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Bundesliga am Sonntag: Hertha gewinnt Hitzeschlacht von Berlin - RB Leipzig startet mit flottem Remis

Bei Temperaturen an der Grenze des Erträglichen traf die Hertha im Glutofen Olympiastadion auf den SC Freiburg. Entsprechend wird es erst ganz zum Schluss wird es dramatisch. In Sinsheim gibt es zwischen Hoffenheim und Neuling Leipzig keinen Sieger.

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Ganz schön heiß im Olympiastadion von Berlin: Herthas John Anthony Brooks in einer Trinkpause während des Spiels gegen Freiburg

Hertha BSC Berlin - SC Freiburg 2:1 (0:0)

Julian Schieber hat in der Nachspielzeit die Fans von Hertha BSC nach quälend langen 162 Tagen erlöst. Der Stürmer des Berliner Fußball-Bundesligisten sorgte am Sonntag mit seinem Treffer (90.+5 Minute) gegen Aufsteiger SC Freiburg für den ersten Meisterschaftssieg des Hauptstadtclubs seit dem 19. März diesen Jahres. Das 2:1 (0:0) am Sonntag vor 41 648 Fans war zugleich der erste "Dreier" für die Hertha gegen die Breisgauer seit Februar 2010. Vladimir Darida hatte die Gastgeber in Führung gebracht (62.), Nicolas Höfler erzielte in der 2. Minute der Nachspielzeit den zwischenzeitlichen Ausgleich.

Bei schweißtreibenden 34 Grad im Berliner Olympiastadion scheuten beide Team lange Zeit ein hohes Tempo. Der Aufsteiger versuchte, mit vier Neuzugängen und einer von Kapitän Nicolas Höfler zusätzlich verstärkten Fünfer-Abwehrkette die Gastgeber weit vom eigenem Tor fernzuhalten. Mehr als ein Distanzschuss von Peter Pekarik und ein harmloser Versuch von Genki Haraguchi gelang der Hertha zunächst nicht. Die Gäste setzten durch Florian Niederlechner erste Nadelstiche - Herthas Defensive musste immer auf der Hut sein. Schon nach 24 Minuten durften die 22 Akteure zur ersten Trinkpause.

Berlin wollte nach einer "quälend langen Vorbereitung" (Manager Michael Preetz) mit der misslungene Qualifikation für die Europa League und einem mühevolle Weiterkommen in der ersten Pokalrunde beim Drittligisten Regensburg unbedingt den ersten Ligasieg seit Mitte März (2:1 gegen Ingolstadt). Ex-Bayer Mitchell Weiser, der seinen Vertrag kurz vor Saisonstart bis 2020 verlängert hatte, setzte mit einem Distanzschuss das erste Achtungszeichen (30. Minute). Der neue Kapitän Vedad Ibisevic traf den Ball nicht richtig (35.).

Bundesliga: Hertha erhöht erst nach der Pause das Risiko

Die Gastgeber, bei denen Neuzugang Ondrej Duda (Knieverletzung) fehlte, der junge Liverpool-Leihgabe Allan (19) auf der Bank saß und der Ex-Augsburger Alexander Esswein eingewechselt wurde, übernahmen die Kontrolle über die Partie. Allerdings fehlten dem Berliner Spiel zunächst noch Tempo und Präzision. So kam Vincenco Grifo zur besten Chance, der Freiburger zögerte aber nach einem Konter zu lange, Hertha-Verteidiger Peter Pekarik konnte klären (38.). Der Sportclub musste in Berlin ohne die verletzten Marc Oliver Kempf, Marc Torrejón und Mike Frantz auskommen.

Nach der Pause erhöhte Hertha das Risiko - und kam zu guten Gelegenheiten. Nach einem schönen Spielzug über Weiser und Haraguchi wurde Darida noch in letzter Sekunde gestoppt (54.). Ein Rettungs-Kopfball von SC-Kapitän Höfler landete an der Latte.
Schließlich schloss Spielmacher Darida eine Kombination über Haraguchi und Ibisevic mit einem satten 16-Meter-Schuss ins rechte unter Ecke ab.

