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Bundesliga im stern-check: Warum Thomas Müller zum Problem für die Bayern wird

Die Bayern gewinnen wieder nicht - auch, weil Thomas Müller und das System Ancelotti derzeit nicht zusammenpassen. Dafür trifft für Bremen einer, dem man es wirklich gönnt. Der Spieltag im stern-check.

Angeschlagen: Thomas Müller

Angeschlagen: Thomas Müller

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Dieses Tor sollten Sie (nochmal) sehen

Es war nicht nur ein schöner Treffer, sondern auch ein historischer: Als Schalkes Nabil Bentaleb aus 17 Metern gegen Augsburg aufs Tor hämmerte, prallte der Ball erst an der Latte ab und sprang dann nach unten. Ob Tor oder nicht, konnte Schiri Tobias Stieler zum ersten Mal in der Bundesliga-Geschichte mit technischen Hilfsmitteln entscheiden: Kurz wartete der Referee und sah auf seine Uhr, bis dort ein bestätigendes "Goal" erschien. Dann pfiff Stieler den Treffer. Es war eine sehenswerte Hawk-Eye-Premiere.

Verlierer des Tages

... ist der Elfmeter, denn so häufig wurde er an diesem Wochenende verteilt und verschossen, dass es fast einer Wertminderung gleich kommt. Den Anfang machte spektakulär am Freitagabend Pierre-Emerick Aubameyang, und weil es so schön war, schlossen sich die Gladbacher André Hahn und Lars Stindl am Samstag gleich an. Als der Leipziger Emil Forsberg im letzten Spiel gegen Wolfsburg am Sonntagabend seinen Ball am Tor vorbeischob, war es der zehnte Strafstoß des Bundesliga-Spieltages - und der fünfte verschossene. Noch nie in der Geschichte der Bundesliga haben Elfmeterschützen an einem Wochenende so schlecht gezielt.

Gewinner des Tages

Diese Geschichte klingt fast zu schön, um wahr zu sein: Vor zwei Jahren kam Ousman Manneh als Flüchtling aus Gambia nach Deutschland, in dieser Saison holte Werders Coach Nouri ihn aus dem Bremer Reserveteam zu den Profis. Hier setzte er im Sturm fast notgedrungen auf den 19-Jährigen, Claudio Pizarro und Max Kruse sind noch immer verletzt. Im Spiel gegen Leverkusen traf Manneh in der 59. Minute zum wichtigen 2:1 seines Teams, es war im vierten Bundesliga-Einsatz sein erstes Tor. "Habe ich wirklich ein Tor geschossen? Es ist, als würde ein Traum wahr", sagte er nach dem Spiel fassungslos. Über seine Flucht will Manneh nicht sprechen, er hofft, Abstand gewinnen und seine Mutter und Schwestern bald an seine Seite holen zu können. Er selbst scheint jedenfalls endgültig angekommen in seinem neuen Leben.

Aufreger des Tages

Die Bayern haben nicht gewonnen - schon wieder! Und nicht nur das: Sie haben auch noch richtig schlecht gespielt. Man fühlte sich fast ins Jahr 2008 unter Jürgen Klinsmann zurückversetzt. Die Spieler übten Selbstkritik und Rummenigge motzte auch nach langer Zeit mal wieder richtig rum. Woran es liegt? Schwer zu sagen. Auffällig ist jedenfalls, dass einer in dieser Saison noch so gar nicht angekommen ist, und zwar ausgerechnet derjenige, der eigentlich immer auf dem Platz stehen sollte: Thomas Müller, der als hängende Spitze immer mal ein Körperteil so in den Kampf werfen kann, dass er trifft, wirkt im 4-3-3-System Ancelottis bisher fehl am Platz. Sowohl auf Rechtsaußen als auch als Sturmspitze wie gegen Frankfurt wirkte Müller verloren. In der Nationalelf spielt er zwar auch mal rechts, aber da rochiert er auch viel mit Mesut Özil im Zentrum. Und so ist eine These der Saison bislang: Müller ist dann Weltklasse, wenn er ein wenig hinter der Spitze spielt und einfach mal im Strafraum wuseln kann, während andere die Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Müller ganz rechts außen ist verschenkt. Da Ancelotti von seinem geliebten System aber wohl kaum abweichen wird, könnte gerade Müllers Stärke zu einem großen Problem für die Bayern werden. Weil er sie nicht ausspielen kann oder darf.

Bild des Tages

Emotionale Szene am Rand des Spiels der Bayern gegen Frankfurt: Als der an Krebs erkrankte Eintracht-Kapitän Marco Russ seiner Mannschaft vor der Partie vom Spielfeldrand aus beim Aufwärmen zusah, kamen die Bayern-Spieler Rafinha und Mats Hummels auf ihn zu und umarmten ihn. Bei Russ war im Mai dieses Jahres Hodenkrebs festgestellt worden, er hat bereits zwei Chemotherapien hinter sich. Er hofft, in der Rückrunde wieder auflaufen zu können.

car/feh

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