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Nach Kabinen-"Flucht" Manchester United suspendiert Cristiano Ronaldo – Lineker: Sein Verhalten "ist so armselig"

Cristian Ronaldo geht in den Kabinentrakt von Manchester United
Einmalige Kabinen-"Flucht" oder gar Abgang für immer? Manchester United hat Cristiano Ronaldo für das Liga-Spiel gegen Chelsea suspendiert. (Bild vom 2. Oktober)
© Andrew Yates/ CSM via Zuma Wire / DPA
Ein Weltstar demontiert sich selbst. Nachdem er im Liga-Spiel gegen Tottenham erneut nicht eingesetzt worden war, ist Cristiano Ronaldo vor dem Abpfiff in die Kabine entschwunden. Sein Arbeitgeber reagierte prompt.

Cristiano Ronaldo hat den Bogen überspannt. Nachdem er wohl aus Frust, beim Liga-Spiel gegen Tottenham einmal mehr nicht eingesetzt worden zu sein vor dem Abpfiff in die Kabine gegangen war, hat sein Club Konsequenzen gezogen. "Cristiano Ronaldo wird nicht im Kader von Manchester United für das Premier-League-Spiel gegen Chelsea am kommenden Samstag stehen. Der Rest der Mannschaft konzentriert sich voll auf die Vorbereitung auf dieses Spiel", erklärte Manchester United am Donnerstag kurz und knapp auf seiner Web-Seite. Das Ansehen des 37-jährigen mehrfachen Weltfußballers schwindet.

Kurz vor dem Abpfiff stapfte Ronaldo in die Kabine des Old Trafford, vorbei an den Fans, den Blick gesenkt – und ohne Rücksprache mit Trainer Erik ten Hag gehalten zu haben. Ein Eklat. Und ein Thema, das zum wiederholten Male für Unruhe beim englischen Rekordmeister sorgt.

Cristiano Ronaldo – "das ist so armselig"

Die Reaktionen folgten prompt, unter anderem zahlreiche Ex-Profis wie die früheren englischen Nationalspieler Michael Owen und Gary Lineker meldeten sich zu Wort. "Das ist nicht sehr professionell", kritisierte Owen, der gleichwohl Verständnis zeigte: Er könne Ronaldos Frust verstehen, "es muss schwer für ihn sein". Lineker wählte drastischere Worte: "Es tut mir leid, aber das ist nicht zu akzeptieren, das ist so armselig", sagte der TV-Experte über Ronaldos Flucht.

Chefcoach ten Hag umschiffte das brisante Thema nach dem Spiel. "Ich werde mich damit morgen beschäftigen, nicht heute. Jetzt feiern wir diesen Sieg", sagte der 52-Jährige am Mittwochabend. "Ich habe ihn gesehen, aber ich habe nicht mit ihm gesprochen." 

Ten Hag will System nicht auf Altstar abstimmen

Ob eine Aussprache hilft, ist allerdings die große Frage. Der Trainer und sein Spieler haben wohl zu unterschiedliche Auffassungen über Ronaldos Rolle. Schon im Sommer wollte der fünfmalige Champions-League-Sieger unbedingt den Club verlassen. Denn ten Hag setzt auf mannschaftsdienliche Akteure, die auch im Spiel gegen den Ball viel laufen sollen. Ronaldo gönnt sich derweil gern Pausen, um bei Angriffen glänzen zu können. Doch längst ist er nicht mehr die Tormaschine, die er einst bei Juventus Turin (134 Pflichtspiele/101 Tore) oder Real Madrid (438/450) verkörperte. Und ten Hag ist nicht bereit, sein System einem alternden (Ex-)Ausnahmespieler zu unterwerfen.

Ronaldos Bilanz unter ten Hag liest sich erschreckend. Nur einmal durfte er in dieser Saison über die vollen 90 Minuten ran – bei der blamablen 0:4-Niederlage am zweiten Spieltag beim FC Brentford. Nach zwölf Spieltagen hat er erst einmal getroffen, noch kein Tor vorbereitet. Dass die Fans weiterhin mit ihm abklatschen wollen, verdankt Ronaldo vor allem seiner ruhmreichen Vergangenheit. Ob er in Manchester auch eine Zukunft nach seiner "Flucht" hat? Das ist wohl fraglicher denn je.

dho DPA

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