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Bundesliga-Wintertransfers: Powershopper sorgen für Unruhe

Selten zuvor hat es in den letzten Tagen der Winter-Transferperiode so rumort in der Fußball-Bundesliga wie in dieser Saison. Vor allem zwei Clubs mischten den Markt auf - und ein Vereinsboss würde die Wechsel im Winter gleich ganz verbieten.

Wechselfieber im Winterschlussverkauf - in der Fußball-Bundesliga herrschte bis zum Transferende am Montag hektische Betriebsamkeit. Nach Berechnungen der Nachrichtenagentur DPA nahmen die 18 Vereine so viel Geld ein wie nie zuvor in der zweiten Wechselperiode: mehr als 70 Millionen Euro für rund 40 Abgänge. Im Gegenzug besserten die Vereine ihre Kader mit etwa 35 Neuzugängen auf, für die sie knapp 45 Millionen Euro hinblätterten. Im gleichen Vorjahreszeitraum standen 42 Zugängen (13,5 Millionen) 57 Abgänge gegenüber, mit denen gerade einmal 5,5 Millionen Euro erlöst wurden.

Eine Übersicht über die wichtigsten Wechsel - und Möchtegern-Wechsel:

Schalke 04 gehört defintiv zu den Powershoppern. Es scheint so, als habe Trainer Felix Magath angesichts der fortgesetzten sportlichen Flaute Panik befallen. Er holte zunächst den Ghanaer Anthony Annan von Rosenborg Trondheim für 2,5 Millionen Euro. Macht der Einkauf des WM-Teilnehmers auf den ersten Blick Sinn, überraschte der unberechenbarer Schalker Dominator mit zwei Transfers, die niemand auf der Rechnung hatte: Angelos Charisteas, in Nürnberg gescheitert und zuletzt ohne Verein, und der Ex-Bayer Ali Karimi kommen. Auch der Iraner war vereinslos. Ob die beiden arbeits- und erfolglosen Kicker für den Aufschwung sorgen? Fraglich, zumal Schalke mit Ivan Rakitic eine Mittelfeldstütze abgab. Der Kroate geht nach Sevilla, während der bei Magath in Ungnade gefallene Jermaine Jones zu den Blackburn Rovers wechselt. Wie Schalke weiter mitteilte, verlässt auch Besart Ibraimi den Club. Der 24 Jahre alte Mazedonier kam in einem Jahr nur auf zwei Bundesliga-Einsätze und schließt sich dem ukrainischen Erstliga-Aufsteiger PFC Sevastopol an. Immerhin bleibt Jefferson Farfan, der zu Wolfsburg wechseln wollte. Der geplante Ersatz Patrick Ochs (Eintracht Frankfurt) hätte die Lücke wohl kaum gefüllt.

Last-Minute-Coup Helmes

Die Wolfsburger machten zwar bei Farfan dicke Backen, freuen sich aber höchstwahrscheinlich über einen anderen Last-Minute-Coup. Als Ersatz für den in der Winterpause zu Manchester City abgewanderten Torjäger Edin Dzeko holen die Niedersachsen Patrick Helmes. Der Nationalspieler weckte nach phänomenaler Saisonsvorbereitung höchste Erwartungen in Leverkusen, konnte anschließend aber nur selten glänzen und wurde durch leichtere Verletzungen immer wieder zurückgeworfen. Jetzt soll er für rund acht Millionen Euro zum Ex-Meister verkauft werden und dort einen Neuanfang starten. Die offizielle Bestätigung vom Verein steht noch aus.

Die Gelüste der "Wölfe" verunsicherten tagelang die Liga. 35 Millionen kassierte der VfL für Dzeko - also fast achteinhalb Helmes. Doch neben dem Leverkusener gibt es keinen weiteren großen Deal. Der türkische Nationalspieler Tuncay (Stoke City) und der frühere Nürnberger Jan Polak (RSC Anderlecht) sollen kurzfristig das Team verstärken. Als Investitionen in die Zukunft gelten der Südkoreaner Ja-Choel Koo von Jeju United und Yohandry Orozco aus Venezuela.

"Vizemeister" Hoffenheim

Einnahmekönige neben Wolfsburg sind die Hoffenheimer, denen vor allem der Verkauf von Luiz Gustavo an den FC Bayern Geld brachte. 24,1 Millionen Euro nahmen die Kraichgauer ein - und investierten kräftig. Prominentester Neuzugang ist der Niederländer Ryan Babel (FC Liverpool/7,0 Millionen). Vier Millionen kostete Roberto Firmino von Tombense.

Problematisch an der diesjährigen Wechselperiode war, dass die Bundesliga schon vor gut zwei Wochen den Spielbetrieb wieder aufgenommen hatte. So kritisiert nicht nur Frankfurts Vorstandschef Heribert Bruchhagen das Hauen und Stechen um Neueinkäufe während der Meisterschaft. Bruchhagen ist aber besonders drastisch: "Hätte ich das Sagen, gäbe es nur eine Wechselperiode im Sommer."

ben/DPA / DPA

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