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Champions League: Bayern macht alles klar, Bayer hält alles offen

Mit einem hohen 5:1-Sieg gegen Tel Aviv ist Bayern München vorzeitig ins Achtelfinale der Champions League eingezogen. Bayer Leverkusen hat nach einem Unentschieden bei Real Madrid auch noch alle Chancen - Jörg Butt sei Dank.

Mit einem Rekordsieg und spielerischer Leichtigkeit ist der FC Bayern München ins Achtelfinale der Champions League eingezogen. Im letzten Heimspiel der Vorrunde buchte der deutsche Fußball-Rekordmeister durch ein souveränes 5:1 (3:0) gegen Außenseiter Maccabi Tel Aviv die noch nötigen drei Punkte und sicherte sich den zweiten Platz in der Gruppe C hinter Juventus Turin. Beim Schützenfest vor 45.000 begeisterten Zuschauern im Olympiastadion trafen Claudio Pizarro (12. Minute), Hasan Salihamidzic (37.), Torsten Frings (44.) und Roy Makaay (71./80.) zum 30. Heimsieg der Bayern in der europäischen Königsklasse.

Für die Israelis erzielte Baruch Dego per Foulelfmeter (3:1/55.) das erste Auswärtstor in der Champions League. Die Bayern treffen damit Ende Februar im Achtelfinal-Hinspiel vor eigenem Publikum auf einen Gruppensieger. Mit 5:1 hatte der Bundesliga-Tabellenführer schon 1997 gegen Paris St. Germain und 2001 gegen Spartak Moskau gewonnen.

Trainer Magath vertraute seinem in der Bundesliga zuletzt so überzeugenden Team: Zum dritten Mal begannen die Bayern genau in der gleichen Besetzung. Makaay biss die Zähne zusammen und spielte trotz seiner Knöchelblessur. Bis zu seinem fünften und sechsten Saisontreffer in der Champions League sah man vom Top-Torjäger allerdings ungewohnt wenig - dafür ein starkes Stück von Pizarro: Der Peruaner setzte sich mit einem kraftvollen Antritt durch und zog dann aus 20 Metern ab - sein 14. Europapokal-Tor schlug unhaltbar im Winkel ein. Auch das 2:0 von Salihamidzic war wie ein "Befreiungsschlag" nach langer Durststrecke: Beide Torschützen hatten seit über zwei Jahren in der "Königsklasse" nicht mehr getroffen.

Die fröstelnden Zuschauer erlebten das erste Gastspiel einer israelischen Mannschaft im Olympiastadion, mussten dafür aber auch verschärfte Sicherheitsmaßnahmen rund um die Arena in Kauf nehmen. Maccabi war vom frühen Rückstand zwar keineswegs geschockt, konnte aber den haushoch überlegenen Bayern spielerisch nichts entgegen setzen. Nur in der 19. Minute fehlte nicht viel zum möglichen Ausgleich: Nach Abu Siams "Flanke" hatte Oliver Kahn viel Glück, dass der Ball genau auf die Latte sprang. Vor dem 3:1 parierte der Nationaltorhüter einen Kopfball von John Pantsil reaktionsschnell (54.) - beim folgenden Angriff konnte er Dego nur mit einem Foul stoppen.

Der Sieg der Bayern war nie gefährdet, hätte gegen einen zweitklassigen Gegner sogar noch höher ausfallen müssen. Liran Cohen konnte nach einem Schuss von Salihamidzic gerade noch auf der Linie retten (23.) - beim 2:0 war dann der Bosnier der glückliche Torschütze: Nach einem Eckball des für den formschwachen Bastian Schweinsteiger nach 28 Minuten eingewechselten Mehmet Scholl und einem wuchtigen Kopfball von Pizarro ließ Tel Avivs Torwart Liran Strauber abprallen - von Salihamidzic' Brust sprang der Ball ins Tor.

