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Burgfrieden beim DFB: Das Wort zum Sonntag

Der Deutsche Fußball-Bund lässt Teammanager Oliver Bierhoff im Vertragsstreit auf einer Pressekonferenz zu Kreuze kriechen, und Präsident Theo Zwanziger bekennt sich zu Bundestrainer Löw. Und dennoch: Die Wurzel des Konflikts bleibt weiter im Unklaren. Oder etwa doch nicht?

Ein Kommentar von Stefan Osterhaus

Nein, einen Maulwurfbeauftragten wolle man im DFB nicht installieren, sagte Generalsekretär Wolfgang Niersbach in einer Pressekonferenz, die von der ersten bis zur letzten Minute eine Farce war. Der DFB hatte die zerstrittenen Vertragsparteien an einen Tisch gezerrt, Manager Oliver Bierhoff, Bundestrainer Joachim Löw, DFB-Chef Theo Zwanziger und eben Niersbach bedauerten den Fortgang der Dinge und gaben sich mit aller Verbissenheit zweckoptimistisch. Doch in der Sache hat sich nichts getan. Der DFB hat sich keinen Millimeter bewegt: Bierhoff und Löw bleiben bis zur WM. Danach wird man weitersehen.

Wer hat Interesse an Indiskretionen?

Die Inszenierung war ohne Zweifel eindrucksvoll. Alle krochen mehr oder weniger zu Kreuze und zeigten sich einsichtig - mit Ausnahme von Joachim Löw, der nicht den Eindruck erweckte, als müsse er sich viel vorwerfen. Bierhoff glaubt, dass seine "Art und Weise der Präsentation die Falsche war, die zur Verletzungen von Gefühlen geführt hat." Er könne verstehen, wenn eine "Verwunderung und Verärgerung entsteht, wenn der kommt mit dem Papier". Zwanziger erklärte die Angelegenheit zur Staatsangelegenheit: "Es geht um den deutschen Fußball. Keiner hat das Recht, den Millionen Fans ein Szenario zu liefern, dass die Mannschaft sich aus der Verantwortung stiehlt." Erfolg sei nur mit Löw machbar, alle anderen - Zwanziger selbst inklusive - seien austauschbar. Bierhoff wird sich seinen Teil gedacht haben.

Bierhoff und vor allem Löw bleiben also auf Bewährung. Doch die Wurzel des Konflikts bleibt weiter im Unklaren. Noch immer fragen sich Kommentatoren mit dem Eifer von Kriminologen, wer ein Interesse an der Indiskretion gehabt haben könnte, die die Forderungen des Trainerteams samt Manager nach Außen dringen ließ. Zur Opposition zählen die "Ermittler" vor allem Niersbach. Wäre es so, dann hätte es einleuchtende Gründe. Früher hatte der Generalsekretär ein weites Aufgabenfeld. Dazu zählten die Nationalelf und die Bundesliga. Die Liga ist für ihn durch die Schaffung der Deutschen Fußball-Liga DFL weggefallen. Konflikte mit Niersbach wären nach dieser Lesart programmiert, wenn Bierhoff mitbestimmen will, zum Beispiel bei der Wahl des Bundestrainers.

Bierhoff ist ein Organisator

Bisher ist Bierhoff vor allem ein Organisator. Hotels, Termine, Werbung und das Image des Nationalteams, das ist sein Tätigkeitsfeld. Aber er trifft keine sportlichen Entscheidungen. Als der Bundestrainer noch Jürgen Klinsmann hieß und in Kalifornien residierte, war es sicher nötig, einen Mann des Vertrauens in Deutschland zu haben. Doch Bierhoff bleib auch unter Löw im Amt - der Job sorgte stets für Argwohn wie auch seine Teilhabe an der Agentur "projekt b". Die "Westdeutsche Allgemeine" konstatierte einst: "Das Netzwerk von Bierhoff mit 'projekt b' ist weit geknüpft. Die Agentur führt als Referenzen seine aktuellen oder ehemaligen 'Privat-Sponsoren' wie Postbank, IWC oder Nike auf. Weitere große Namen wie Mercedes-Benz, Bayern München, Borussia Dortmund sind aufgeführt. Klienten, die vermarktet werden, sind neben Bierhoff auch Dortmunds Trainer Jürgen Klopp."

Am Dienstag sah sich Bierhoff genötigt, sein Verhältnis zu "projekt b" zu definieren: Er arbeite dort nicht, ein Geschäftsführer erledige das. Doch den Zweifel, wie es um die Unabhängigkeit des gewiss schon jetzt nicht unterbezahlten Managers bestellt ist, konnte er nicht zerstreuen. Wolfgang Niersbach wirkte dagegen am Dienstag auf der vermeintlichen Schmuse-Pressekonferenz viel optimistischer, als er das Dilemma betrachtete: "Da kommt der Deckel drauf." Es klang wie das Wort zum Sonntag.

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