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Champions League: "Werden gegen Barcelona bestehen"

Es ist das Topspiel zum Auftakt der neuen Champions-League-Saison. Werder Bremen empfängt am Mittwochabend den FC Barcelona. Im stern.de-Interview äußert sich Nationalspieler Tim Borowski zu den Chancen gegen einen scheinbar übermächtigen Gegner.

Tim Borowski, in der Champions League wartet am Mittwoch der FC Barcelona auf Werder Bremen. Sind die Spiele gegen diesen Weltklub der Höhepunkt in Ihrer bisherigen Karriere?

Zusammen mit den Partien gegen den FC Valencia und Inter Mailand aus der letzten Champions-League-Saison gehören die beiden Matches gegen Barcelona sicher mit dazu, keine Frage.

Beschreiben Sie doch mal die Stimmung im Team vor so einer Partie. Sie stehen am Mittwochabend ja im Scheinwerferlicht des europäischen Fußballs. Allein 32 TV-Stationen übertragen das Match weltweit. Lampenfieber kennen Sie ja eigentlich nicht, aber wird man da nicht doch etwas nervös?

Ganz klar, die Anspannung wird von Tag zu Tag größer. Und jetzt, so kurz vor dem Spiel, ist das berühmte Kribbeln da. Aber eines steht auch fest: Meine Nudeln haben mir bis jetzt immer noch gut geschmeckt, und der Mittagsschlaf hat in den letzten Tagen auch funktioniert.

Welches deutsche Team kommt in der Champions League am weitesten?

Ihr Team ist derzeit in bestechender Form, zuletzt haben Sie in Kaiserslautern mit 5:1 triumphiert. Wie viel Sicherheit gibt Ihnen der gute Liga-Start gerade auch im Hinblick auf die Partie gegen Barcelona?

Der Sieg auf dem Betzenberg war enorm wichtig für unser Selbstvertrauen. Zumal wir aufgrund der vielen Länderspielabstellungen auch nur einen Tag gemeinsam trainieren konnten. Die Vorbereitung auf dieses Spiel war also alles andere als ideal für uns. Und trotzdem haben wir voll überzeugt, das war absolut professionell. Die drei Punkte dort haben wir im Anschluss richtig eingeordnet, da braucht keiner Angst zu haben: Wir wissen genau, dass der FC Barcelona noch einmal ein ganz anderes Kaliber darstellt. Trotzdem gehen wir mit viel Selbstvertrauen in die Partie gegen die Spanier.

Wer Thomas Schaaf kennt, der weiß, dass er auch gegen Barcelona an seinem taktischen Konzept festhalten wird. Sie werden also auch gegen das Starensemble nach vorne spielen. Laufen Sie gegen so einen Gegner nicht Gefahr, unterzugehen, so wie gegen Olympique Lyon.

Im Rückspiel beim 2:7 in Lyon waren wir dazu gezwungen, unser System zu ändern. Da mussten wir nach der 0:3-Heimniederlage offensiver agieren als sonst. Gegen Barca ist das nicht nötig, das ist ja noch kein K.o-Spiel. Ich bin sicher, dass wir das richtige Rezept finden werden, um gegen Barcelona zu bestehen.

Das müssen Sie allerdings ohne Miroslav Klose, der seit Wochen in Topform ist. (Der Stürmer sah in der Qualifikation Gelb-Rot und muss deswegen ein Spiel pausieren, Anm. der Red.). Wie schwer wiegt der Verlust eines solchen Spielers in so einer wichtigen Partie, und kann Nelson Valdez die Lücke ausfüllen?

Das Fehlen von Klose trifft uns natürlich hart, aber ich bin sicher, dass Nelson ihn gut vertreten wird. Wir werden alle hinter ihm stehen. Und dass er ein Topstürmer ist, hat er ja schon oft bewiesen. Ich erinnere nur an unser Spiel in Valencia, als er uns mit seinen zwei Toren quasi im Alleingang ins Achtelfinale geschossen hat.

Letzte Saison ging es in der Vorrunde gegen Valencia, jetzt bekommen Sie es in der Gruppenphase mit dem FC Barcelona zu tun. Was macht die Faszination dieses Klubs aus?

Es ist ein Mythos, der diesen Verein umgibt. Das fängt an beim Stadion Camp Nou und hört auf bei den Erfolgen, die der Klub bis heute in regelmäßigen Abständen feiert. Wir bringen ihnen auch Respekt entgegen, aber eingeschüchtert sind wir deswegen noch lange nicht.

Barca ist ein Ensemble der großen Solisten, Ronaldinho, Deco, Xavi, Eto’o, wie sie alle heißen. Sie haben auch überragende Fußballer in ihren Reihen. Eine weitere Stärke ist darüber hinaus Werders mannschaftliche Geschlossenheit. Wie wichtig ist dieser Faktor? Und haben Sie dadurch vielleicht sogar einen Vorteil gegenüber den Spaniern?

Fakt ist, dass wir eine gute Truppe zusammen haben und unser Teamgeist hervorragend ist. Das kann ein Vorteil sein und zwar dann, wenn man in einer schwierigen Situation während des Spiels als Mannschaft noch enger zusammenrückt und eine Reaktion zeigt. Wie das bei Barcelona ist, weiß ich nicht. Ich kenne die Spieler nicht.

Zum Schluss noch einmal zum Gegner, der mit dem Brasilianer Ronaldinho den zurzeit weltbesten Fußballer in seinen Reihen hat. Wie will Werder diesen Ausnahmekönner überhaupt ausschalten?

Es wäre ein Fehler, nur auf Ronaldinho zu achten. Barcelona hat in allen Teilen überragende Einzelspieler. Für uns wird es vielmehr darauf ankommen, kompakt und taktisch klug aufzutreten. Dann haben wir auch eine realistische Chance.

Das Interview führte Klaus Bellstedt

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