Butt rettet Leverkusen

Jörg Butt hat Bayer Leverkusen bei Real Madrid einen vielleicht entscheidenden Punkt gerettet und alle Achtelfinal- Chancen in der Champions League erhalten. Der 30 Jahre alte Torhüter parierte beim verdienten 1:1 in der 80. Minute in Weltklasse-Manier einen Foulelfmeter von Luis Figo und wurde so zum Helden eines denkwürdigen Fußball-Abends. Zehn Wochen nach der denkwürdigen 3:0-Gala in Leverkusen war der Bundesliga-Elfte vor 70.000 Fans im Bernabeu-Stadion nach der Führung von Dimitar Berbatow (36.) einer erneuten Sensation nahe.

Doch in der 70. Minute traf Raul zum 1:1, stellte damit Alfredo Di Stefanos Eurocup-Torrekord (49) ein und löste einen fulminanten Schlussspurt der lange Zeit konfusen Königlichen aus. Doch nicht nur beim Elfmeter - Juan hatte Zidane zu Fall gebracht - behielt Butt den Überblick. Damit kann Leverkusen im letzten Gruppenspiel, wo Diego Placente gesperrt ist, mit einem Sieg gegen Dynamo Kiew den Einzug ins Achtelfinale aus eigener Kraft perfekt machen.

"Ich hatte eine Ahnung, man hat ja schon ein paar Elfmeter von Figo gesehen", kommentierte Butt seine Glanztat. Der Ex- natiuonalkeeper war aber nur teilweise zufrieden: "Sicher ist ein Punkt in Madrid in Ordnung, wir haben jetzt unsere Ausgangsposition verbessert. Aber eigentlich wollten wir gewinnen." Auch Trainer Klaus Augenthaler trauerte der von Jaczek Krzynowek in der 51. Minute vergebenen Chance zum 2:0 hinterher: "Wir hätten das Spiel für uns entscheiden und uns schon qualifizieren können."

"Unglaublich, wie sich Real präsentiert. Das ist Standfußball", kommentierte Nationalmannschafts-Manager Oliver Bierhoff nach einer halben Stunde die leidenschaftslosen und durchsichtigen Aktionen. Während der neue Real-Trainer Garcia Ramon auf der Trainerbank tobte und fluchte, begann Leverkusen die Gunst der Stunde zu nutzen.

Der Bundesliga-Elfte legte allmählich seine Reserviertheit ab und startete erste zaghafte Angriffsbemühungen, die konfuse Real- Verteidigung sofort in Verlegenheit stürzte. In der 34. Minute hatte Krzynowek nach einem Abwehrfehler die Führung auf dem Fuß. Zwei Minuten später waren die Leverkusener Angriffsbemühungen aber schon von Erfolg gekrönt: Nach einer Nowotny-Flanke köpfte Andrej Woronin an die Latte, den Abpraller stolperte Real-Verteidiger Walter Samuel in die Beine von Berbatow, der keine Mühe mehr zur Vollendung hatte.

Auch der Rückstand löste bei Real keine Blockade. Mit einem gellenden Pfeifkonzert quittierten die entsetzten Real-Fans zur Pause das Geschehen, die Königlichen kamen aber unverändert aus den Kabinen. Real erhöhte den Druck, nicht aber die Spielkultur. Leverkusen hatte in der 51. Minute durch Krzynowek eine Großchance zum 2:0, wurde dann aber immer passiver. Bis zur 70. Minute plätscherte das Geschehen vor sich hin, ehe Rauls Ausgleich nach toller Vorarbeit von Figo der Partie eine völlig neue Wende gab. Der Treffer wirkte wie eine Befreiung für Real, das plötzlich Powerplay spielte und Möglichkeiten am Fließband hatte. Beim Schuss von Roberto Carlos (74.) reagierte Butt glänzend, bei Rauls Schuss half der Pfosten (77.), bei Figos Elfmeter wieder Butt.

DPA / DPA

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