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Kommentar

Hitziges Spitzenspiel: Tuchels Foul-Debatte hat dem BVB geschadet

Der BVB tut sich in einem emotionalen Spiel gegen Hertha BSC Berlin sehr schwer und muss am Ende froh über ein Unentschieden im eigenen Stadion sein. Thomas Tuchel hat seinen Dortmundern mit der Beschwerde über die zu hart spielende Konkurrenz keinen Gefallen getan.

Thomas Tuchel BVB

Thomas Tuchel im Zwiegespräch mit Schiedsrichter Patrick Ittrich während des Spiels zwischen dem BVB und Hertha BSC

Beim Bundesliga-Spitzenspiel am Freitagabend trafen mit Borussia Dortmund und Hertha BSC Berlin nicht nur zwei der besten Teams aufeinander, sondern auch die beiden fairsten. Letzteres konnte man angesichts des hitzigen Geschehens auf dem Platz allerdings kaum glauben: 34 Fouls, sechs Gelbe und zwei Rote Karten - es ging hart und streckenweise unsportlich zur Sache. Tiefpunkt: Die theatralische Einlage von Hertha-Verteidiger Sebastian Langkamp, die zum Platzverweis für Dortmunds Emre Mor führte.

Die emotionale Begegnung war eine logische Konsequenz des Vorgeplänkels, das von BVB-Trainer Thomas Tuchel ausgegangen war, als er sich nach der Niederlage in Leverkusen über die zu hart spielende Bayer-Elf beschwerte. Hertha-Coach Pal Dardai hatte diese Vorlage dankend angenommen und die Aussagen seines Kollegen als "sehr grenzwertig" beschrieben. Fußball sei schließlich Männersport, so der Ungar.

BVB: "Bei jedem Foul sind alle ausgeflippt"

Das Aufeinandertreffen der beiden Mannschaften im Signal-Iduna-Park hat nun deutlich gezeigt, dass Tuchel nicht nur ein unnötiges Fass aufgemacht hat - sondern dass er seinem Team damit kurzfristig auch geschadet hat. "Es war unglaublich hitzig", sagte Hertha-Spieler Niklas Stark nach dem Spiel. "Bei jedem Foul sind alle ausgeflippt." Der defensiv sehr sicher stehenden Hertha spielte das in die Karten.

Dortmund entwickelte dagegen über weite Strecken keinerlei Durchschlagskraft und sicherte sich erst spät das Unentschieden in einem Spiel, das es unter "normalen" Bedingungen wohl gewonnen hätten - zumindest lässt das Chancenfeuerwerk, das sie nach der Berliner Führung durch Stocker abbrannten, darauf schließen.

Die besten Spieler sind auch immer die meistgefoulten

Der BVB sollte sich ab sofort wieder auf sich konzentrieren. Eine echte Spitzenmannschaft hat es nicht nötig, sich über die Spielweise des Gegners zu beklagen. Schließlich gilt im Fußball seit jeher: Die besten Spieler sind auch immer die meistgefoulten - man frage nur nach bei Maradona oder (dem brasilianischen) Ronaldo.

Darüber hinaus beherrscht Tuchel die taktischen Fähigkeiten, gegen jeden noch so ungemütlichen Gegner eine spielerische Lösung zu finden. Weil er einer der besten deutschen Trainer ist. Aber die Nebenschauplätze sollte er denen überlassen, die es nötiger haben, vom eigenen Spiel abzulenken.

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