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Ausraster des BVB-Trainers: Halten Sie sich zurück, Klopp!

BVB-Coach Jürgen Klopp ist gegenüber Unparteiischen schon mehrfach ausgerastet. Ex-Schiedsrichter Lutz-Michael Fröhlich hat das jetzt scharf kritisiert - zu recht! Trainer haben eine Vorbildfunktion.

Ein Kommentar von Tim Schulze

Stellen Sie sich vor, sie begleiten ihren - sagen wir mal - achtjährigen Sohn zu einem Fußballspiel seiner Mannschaft. Die Jungs geben alles, rennen, foulen, schießen Tore – das volle Programm eben. Es gibt Jubel, Frust und vielleicht sogar Tränen. Und dann stellen sie sich mal vor, dass der Trainer der gegnerischen Mannschaft unentwegt an der Seitenlinie flucht, schreit und den Schiedsrichter anschreit, wenn ihm eine Entscheidung nicht passt. Was würden Sie ihrem Sohn (oder ihrer Tochter) über diesen Trainer sagen? Sie würden ihm mitteilen, dass sich so ein Benehmen nicht gehöre, dass es ziemlich peinlich und stillos sei und er sich um Gottes Willen daran kein Vorbild nehmen soll. So wie er sich an Dortmunds Trainer Jürgen Klopp kein Vorbild nehmen soll, wenn er die Sportschau sieht.

Der ehemalige Schiedsrichter Lutz-Michael Fröhlich hat jetzt Dortmunds Trainer Jürgen Klopp scharf angegriffen: "Auch wenn der Trainer Klopp sich hinterher immer hinstellt und sagt: "Tut mir Leid" (...), am Ende ist es so: es bleibt immer irgendetwas hängen", kritisierte der Abteilungsleiter Schiedsrichter beim DFB in einem Gespräch mit dem Deutschlandradio. "Das Verhalten, was da an den Tag gelegt wird zum Teil, hat so ein aggressives Potenzial, das daraus gewaltsame Exzesse an der Basis durchaus erwachsen können." In der gleichen Sendung kam auch Gerald Bothe zu Wort, seit 14 Jahren Schiedsrichter in Berlin und 2011 mit einem K.o.-Schlag am Kopf schwer verletzt. Er teilt die Einschätzung von Fröhlich: "Was dort (in der Bundesliga – die Red.) passiert, wird gleich 1:1 am nächsten Wochenende umgesetzt."

Millionen sehen die TV-Bilder der Attacke

Um es klar zu sagen: Fröhlich und Bothe haben recht mit ihrer Kritik. Es ist unerträglich, wenn ein Trainer wie Jürgen Klopp an der Seitenlinie permanent Veitstänze vollführt, wie es seine Art ist. Ganz schlimm wird es, wenn der BVB-Coach seine Emotionen gar nicht mehr im Griff hat und den vierten Unparteiischen so angeht, wie zuletzt Ende September in Frankfurt. Da war Klopp mit großer Aggressivität und wutverzerrter Miene auf den Schiedsrichter an der Seitenlinie losgestürmt. Die Bilder der Attacke waren in jedem Wohnzimmer und jeder Kneipe Deutschlands zu sehen. Millionen Kinder, Jugendliche und Amateurfußballer verfolgten zigmal im Detail, wie sich der erfolgreichste und mit Abstand beliebteste Trainer des Landes benahm. Das ist ein Problem.

Da hilft auch der berechtigte Hinweis von BVB-Boss Hans-Joachim Watzke nicht, dass Klopp eine der fairsten Mannschaften der Liga trainiert. Das stimmt zwar. Jürgen Klopp ist, vor und nach dem Abpfiff, einer der intelligentesten und besonnensten Männer der Liga. Er ist ein großer Motivator, ein charismatischer Menschfänger (im Positiven). Er ist jemand, der junge Spieler zu Weltklassefußballer formen kann. Klopp ist, da besteht kein Zweifel, ein guter Pädagoge, der mit seiner Art für seine Spieler ein Vorbild ist. Keine Frage. Das ändert aber nichts an seinem manchmal fragwürdigen Verhalten in den 90 Minuten an der Seitenlinie. Da geht er oft zu weit.

Abgedroschene Argumente helfen nicht weiter

Das abgedroschene Argument, dass solch ein Verhalten der Emotionalität des Augenblicks geschuldet sei, kann man nicht mehr hören. Erwachsene Männer sollten in der Lage sein, sich nicht wie cholerische Kinder zu verhalten. Und nur weil es zahlreiche Trainer in der Bundesliga und in den internationalen Ligen gibt, wie zum Beispiel Superstar José Mourinho, für die Schiedsrichter-Attacken zum Geschäft gehören, ist ein derartiges Verhalten noch lange nicht richtig. Der Druck, unter dem Trainer stehen, ist gewaltig. Doch selbst das darf keine Entschuldigung sein.

Klopp sagt, dass er "geschockt" sei von den Vorwürfen. Vielleicht ist es ja ein heilsamer Schock. Vielleicht hilft die Kritik, das eigene Verhalten aus einem anderen Blickwinkel zu beurteilen. Selbstverständlich trägt einer wie Klopp keine unmittelbare Schuld, wenn es im Amateurbereich immer wieder zu Gewalt an Schiedsrichtern oder wüsten Beschimpfungen kommt. Doch Klopp und seine Kollegen tragen als Stars der Branche eine gewisse Verantwortung. Sie haben eine Vorbildfunktion. Es lohnt sich, darüber nachzudenken.

So sollten wir die Kritik von Fröhlich verstehen.

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