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Bundesliga: Kampf gegen den Absturz

Der Traum von einer erfolgreichen Aufholjagd scheint für den deutschen Fußball-Meister schon geplatzt: Borussia Dortmund verlor zum Rückrundenstart bei Hertha BSC mit 1:2.

Die Bayern-Verfolgung hat Borussia Dortmund erst einmal abgeschrieben - jetzt kämpft der Meister gegen den Absturz. Nach dem verdienten 1:2 zum Rückrunden-Start bei Hertha BSC wenden die BVB-Chefs den Blick nach hinten statt nach vorn: «Du musst sehen, dass du nicht durchgereicht wirst», warnte Trainer Matthias Sammer. «An Meisterschaft brauchst du gar nicht zu denken. Wenn wir weiter solche Fehler machen, werden wir auf Platz zehn oder zwölf landen. Ich weiß nicht, ob wir auch noch in Abstiegsgefahr geraten können», überspitze der Titel-«Macher» von 2002 bewusst die Lage. Auch Manager Michael Meier appelliert nach dem Fehlstart ins Jahr 2003 an sein Personal: «Wir müssen höllisch aufpassen, dass wir nicht in eine Region purzeln, mit der du nicht rechnest.»

Lediglich in den letzten zehn Minuten der unterhaltsamen Partie auf der Großbaustelle Olympiastadion deutete die hoch eingeschätzte Offensiv-Abteilung des BVB praktisch an, wie sich Sammer theoretisch die Aufholjagd vorgestellt hatte: «Mir geht es darum, wieder eine Mannschaft zu präsentieren, die gewillt ist, keinen Fehler zu machen und ein Tor mehr zu schießen als der Gegner.» In Berlin demonstrierte diese Eigenschaft über weite Strecken nur der Gastgeber, dessen beste Saison-Heimleistung mit dem Last-Minute-Tor von «Goldköpfchen» Marcelinho belohnt wurde, nachdem Pal Dardai (69.) schon die Führung besorgt hatte. «Wir haben gezeigt, dass wir wieder da sind und alle Gegner wieder mit einer starken Hertha rechnen können», sagte der ungarische Nationalspieler.

Pleite mit «simplen Fehlern» eingeleitet

Die zwei Hertha-Tore vor der Berliner Saison-Rekordkulisse von 50 547 Fans raubten Sammer jede Lust, über die Titelverteidigung zu sprechen. Der von Gegenspieler Dardai an die Kette gelegte Tomas Rosicky und der eingewechselte Marcio Amoroso leiteten mit «simplen Fehlern» die Pleite ein: «Wir haben im Prinzip beide Tore selbst geschossen», erklärte Sammer. Und auch als Jan Koller mit seinem achten Saisontor einen Amoroso-Freistoß zum zwischenzeitlichen 1:1 einköpfte (80.), verhielten sich die Gäste unglücklich. «Wir waren nach dem Ausgleich dem 2:1 näher als Hertha, hätten aber letztendlich mit einem Punkt zufrieden sein müssen», so Sebastian Kehl, der seinen Bank-Platz erst nach Torsten Frings’ Verletzung verlassen durfte.

«Die Art und Weise, wie wir verloren haben, war sogar gerecht», empfand am Ende BVB-Torhüter Jens Lehmann, der den entscheidenden Kopfball von Hertha-Star Marcelinho nach Eingabe von Michael Preetz nicht verhindern konnte. Die Gastgeber wirkten engagierter, mutiger, demonstrierten jene Tugenden, die ihnen in der Hinrunde gefehlt hatten: Sie nutzten die entscheidenden Situationen zu ihrem Vorteil. «Das gibt Mut für die Zukunft», fand Hertha-Trainer Huub Stevens. «Man hat gesehen, dass es in der Mannschaft stimmt», betonte Manager Dieter Hoeneß in Anspielung auf Berichte, die zuvor von einer schlechten Stimmung und Cliquen-Wirtschaft im Team gesprochen hatten.

Wie schwer der «herbe Rückschlag», wie Kapitän Stefan Reuter die dritte Saison-Niederlage einstufte, zu verkraften sei, werde man in den nächsten Spielen sehen, so Lehmann. «Wir müssen Geschlossenheit zeigen», mahnte Nationalspieler Christoph Metzelder. «Du musst jetzt einfach eine Reaktion sehen», forderte Sammer, auch wenn die nächsten Aufgaben gegen Leverkusen und Stuttgart «kein Pappenstiel» sind, wie Manager Meier unterstrich. Der Optimismus bei den Profis ist zumindest noch nicht ganz verloren gegangen, wie die Bemerkung von Kämpfer Frings in Richtung Bayern bewies: «Ob acht oder neuen Punkte Rückstand - trotzdem geben wir nicht auf.»

Jens Mende / DPA

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