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Bundesliga-Formcheck: VfL Wolfsburg: Die Wölfe - hungrig wie nie

Kaufrausch in Wolfsburg: Kein Bundesliga-Team investierte vor Beginn der neuen Saison soviel Geld in neue Spieler wie der VfL - und die Transferperiode läuft noch. Eine Achse macht Mut. Nur der kokettierende Stürmerstar Dzeko könnte zum Problem werden.

Von Daniel Barthold

Was ist neu?
Wolfsburg investierte in der Sommerpause ordentlich. Um die 23 Millionen Euro wurden für neue Spieler ausgegeben. Allein zwölf Millionen Euro kostete der dänische Nationalspieler Simon Kjaer, der vom italienischen Vertreter US Palermo kam. Kjaer soll die Abwehr verstärken. Genauso wie Arne Friedrich, der für zwei Millionen Euro von Absteiger Hertha BSC in die VW-Stadt wechselte. Als Leihgabe verstärkt der Brasilianer Cicero von Fluminense, zuletzt an Hertha ausgeliehen, den Ex-Meister. Die Leihgebühr beträgt 800.000 Euro.

Auch im Sturm wurde bei den Wölfen geklotzt. Trotz Edin Dezeko und Grafite holte der VfL Nassim Ben Khalifa für 1,8 Millionen Euro von den Grasshoppers Zürich und den Klasse-Mann Mario Mandzukic für sieben Millionen Euro vom kroatischen Meister Dinamo Zagreb.

Manager Dieter Hoeneß will aber noch weitere Spieler verpflichten. Das Werben um Diego wurde am Donnerstagnachmittag zwar eingestellt. Mit Ryan Babel vom FC Liverpool steht aber ein weiterer Klasse-Akteur vor der Tür. Nach einem Bericht der englischen Zeitung "Mirror" sind die Gespräche zwischen beiden Klubs über einen Transfer des 23 Jahre alten Offensivspielers weit fortgeschritten. Demnach würden die Reds Babel für rund elf Millionen Euro ziehen lassen. Bei Diego und Juventus Turin war man allerdings schon genauso weit... Auch das Trainergespann ist neu: Steve McClaren unterschrieb als erster englischer Coach in der Bundesliga bei Wolfsburg, Pierre Littbarski ist sein Co-Trainer - und Dolmetscher.

Was ist gut?
Es herrscht Aufbruchstimmung in Wolfsburg. Platz acht in der letzten Saison hat keinen befriedigt. Vor allem Dieter Hoeneß will in seiner ersten kompletten Saison als VfL-Manager viel erreichen. Der Kader hat Klasse: Edin Dzeko bleibt, Misimovic wohl auch, Friedrich, Kjaer, Mandzukic oder Cicero sind gute Neuzugänge. Josué und Torwart Diego Benaglio haben zudem internationale Klasse. Die Offensive gehört bei den Wölfen zur Ligaspitze. Das liest sich sehr passabel. Zudem wird Wolfsburg keine Doppelbelastung durch den Europapokal haben.

Trainer Steve McClaren ist ein erfahrener Coach. Von den englischen Medien gern als "Trottel mit dem Regenschirm" verspottet, weil er im Regen von Wembley mit Englands Nationalelf die Qualifikation zur EM 2008 verpasste, holte er in den Niederlanden mit Twente Enschede vergangene Saison den Meistertitel. In Anbetracht der Tatsache, dass Klubs wie Ajax Amsterdam, die PSV Eindhoven oder Feyenoord Rotterdam größere finanzielle Möglichkeiten haben, ist dieser Erfolg nicht hoch genug einzuschätzen. McClaren ist ein guter Vereinstrainer, mit Middlesbrough stand er 2006 im Uefa-Cup-Finale.

Was ist schlecht?
Die Abwehr. In der vergangenen Saison kassierten die Wölfe 58 Gegentore. Viel zu viel für die eigenen Ambitionen und auch ein Grund für das Scheitern von Ex-Trainer Armin Veh. In der Abwehr müssen Arne Friedrich und Simon Kjaer sofort einschlagen und Verantwortung übernehmen, um endlich für mehr Stabilität zu sorgen.

Abwarten muss man, wie sich die permanenten Abwanderungsgedanken von Edin Dzeko in der neuen Saison auswirken. Beliebter in der Mannschaft hat sich der Angreifer damit sicher nicht gemacht. Keiner weiß, wie es um seine Motivation wirklich steht.

Was ist möglich?
Der VfL Wolfsburg hat großes Potential. Der Kader hat in jedem Bereich seine Führungsspieler: Die Achse Benaglio-Friedrich-Josue-Misimovic-Dzeko verspricht großen Fußball. Im Vergleich zu anderen finanzstarken Klubs scheint hinter Wolfsburgs Transferpolitik ein sinnvolles System zu stecken - auch dank Dieter Hoeneß. Ruft der VfL seine Klasse in der neuen Saison ab, ist mindestens Platz fünf drin.

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