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Kommentar

Bundesliga-Debatte: Fair Play ist tot - und die Spieler sind selbst schuld

"Wir beerdigen an diesem Wochenende den Fair-Play-Gedanken", hat Kölns Manager Jörg Schmadtke gesagt. An diesem Wochenende? Ein guter Umgang miteinander wird in der Bundesliga schon viel länger nicht mehr gepflegt.

Bundesliga: Leverkusens foult Wolfsburgs Dante

Bundesliga am Wochenende: Leverkusens Chicharito foult im Zweikampf Wolfsburgs Dante, der danach verletzt liegenbleibt - während Chicharito das 2:0 erzielt

Leverkusen und Hoffenheim bescheren dem Bundesliga-Sender "Sky" regelmäßig katastrophale Quoten, manchmal schauen sogar genau 0,00 Millionen Fußballfans zu. Vielleicht sollten sich die Vereine mal von PR-Experten beraten lassen, denn mit einem Verhalten wie am Wochenende werden sie garantiert keine neuen Fans gewinnen. Sowohl Bayer gegen Wolfsburg als auch die TSG gegen Köln erzielten wichtige Tore in Situationen, in denen sie eigentlich den Ball hätten ins Aus spielen müssen - weil ein gegnerischer Spieler sich verletzt am Boden wälzte.

So besagt es eines der ältesten Gesetze, das auf allen Fußballplätzen dieser Welt gilt. Fans von zurückliegenden Mannschaften, die im Gefoulten einen Schauspieler vermuten, kann das schon mal zur Weißglut treiben. Trotzdem gibt es zur ehrenwerten Sitte keine Alternative. Oder? Nach dem späten Hoffenheimer Ausgleich fühlten sich die Kölner jedenfalls betrogen. "Ich werde meinen Jungs und auch den Kollegen vor dem Spiel sagen, dass wir den Ball nicht mehr ins Aus spielen", so Trainer Peter Stöger. Manager Jörg Schmadtke sah den Fairplay-Gedanken gar endgültig begraben.

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Bundesliga-Spiele muten an wie Aufführungen am Provinztheater

Das ist er allerdings schon länger, nicht erst seit den Ereignissen des Wochenendes. Die Fallsucht grassiert in der Liga, die theatralischen Einlagen erreichen bisweilen südamerikanisches Niveau (die technischen Einlagen leider nicht). Die hiesigen Schiedsrichter, die aus unerklärlichen Gründen (allerdings auch nur von deutschen Medien) gerne zu den besten der Welt gezählt werden, sind ob der gerissenen Betrugsversuche heillos überfordert. Diese unselige Gemengelage führt dazu, dass viele Bundesligaspiele inzwischen anmuten wie die neueste Aufführung am Provinztheater.

Die Spieler sind also nicht nur selbst schuld an der Misere mit der Fairness - sie sind auch die einzigen Beteiligten, die etwas daran ändern könnten. Wollen sie aber offenbar nicht. Sie halten ihr Gebaren für clever, sind aber vor allem dreist. Hoffenheims Sebastian Rudy lehnte sich nach dem Spiel besonders weit aus dem Fenster, als er sagte: "Man muss nicht jeden Ball ins Aus spielen." Und: "Das war Glück für uns und Pech für Köln." Was er vergessen hat zu erwähnen: Noch mehr als Glück oder Pech war es eine asoziale Aktion der Hoffenheimer, die aber auch nach dem Spiel zu keinerlei Ehrlichkeit bereit waren. In Sinsheim sollten sie bloß hoffen, dass sich diese Art von "Glück" im Abstiegskampf nicht noch gegen den Verein wendet.

Auf die Einsicht der Profis sollte kein Fan bauen

Ein Ende der unfairen Entwicklung ist also nicht in Sicht, auf die Einsicht erfolgsorientierter Profis sollte kein Fan bauen. Was tun? Nun, die Liga könnte strenger durchgreifen. Zum Beispiel: Jeder Spieler, wegen dessen "Verletzung" das Spiel unterbrochen wird, muss anschließend fünf Minuten draußen am Spielfeldrand warten, ehe er wieder zurück auf den Platz darf. Allerdings reicht schon ein Blick auf die zähe Debatte um den Videobeweis, wie dynamisch solche Reformen hierzulande umgesetzt werden - wenn überhaupt.

Und die Fans? Könnten den Blick von der ohnehin mäßig spannenden Bundesliga abwenden - in Richtung der Länder, in denen es fairer zugeht. In der robusten Premier League in England sind Schwalbenkönige umgehend untendurch. Wer das Fair Play so definiert wie Leverkusen oder Hoffenheim, ist auf der Insel chancenlos - ungefähr so chancenlos wie die meisten deutschen Klubs in der Europa League, wo sie seit Jahren überwiegend mit peinlichen Leistungen auffallen.

Vielleicht vertragen sie die internationale Härte nicht.

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