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0:2-Pleite gegen Real Madrid: Ronaldo in der Krise? Schalke in der Krise!

Debakel verhindert, Überraschung verpasst: Schalke verliert gegen Real Madrid "nur" 0:2, das Aus in der Champions League ist so gut wie sicher. International bleibt Schalke zweitklassig.

Von Tim Schulze

Vor dem Anpfiff war der frühere Schalker und Weltmeister von 1990, Olaf Thon, sichtlich bemüht, Zweckoptimismus auszustrahlen. "Ein Wunder ist möglich", sagte Thon froh gelaunt in das Mikrofon des Bezahlsenders Sky. Nach dem Abpfiff des Hinspiels im Champions-League-Achtelfinale gegen Real Madrid wird Thon zu einer anderen Erkenntnis gekommen sein. Für Schalke reicht es auf höchstem internationalem Niveau noch lange nicht für ein "Wunder". Die 0:2-Niederlage war zwar kein Debakel wie das 1:6 vor einem Jahr oder das 0:5 in der Gruppenphase gegen Chelsea, aber eine echte Chance hatten die Königsblauen in diesem Spiel nie. Damit dürfte das dritte Aus im Achtelfinale der Königsklasse in Folge besiegelt sein.

Schalke-Coach Roberto Di Mateo kommentierte die Niederlage sachlich: "Die Qualität hat den Unterschied gemacht." Das ist angesichts der Machtverhältnisse in der Champions League eine Binsenweisheit, aber was soll ein Trainer auch sagen? Es waren vor dem Spiel nur kühne Optimisten, die sich eine Chance ausgerechnet hatten, nachdem Real und seinem Superstar Cristiano Ronaldo eine Krise angedichtet worden war.

Von Krise bei Real keine Spur

Wie groß der Klassenunterschied tatsächlich ist, zeigte gerade Ronaldo. Der Mann, der angeblich außer Form sein soll, weil er gerade mal drei Spiele hintereinander nicht getroffen hatte in der spanischen Liga, köpfte freistehend das 1:0 nach 26. Minuten. Dennis Aogo hatte zuvor Daniel Carvajal unbedrängt flanken lassen und Joel Matip stand viel zu weit weg vom Superstar. Da waren die Verhältnisse nach einer starken Anfangsphase der Gastgeber schnell gerade gerückt. Vor dem Treffer zum 2:0-Endstand ließ Ronaldo zwei Schalker (Uchida und Höger) stehen und legte für Marcelo auf, der mit einem Traumtor in den Winkel vollendete.

Dabei sah das Schalker Spiel bis zum Gegentreffer ganz passabel aus. Mit taktischer Disziplin und viel Körpereinsatz ließen sie die Spanier zunächst nicht ins Spiel kommen. Toni Kroos und seine Teamkollegen waren von dem engagierten Einsatz sichtlich genervt. Die Kehrseite der Medaille war, dass Schalke zu viele technische Fehler und Fehlpässe in der Offensive produzierte - und Pech hatte: Klaas-Jan Huntelaar fiel nach einer halben Stunde verletzt aus. Der Niederländer hatte einen Schlag auf das Schienbein bekommen und humpelte vom Feld. Huntelaar wurde sofort zur MRT-Untersuchung ins Krankenhaus gefahren. Dort stellten die Ärzte - zum Glück - nur eine starke Prellung fest.

Sein Ausfall und das erste Gegentor bewirkten einen Bruch im Spiel der Gastgeber, Real übernahm das Kommando. Mit Julian Draxler, Jefferson Farfan und Leon Goretzka fehlte ohnehin schon die halbe Offensivabteilung. Für Huntelaar kam der 19-jährige Felix Platte. Fast hätte der U19-Spieler ein kleines Fußballmärchen geschrieben. Sein mutiger Schuss in der 74. Minute knallte leider nur an die Latte. Es wäre zu diesem Zeitpunkt der Ausgleich gewesen. Doch für Märchen war an diesem Abend kein Platz. Kurz danach fiel das 2:0 durch Marcelo.

Großer Abend für Keeper Wellenreuther

Noch ein Schalker Nachwuchstalent erlebte trotz der Niederlage einen gelungenen Abend. Der erst 19-jährige Timon Wellenreuther hüttete wie schon bei drei Bundesliga-Partien zuvor das Tor. Er ist der dritte Torwart der Gelsenkirchener. Wellenreuther parierte bei seiner Champions-League-Premiere gegen die Weltauswahl einen Freistoß von Ronaldo und zeigte starke Paraden. "Es war ein großer Augenblick für mich, aber ich hätte lieber zu Null gespielt, als zwei Gegentore zu bekommen", sagte er.

Zum Trost ergatterte Wellenreuther nach der Partie das Trikot von Real-Keeper Iker Casillas, seinem großen Idol. Er dürfte nach seinen Auftritten in der Bundesliga und in der Champions League Chancen haben, auch im Rückspiel in drei Wochen im Bernabeu-Stadion zwischen den Pfosten zu stehen. Dann wird es für die Königsblauen darum gehen, ohne größere Abreibung davon zukommen. "Wir fahren aber nicht mit vollen Hosen nach Madrid", gab Boss Tönnies schon mal als Losung aus.

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