Der Sportclub verstärkte danach seine Offensiv-Bemühungen und schoss mehrmals gefährlich aus der zweiten Reihe. Grifo (69.) hätte den Gästen beinahe noch den Ausgleich beschert. Doch sein Schlenzer verfehlte das Berliner Tor knapp. Doch dann köpfte Höfler zum Ausgleich ein. Für einen Punkt reichte es aber nicht, weil Schieber noch antworten konnte. So verloren die Freiburger nach zwei Siegen und vier Remis nacheinander erstmals seit sechseinhalb Jahren wieder gegen Hertha.

1899 Hoffenheim - RB Leipzig 2:2 (0:0)

Bei der Rückkehr an die alte Wirkungsstätte hat Sportdirektor Ralf Rangnick mit RB Leipzig eine gelungene Premiere im Fußball-Oberhaus erlebt. Im ersten Bundesligaspiel der Vereinsgeschichte holten die Sachsen am Sonntag dank einer überzeugenden Vorstellung bei der einst von Rangnick betreuten TSG 1899 Hoffenheim ein verdientes 2:2 (0:0). Vor 24.188 Zuschauern erzielten Lukas Rupp in der 55. Minute und Mark Uth (83.) die Tore für die Hausherren. Dominik Kaiser (58.) und Marcel Sabitzer (90.) trafen für die Gäste.

Von wegen Sommerfußball, dachten sich beide Teams, und legten ungeachtet von Temperaturen um die 30 Grad schwungvoll los. Schon in der ersten Minute musste RB-Torwart Peter Gulacsi zweimal retten: Erst gegen den durchgebrochenen Uth, dann gegen den Nachschuss von Sebastian Rudy. Der Neuling zeigte sich jedoch nicht beeindruckt und kam ebenfalls schnell zu Chancen. Marcel Sabitzer (4.) scheiterte an TSG-Keeper Oliver Baumann, der auch gegen Kaiser (12.) die Oberhand behielt.

Der Neuling aus Leipzig, der kurz vor dem Anpfiff noch den Brasilianer Bernardo für fünf Jahre von Red Bull Salzburg verpflichtete, zeigte keine Scheu und spielte munter nach vorn. Hoffenheim war in der Defensive mehr gefordert als erwartet und zeigte sich durchaus anfällig.

Bundesliga: Olympia-Star Niklas Süle mit Fehler

So auch nach einer halben Stunde, als Yussuf Poulsen frei zum Kopfball kam. Doch wieder reagierte Baumann prächtig. Und auch Kaiser (34.) brachte den Ball mit einem Schlenzer nicht im Netz unter. TSG-Verteidiger Niklas Süle, der erst zu Wochenbeginn mit Silber von den Olympischen Spielen aus Rio heimgekehrt war, hatte das Leder im eigenen Strafraum vertändelt.

Von den Hausherren war offensiv wenig zu sehen. Das Pausen-Remis war äußerst schmeichelhaft und einzig dem gut aufgelegten Baumann zu verdanken. Rangnick, der die TSG von 2006 bis 2011 trainiert und 2008 in die Bundesliga geführt hatte, raufte sich angesichts der Leipziger Abschlussschwäche ein ums andere Mal die Haare.

Und es kam noch schlimmer. Zehn Minuten nach Wiederbeginn lag der Aufsteiger plötzlich hinten. Nach einer zu kurz abgewehrten Ecke hämmerte der im Sommer vom Absteiger VfB Stuttgart verpflichtete Rupp den Ball aus rund 20 Metern ins Eck. Doch die Antwort des kecken Neulings ließ nicht lange auf sich warten. Ausgerechnet RB-Kapitän Kaiser, der sich einst in Hoffenheim nicht durchsetzen konnte und vor Wochenfrist beim Pokal-Aus in Dresden den entscheidenden Elfmeter verschossen hatte, traf per Direktabnahme zum Ausgleich.

Mit zunehmender Spielzeit mussten beide Teams dem hohen Tempo Tribut zollen. Das Geschehen spielte sich jetzt weitgehend zwischen den Strafräumen ab, weil es an der nötigen Präzision im Passspiel mangelte. Sieben Minuten vor dem Ende schloss Uth einen Konter eiskalt zur erneuten Hoffenheimer Führung ab. Doch der Neuling schlug noch einmal zurück. Sabitzer erzielte den umjubelten Ausgleich und machte damit auch Rangnick froh. 

tim / DPA

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