Bundesliga-Kommentar FC Hamburger SV


Das Husarenstück der Hamburger in der "Festung" Allianz-Arena könnte für die vor sich hin dümpelnde Liga so etwas wie ein Startsignal sein. Nur nicht für Hertha BSC Berlin.
Von Klaus Bellstedt

24 Spieltage ist die laufende Saison 2005/2006 alt. Vom Hocker gerissen hat sie uns bis zum vergangenen Wochenende wahrlich nicht: das spielerische Niveau eher mäßig, das Spannungsmoment in Sachen Meisterschaft praktisch nicht vorhanden. Einzig das Gerangel um die Champions-League-Plätze sowie der Abstiegskampf vermochten den Fußballfreund zeitweise aus seiner samstäglichen Lethargie wecken.

Der 4. März 2006 hat sicher nicht alles Vorhandene auf den Kopf gestellt (und wird wohl auch nichts daran ändern, dass der FC Bayern am Saisonende zum 20. Mal Deutscher Meister wird), und trotzdem war der historische HSV-Sieg in der Münchener Allianz-Arena irgendwie eine Art Befreiungsschlag für die Liga. Vom Trainer Thomas Doll glänzend eingestellt, lieferten die Hamburger eine phantastische Leistung ab und schafften das, was ihnen vorher nun wirklich niemand zugetraut hätte. Einen Sieg beim Rekordmeister.

Verfolger haben Blut geleckt

Erstmals gingen die Bayern in ihrer neu erbauten Festung nicht als Sieger vom Platz. Dass das irgendwann mal passieren würde, war klar. Felix Magath gab im Anschluss an die 1:2-Niederlage zu Protokoll, dass er sogar ein bisschen froh sei über den Ausrutscher. Man würde nun endlich eine neue Serie starten können. Was soll er auch sagen?! Vielleicht dass es ihn unglaublich genervt hat, dass seine Mannschaft erstmals auf einen Gegner traf, der selbst dann nicht in Ehrfrucht erstarrte, als die Gastgeber eines ihrer berüchtigten späten Tore erzielten. Er hätte auch sagen können, dass seiner Mannschaft - im krassen Gegensatz zum HSV - die absolute Siegermentalität gefehlt hat.

Die Hamburger haben in München die Flucht nach vorne angetreten und wurden dafür belohnt. Sie könnten damit zum Trendsetter für alle Klubs werden, die gegen scheinbar übermächtige Gegner antreten müssen. Kampf total, Mut, Herz und Leidenschaft zeichnete das Spiel der "Rothosen" in der verschneiten Allianz-Arena aus. Die Bayern hatten dem nur wenig entgegen zu setzen - das überraschte die Experten. Noch grüßt der Rekordmeister zwar mit einem komfortablen Acht-Punkte-Vorsprung von der Tabellenspitze, aber das Verfolgungstrio bestehend aus Werder (1:1 in Leverkusen), dem Team der Stunde Schalke (2:1 bei Hannover 96) und allen voran den Elbstädtern hat zehn Spieltage vor Schluss Blut geleckt.

"Der Klub ist nicht ehrlich"

Und was war an diesem 24. Spieltag noch erwähnenswert? Eigentlich nur noch, dass in der Hauptstadt langsam aber sicher die Lichter ausgehen. Die 2:4-Heimniederlage gegen die "Chaos-Kölner" war für die Hertha das 13. sieglose Pflichtspiel hintereinander. Fünf Niederlagen in Folge kassierte die Mannschaft von Trainer Falko Götz zuletzt. Den Gesetzmäßigkeiten der Szene folgend, müsste so eine Pleiten-Serie Konsequenzen haben. "Mir fehlen die Worte", sagte ein konsternierter Trainer hinterher sichtlich bewegt, "unfassbar, was heute passiert ist. Ich bin nur noch sprachlos." Alles hörte sich so an, als sei da einer mit seinem Latein ziemlich am Ende. Eine bessere Steilvorlage für eine Trainerentlassung kann es für die Verantwortlichen normalerweise nicht geben - könnte man meinen. Und was macht Dieter Hoeneß?

Der mächtige Manager, der sich sonst immer der Presse stellt, schwieg. Es dauerte eine unruhige Nacht, bis er am nächsten Tag die Fassung wieder gefunden hatte. Doch keine Spur von Selbstkritik, Hoeneß reagierte vielmehr wütend. Er werde nicht zulassen, dass eine "kleine Gruppe Fans das Gesamtbild zerstört". Wie kommentierte doch ein Hertha-Anhänger die Situation um seinen Verein nach dem vorläufigen Krisen-Tiefpunktspiel gegen den "1. FC Podolski-Köln" ganz richtig? "Der Klub ist nicht ehrlich". In der Hauptstadt bleiben sie sich treu...


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