Bundesliga Schalke 04 meldet Verlust und Umsatzeinbruch

Sportlich gab's für Schalke 04 am Wochenende den Dämpfer, wirtschaftlich heute: Der hochverschuldete Fußball-Bundesligst ist in die roten Zahlen gerutscht. Aufsichtsratschef Clemens Tönnies wollte denn auch nichts beschönigen.

Der FC Schalke 04 ist im Geschäftsjahr 2009 tief in die roten Zahlen gerutscht. Der Fußball-Bundesligist gab am Mittwoch in Gelsenkirchen einen Verlust von 16,8 Millionen Euro bekannt, nach einem Mini-Überschuss von rund 464 000 Euro ein Jahr zuvor. Der Umsatz brach auf 119 (Vorjahr: 139,2) Millionen Euro ein - das entspricht einem Minus von 14,5 Prozent. Die größten Einnahme- Rückgänge gab es durch fehlende internationalen Spiele in den Bereichen "Mediale Verwertung" (minus 12 Millionen Euro) und dem Ticketing (minus 6,4). Das Vereinsvermögen sank von 47,1 Millionen Euro (2008) auf 30,4 Millionen Euro.

Die Verbindlichkeiten im Verein sanken nur geringfügig auf 135,2 Millionen Euro. Im Gesamt-Konzern stiegen die Schulden jedoch, hauptsächlich verursacht durch die Arena-Finanzierung,um rund 14 auf 248,6 Millionen Euro zum 31. Dezember 2009. "Das Ergebnis ist alles andere als zum Jubeln", gab der Aufsichtsratsvorsitzende Clemens Tönnies zu.

Den alarmierenden Zahlen will der Club mit umfangreichen Umschuldungs- und Umstrukturierungsmaßnahmen begegnen. Erste Schritte wurden gemacht. "Die Richtung stimmt", sagte Tönnies. Geschäftsführer und Finanzvorstand Peter Peters geht davon aus, "dass wir 2010 wieder einen Gewinn erzielen werden". Wichtigstes Ziel der "strategischen Neuausrichtung" sei, die Verbindlichkeiten zu reduzieren. "Die Zeit des Schulden-Machens muss vorbei sein", betonte Peters.

Ein Grund für den Optimismus ist das Erreichen der Champions League mit erwarteten Mehreinnahmen von mindestens 20 Millionen Euro. Zudem befreite sich der Konzern mit seinen 13 Tochtergesellschaften von einer Last. Wie Peters erklärte, wurde die "Schechter-Anleihe" komplett abgelöst. 2002 hatte der US-Banker Stephen Schechter dem Club eine Anleihe über insgesamt 85 Millionen Euro vermittelt. "Es ist uns 2010 gelungen, den Restbetrag von 65 Millionen Euro abzulösen und mit Hilfe einer international tätigen Großbank umzufinanzieren", sagte Peters. Zinsersparnis: zwei Millionen Euro pro Jahr. "Die Fesseln, die uns eingeschränkt haben, sind Geschichte", so Peters.

"Damals hat uns die Anleihe das Leben gerettet, als sich die Banken aus dem Fußball-Geschäft zurückgezogen haben. Aber heute haben wir ein anderes Zinsniveau", erläuterte Tönnies nach intensiven und schwierigen Verhandlungen. Dem Aufsichtsratsboss war es zudem ein Dorn im Auge, dass Schechter sich in die Vereinspolitik einmischen wollte. "So konnte es nicht weitergehen", sagte Tönnies, der trotz des Sparkurses auch weiter in die Mannschaft investieren will. Wie viel Geld im Sommer für neue Spieler da ist, blieb offen.

Wie dringend der Verein Geld brauchte, zeigt der umstrittene 25,5 Millionen-Deal mit der Gesellschaft für Energie und Wirtschaft (GEW). Die hundertprozentige Tochter der Stadt Gelsenkirchen erwarb im Vorjahr für 15 Millionen Euro Anteile an der Veltins-Arena. Zudem gewährte eine Bank einen Kredit über 10 Millionen Euro. So konnte die laufenden Saison durchfinanziert werden. Die GEW ist mit 50 Prozent nun der größte Arena-Anteilsinhaber, Schalke hält 40,7 Prozent.

Um die Einnahmen zu erhöhen, wird der Club in der neuen Saison in einigen Kategorien die Eintrittspreise erhöhen und will so 2,5 Millionen Euro mehr erlösen. Zudem will sich Schalke weiteres Fremdkapital bei den Anhängern holen. Im Sommer wird eine Fan-Anleihe mit einem Emissionsvolumen von 10 Millionen Euro ausgegeben.

Darüber hinaus stehen personelle Veränderungen an. Mit dem Ausscheiden von Josef Schnusenberg als Präsident zum 30. Juni 2010 wird der Verein nur noch von einer Vorstands-Doppelspitze mit Peters und Trainer-Manager Felix Magath geführt. Die Position des 1. Vorsitzenden bleibt unbesetzt, die repräsentativen Aufgaben übernimmt Ex-Präsident Gerd Rehberg, der sein Amt 2007 an Schnusenberg übergeben hatte.

DPA DPA

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