HOME

Club in der Krise: Ausverkauf bei Real

Fünf Trainer, 18 neue Spieler, 300 Millionen Euro Ausgaben und kein einziger Titel in drei Jahren - bei Real Madrid kriselt's gewaltig. Nun sollen die Stars wieder verkauft werden: Nach Luis Figo und Zinedine Zidane könnte auch David Beckham Real verlassen. Doch über "Becks'" Zukunft gibt es widersprüchliche Aussagen.

Reals Sportdirektor Pedja Mijatovic wurde am Mittwoch vom italienischen Sender Sky Italia Television mit den Worten zitiert, dass Real den im Sommer auslaufenden Vertrag mit Beckham nicht verlängern werde. Damit löste er jedoch große Verwirrung aus, denn in Madrid wurden Zweifel an der Mitteilung laut.

Beckhams Sprecher dementieren

Ein Sprecher des Vereins und ein Repräsentant Beckhams dementierten die Worte des Sportchefs. Sie betonten, Mijatovic habe sich missverständlich ausgedrückt oder sei in Italien falsch verstanden worden. Real Madrid selbst war bis zum Mittwochabend nicht in der Lage, Klarheit in der Angelegenheit Beckham zu schaffen. Der frühere Kapitän der englischen Nationalelf hatte die Absicht erklärt, bei Real bleiben und seine Karriere in Madrid beenden zu wollen. Der 31-Jährige hatte aber verlangt, seine millionenschweren Werbeeinnahmen für sich behalten zu dürfen und nicht mit Real teilen zu müssen.

Der einstige Weltklasse-Spieler war 2003 nach einem monatelangen Ablösepoker für 35 Millionen Euro von Manchester United nach Madrid gewechselt, konnte dort mit den "Königlichen" aber keinen Titel gewinnen. Für Real-Trainer Fabio Capello ist Beckham nur noch zweite Wahl. Er war zuletzt mit Profi-Clubs in den USA in Verbindung gebracht worden.

Ein Dutzend Hochbezahlte sollen verkauft werden

Bei den Madrilenen, die im Achtelfinale der Champions League auf den FC Bayern München treffen, steht ohnehin ein Ausverkauf von Stars an. Der Club will spätestens bis zum Sommer etwa ein Dutzend hoch bezahlter Kicker abgeben. Nach drei Jahren ohne Titel wollen sie auch vor den "Heiligen Kühen" im Kader nicht mehr Halt machen.

In Madrid zirkulieren "Abschusslisten" von Spielern, von denen Real sich lieber heute als morgen trennen möchte. An der Spitze soll Torjäger Ronaldo rangieren, den die Madrilenen buchstäblich in die Wüste schicken könnten. Um den Brasilianer wirbt der saudi-arabische Club Al-Ittihad. Nach Angaben des Sportblatts "As" wollen die Saudis 20 Millionen Euro locker machen.

In Dschidda könnte der Torjäger mit seinem früheren Teamkameraden Figo ein Wiedersehen feiern, der im Sommer von Inter Mailand nach Al- Ittihad wechseln wird und mit dem Ronaldo schon beim FC Barcelona und bei Real in einer Elf gestanden hatte. Jedoch fällt es schwer, sich den lebenslustigen Ronaldo im sittenstrengen islamischen Königreich vorzustellen, in dem unverheiratete Paare nicht zusammenleben dürfen und Frauen Kopftuch sowie lange schwarze Gewänder tragen müssen.

Auch der Trainerstuhl wackelt

Mijatovic teilte mit, dass Antonio Cassano sich einen neuen Verein suchen kann. Der Italiener, der sich bei Real als Fehleinkauf erwies, wird wohl in seine Heimat zurückkehren. Auch der erst zu Saisonbeginn verpflichtete Brasilianer Emerson und der Malier Mahamadou Diarra, mit 26 Millionen Euro der teuerste Neuerwerb der Saison, sollen schon wieder zum Verkauf stehen. Selbst Raúl wird geführt auf einigen dieser "Abschusslisten". Allerdings kann sich kaum jemand vorstellen, dass Real ausgerechnet den Fußballer verhökert, der nach 13-jähriger Vereinszugehörigkeit beinahe zu einem "Heiligtum" geworden ist.

Bei Real müssen aber nicht nur die Spieler um ihre Jobs fürchten. Auch der Stuhl des Trainers wackelt. Nach Angaben des Sportblatts "Marca" ist das Punktspiel am Sonntag gegen Real Saragossa ein "Schicksalsspiel" für Capello. Das Blatt sieht Reals Ex-Trainer Vicente del Bosque als möglichen Nachfolger. Eine Entlassung Capellos würde die Madrilenen allerdings 15 Millionen Euro kosten.

Die desaströse Bilanz der letzten drei Jahre: Real verschliss drei Präsidenten und fünf Trainer, holte 18 neue Spieler und gab dafür 300 Millionen Euro aus, gewann aber nicht einen einzigen Titel.

Zu allem Überfluss hat der Club auch noch ein "Alkoholproblem". Mijatovic bestätigte indirekt Berichte, wonach mehrere Spieler nach durchfeierter Nacht mit einem Kater zum Training erschienen und nach Alkohol rochen. Einer von ihnen soll Brasiliens Jungstar Robinho gewesen sein. Laut "El Mundo" soll Real in Erwägung ziehen, seine Profis nach dem Vorbild englischer Clubs nachts überwachen zu lassen.

Hubert Kahl/DPA / DPA

Wissenscommunity