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stern-Check: Warum wir in der Bundesliga ernsthaft über brasilianische Verhältnisse nachdenken sollten

Der FC Bayern dominiert weiter, verliert aber im dritten Ligaspiel den dritten Spieler verletzt. Uli Hoeneß schießt zwar mit seiner Kritik übers Ziel hinaus, hat aber in einer Sache recht.

Bayerns Rafinha liegt nach einem Foul von Leverkusens Bellarabi (nicht im Bild) am Boden

Bayerns Rafinha liegt nach einem Foul von Leverkusens Bellarabi (nicht im Bild) am Boden

DPA

So liefen die Spiele

Alle Ergebnisse des 1. Spieltages, die Tabelle und Highlights zum Nachlesen finden Sie hier im stern-Ticker.

Aufreger des Spieltages

Der FC Bayern legt zwar einen Topstart hin, doch nach drei Siegen sind bereits drei Spieler längerfristig verletzt. Nach Coman im Auftaktspiel traf es dieses Mal Tolisso und Rafinha, letzteren nach einem groben Foulspiel. Bereits Coman hatte es nach einer Grätsche erwischt, auch Tolisso (Kreuzbandriss) im Zweikampf. Zwar wird sich oft und zurecht beschwert, die Bayern-Gegner gingen mit zu wenig Kampfgeist in die Spiele gegen den Rekordmeister - so war das allerdings nicht gemeint. Uli Hoeneß' "Geisteskrank"-Attacke auf Bellarabi war zwar - wie beim Bayern-Präsidenten nicht unüblich - weit übers Ziel hinaus geschossen. Im Kern hat er aber recht, wenn er drei Monate Sperre für den Rotsünder fordert. Denn: Der von ihm umgeholzte Rafinha wird mit einem Innenband-Teilriss mit Pech ähnlich lange ausfallen. Vielleicht wäre es Zeit, sich ein Beispiel an der brasilianischen Liga zu nehmen. Dort brach ein Spieler im März mit einer rüden Attacke seinem Gegner das Bein. Der Verband sperrte ihn kurzerhand so lange, bis sein Opfer wieder trainieren kann.

Die Strafe daran zu bemessen, wie lange man den Gegner außer Gefecht setzt, ist natürlich keine Option für jeden Platzverweis, übrigens auch in Brasilien nicht. Dort sollte in dem speziellen Fall ob der Schwere des Fouls ein Exempel statuiert werden. Bei Bellarabi könnte der Verband dieses Zeichen auch setzen. Denn zum einen war sein Foul brutal und vor allem dämlich. Zum anderen wird den übermächtigen Bayern ganz offensichtlich zunehmend auf die Knochen gestiegen. Da darf man schützend eingreifen. 

Der Video-Schiedsrichter sitzt vor vier Monitoren auf denen Fußball läuft

Dieses Tor sollten Sie (noch mal) sehen

Breel Embolo hat gegen Gladbach mal einen richtig schönen Strahl ausgepackt. Aus rund 20 Metern nagelte er das Leder wuchtig und schlicht unhaltbar in den Giebel. Einziges Problem: Es lief bereits die 93. Minute, der Anschlusstreffer zum 1:2 kam zu spät, das Spiel ging verloren. Herrlich anzuschauen war's trotzdem. Und wo wir gerade bei Toren sind, ein Funfact am Rande: Alle 18 Mannschaften haben diesen Spieltag mindestens eines geschossen, kein Spiel endete zu Null.

Schalkes Breel Embolo trifft zum 1:2-Anschlusstreffer gegen Gladbach

Schalkes Breel Embolo trifft zum 1:2-Anschlusstreffer gegen Gladbach

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Gewinner des Spieltages

Matthias Ginter hatte eine für ihn sehr erfreuliche Länderspielpause, spielte beide Partien für Deutschland von Anfang an und machte seine Sache dabei durchaus ordentlich. Als Rechtsverteidiger scheint er ob der Neuberufung von Joshua Kimmich ins defensive Mittelfeld auch langfristig die Chance auf einen Stammplatz zu haben. Als wäre das nicht schon genug, erzielte Ginter dann am Samstagabend gegen Schalke auch noch nach drei Minuten das 1:0. Am Ende siegte Gladbach 2:1. Läuft bei ihm.

Verlierer des Spieltages

Ganz anders sah das am Samstag bei einem Kameramann in Wolfsburg aus. Der zu bemitleidende Herr bekam bereits nach vier Minuten einen Distanzschuss des Wölfe-Linksverteidigers Jerome Roussillon mit voller Wucht an den Kopf geknallt. Zunächst wurde er minutenlang hinter dem Tor behandelt, dann brachten ihn Sanitäter aus dem Stadion. Suboptimaler Arbeitstag!

Bild des Tages

Düsseldorf-Coach Friedhelm Funkel (r.) feiert den überraschenden Sieg über Hoffenheim

Düsseldorf-Coach Friedhelm Funkel (r.) feiert den überraschenden Sieg über Hoffenheim

Getty Images

Friedhelm Funkel hatte die Bundesliga vor acht Jahren hinter sich gelassen, seine größeren Erfolge ohnehin immer in Liga zwei gefeiert. Dennoch ist der 64-Jährige ein überdurchschnittlich bekannter Vertreter seiner Zunft. Schließlich trainiert er bereits seit bald 30 Jahren in einer der beiden Bundesligen. Entsprechend herzerwärmend war es, den Fortuna-Coach am Samstag nach Schlusspfiff gegen Hoffenheim euphorisch die Hände in die Höhe reißen zu sehen. Nach achtjähriger Abstinenz wieder ein Sieg in der ersten Liga, noch dazu gegen einen Champions-League-Teilnehmer. Hut ab, Herr Funkel.

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