-Trainer, räumte aber ein, dass sich er und sein Team in einem "schwierigen Moment" befinden. "Aber ich halte den Kopf dafür hin." Von Resignation ist bei ihm nichts zu vernehmen, stattdessen präsentierte er sich weiterhin kämpferisch. "Wenn wir die nötigen Punkte holen, dann werden wir deutscher Meister", glaubt er.

Klinsmann übernahm ein funktionierendes Team

Anders als im Nationalteam, als er als großer Reformer binnen zwei Jahren aus einem Scherbenhaufen einen WM-Dritten und eine Mannschaft mit Perspektive formte, reibt er sich in der Tagesarbeit des FC Bayern auf. Zumal es beim Rekordmeister bei weitem nicht so viel wie bei der DFB-Auswahl zu reformieren gab, denn Klinsmann übernahm ein funktionierendes Team, das als Double-Gewinner auf die nächste Stufe in Europa geführt werden sollte.

Immer wieder weist Klinsmann auf das neue Leistungszentrum hin, "das in Europa seines gleichen sucht". Auf dem Platz ist die Mannschaft in ihren Leistungen bei weitem nicht mehr so konstant wie vor einem Jahr noch. Fußball-Feste, wie die zwei Kantersiege gegen Lissabon, wechseln sich mit Debakeln wie in Wolfsburg oder Barcelona ab. Der FC Bayern sucht unter Klinsmann nach seiner sportlichen Identität. Ein erhoffter "Hurra-Stil" nach dem pragmatischen Ergebnis-Fußballs - wie zuletzt unter Ottmar Hitzfeld - ist ausgeblieben. Dazu gab es auch noch viele schlechte Ergebnisse.

"Ich hab mich nie als Missionar oder Reformist dargestellt. Die Buddhas an der Säbener Straße hat kein Jürgen Klinsmann mitgebracht, die hat ein Innenarchitekt aufgestellt", verteidigte Klinsmann seine Arbeit. "Ich denke, dass alle im Verein, die unsere tägliche Arbeit sehen, diese auch schätzen." Aber ohne die nötigen Erfolge wird es in dem von ihm erhofften bayerischen Sommermärchen kein Happy End geben.

Christian Kunz und Gerd Münster/DPA

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