Der "Außerirdische" Beckhams wundersame Wandlung bei Real


Als Popikone und reines Marketingobjekt der "Königlichen" wurde er anfangs bezeichnet: Inzwischen hat Real-Star David Beckham als "Arbeitsbiene" alle Zweifler widerlegt.

An den FC Bayern erinnert sich David Beckham gerne. "Mit Manchester United gewann ich im Finale 1999 gegen die Münchner die Champions League" schwärmt der Engländer: "Das war der schönste Augenblick in meiner Fußballkarriere. Hoffentlich gelingt mir nun mit Madrid ein ähnlicher Sieg."

Vom englischen Freißstoßkönig zum Arbeitstier

Im Achtelfinal-Hinspiel am Dienstag zwischen dem FC Bayern und Real werden die Zuschauer im Olympiastadion einen ganz anderen Beckham sehen als in der Zeit des denkwürdigen Finales. Als "Becks" zu Saisonbeginn für 35 Millionen Euro nach Real Madrid wechselte, galt er als der Kicker mit dem "besten rechten Fuß der Welt". Am rechten Flügel führte er Regie, schlug Flanken und Pässe.

Beckham war zudem ein "Meister des ruhenden Balls". Per Freistoß schoss er für ManU 30 und für die englische Nationalelf 7 Tore. Seine Eckbälle leiteten im Finale 1999 die beiden Treffer gegen die Bayern ein, mit denen ManU in den Schlussminuten aus einem 0:1 ein 2:1 machte. Dennoch stieß die Verpflichtung des "Spice Boy" in Madrid auf Zweifel.

Beckham sollte als Pop-Ikone dem Marketing auf die Beine helfen und dafür sorgen, dass der Absatz von Fan-Artikeln weltweit in Schwung kam, lautete das einhellige Urteil der Experten. Sie hatten gute Gründe für ihre Skepsis: Beckham ist kein Torjäger wie Ronaldo, kein Ballartist wie Zinedine Zidane und kein Flügelstürmer wie Luis Figo.

Fürs Grätschen nicht zu schade

"Wird er vor Eckbällen für die Fotografen posieren?", fragte Reals Ehrenpräsident Alfredo di Stéfano. Bösartige Spötter meinten gar, Beckham sei das "männliche Gegenstück zu Anna Kurnikowa". Dabei verschwiegen sie allerdings, dass der Engländer nicht nur gut aussieht, sondern im Gegensatz zur russischen Tennisspielerin auch zahlreiche sportliche Erfolge vorzuweisen hat.

Die Skeptiker sollten jedoch Unrecht behalten. Der kickende Pop- Star bewies in Madrid, dass er Fußball spielen und obendrein kämpfen kann. Im Star-Ensemble von Real wuchs Beckham in eine Rolle hinein, die ihm nicht auf den Leib geschrieben war. Er muss im defensiven Mittelfeld dem Gegner den Ball abjagen, er muss rennen, grätschen und Tritte austeilen. Diesen "Knochenjob" hatte zuvor Claude Makelele erledigt, aber Real verkaufte den Franzosen an den FC Chelsea.

Dauerläufer Beckham

"Aus dem Superstar, der immer nach der neuesten Mode gekleidet war, ist ein echter Arbeiter geworden", schreibt die Zeitung "El País". Beckham ist nach Studien derjenige im Real-Team, der pro Spiel am meisten läuft. "Ich bin überrascht, dass Beckham auf der defensiveren Position so gut eingeschlagen ist", meint Bayern-Trainer Ottmar Hitzfeld anerkennend. "Er ist sich nicht zu schade, im Mittelfeld Drecksarbeit zu erledigen."

Nur das Freistoß-Schießen scheint Beckham in Spanien verlernt zu haben. Bei Real konnte er von rund 40 Freistößen nur 3 im Tor des Gegners unterbringen. "Hat Beckham sein Gefühl im rechten Fuß verloren?", fragt das Sportblatt "As" besorgt. Beckham selbst hat eine andere Erklärung: "In Spanien stehen die Abwehrmauern zu nahe am Ball. Die Schiedsrichter achten nicht auf die Distanz von zehn Yards (9,15 Meter)."

Hubert Kahl

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